03.12.2017 - 22:38 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Wertschätzung Leitthema bei SPD-Schulkonferenz "Lehrer gelten als faul"

Wie läuft es an den bayerischen Schulen? Dieser Frage geht die Bayern-SPD in zehn Schulkonferenzen im ganzen Freistaat auf den Grund. Auch in Weiden hat sie Station gemacht. Der Vorsitzende des Bildungsausschusses, Martin Güll, hat im Café Mitte mit Lehrern der Region gesprochen. Begleitet wurde er von der Neustädter SPD-Abgeordneten Annette Karl.

von Dominik Konrad Kontakt Profil

"Das Leitthema war eigentlich die Wertschätzung", sagte Karl. "Das hat mich überrascht. Das ging durch alle Schularten." Es habe sich herausgestellt, dass die Lehrer nach eigener Darstellung eigentlich ihr Bestes geben. "Gleichzeitig werden sie als Halbtagskräfte, als faul dargestellt, während Lehrer heutzutage ja eigentlich die Ausputzer für gesellschaftliche Probleme sind." Außerdem sei die Bürokratie ein Problem: "Wenn ein Kind eine Behinderung hat, dann muss ein eigener Lehrplan gemacht werden. Das muss die Schulleiterin machen, die meistens keine Sekretärin hat. Dafür muss sie aber 500 Seiten Vorgaben lesen."

Im ländlichen Raum sei vor allem die geringe Klassengröße ein Problem. An der Schülerzahl bemesse sich die Menge der zugeteilten Stunden. "Da war der Wunsch, dass man für kleine Schulen eine Art Grundbudget festlegt, dass man den Pflichtunterricht abdecken kann."

Ähnliche Wünsche

Die Themen der Pädagogen wären in den Regionen häufig ähnlich, meint Güll. So etwa der Unterrichtsausfall: "Der Wahlunterricht ist in Grund- und Mittelschulen mehr als auf Kante genäht. Wir haben einfach zu wenig Lehrer." Außerdem sei das Budget für die offene Ganztagsschule zu klein: "Wenn du Qualität haben willst, brauchst du Fachleute. Wenn das Budget aber zu gering ist, hast du vielleicht eine pädagogische Fachkraft als Leitung, aber kein Geld mehr, um die Arbeit am Kind auch mit Fachkräften zu machen", sagt Güll. "Das ist ein Stück Lebensqualität und Zukunftsperspektive auch für die jungen Leute, weil wir wollen ja, dass sie in der Region bleiben", ergänzt Karl. "Es geht bei uns im Landkreis und in Weiden sehr gut, bis die Kinder in die Schule kommen. Dann wird es schwierig. Man kann sie halt auch nicht in den Schlot hängen und es gibt nicht mehr überall die Oma, die Zeit hat und hier wohnt." Ein weiteres Thema ist die Digitalisierung. Es dürfe auf keinen Fall eine Spaltung zwischen den Gemeinden geben, die sich Technik leisten können, und denen, die sparen müssen. "Hier die Bitte an die Politik: Achtet darauf, dass der Staat für gleiche Verhältnisse sorgt", mahnte Güll.

Mit Behinderten alleine

Beim Thema Inklusion fühlten sich die Lehrer allein gelassen. Sie befürworteten die Einbindung Behinderter in den regulären Unterricht. Aber im Moment habe eine Grundschullehrerin 25 Kinder und keinen Förderschullehrer an der Hand, keine pädagogische Zweitkraft und darüber hinaus auch keine Zusatzausbildung. "Inklusion droht zum Sparmodell zu werden. Und das kann nicht im Sinne aller Betroffenen sein", sagte Karl. "Das wird niemandem gerecht", ergänzte Güll. "So fahren wir die Inklusion an die Wand."

Inklusion droht zum Sparmodell zu werden. Und das kann nicht im Sinne aller Betroffenen sein.Annette Karl (SPD), Landtagsabgeordnete

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