02.11.2017 - 21:58 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Wie Feinstaub und Stickstoffdioxid in der Oberpfalz verringert werden soll Dicke Luft?

Autos, Lastwagen, Heizkraftwerke, Öfen und Kamine - in vielen Städten Bayerns ist die Luft voller Feinstaub und Stickstoffdioxid. Im Kampf gegen Luftverschmutzung setzen Großstädte auf einen Mix aus Förderung, Ausbau und Umbau. Auch in der Region ist das ein Thema.

Messegeräte zur Messung der Luftqualität stehen in Stuttgart an einer Straße. Auch Städte und Gemeinden in der Oberpfalz entwickeln derzeit vielfältige Ideen und Ansätze, um den Feinstaub- und Stickstoffdioxid-Gehalt in der Luft deutlich zu verringern. Bild: Sebastian Gollnow/dpa
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Amberg/Weiden/Regensburg. (esa/dpa) Mit dem trüben Wetter beginnt auch in Bayern wieder die Feinstaubsaison. Vor allem in den Herbst- und Wintermonaten werden in Städten mit viel Verkehr die erlaubten Tagesgrenzwerte Luft immer wieder überschritten. Regensburg führt für eine bessere Luft die Umweltzone ein. "Es ist alles dafür vorbereitet", sagt Rudolf Gruber, Leiter des Umweltamts der Stadt.

In München, Nürnberg und Augsburg messen die Stationen regelmäßig zu hohe Feinstaubwerte. Der Schadstoff wird durch den Straßenverkehr sowie den Ausstoß von Öfen, Heizungen, Industrie und Kraftwerken verursacht. Auch Stickstoffdioxid ist ein Problem. Dieser entsteht zum Beispiel bei Verbrennungsprozessen in Motoren. Das Landesamt für Umwelt (LfU) hat in vielen Städten Messstationen errichtet. Es erfasst jedoch nicht überall sowohl Stickstoffdioxid als auch Feinstaub.

In der Luftkunststadt Amberg wird die Luft nicht überwacht, in Weiden schon seit 2012. Die Messstation des LfU befindet sich in der Nikolaistraße. Ein Jahr lang wurde Feinstaub (Partikelgröße 10, PM10) beobachtet, seit 2013 sogar Feinststaub (Partikelgröße 2,5, PM2,5) gemessen. Letzterer besteht aus noch kleineren Partikel. Während Feinstaub in die Nasenhöhle des Menschen eindringen kann, erreicht Feinststaub sogar die Lungenbläschen. Im vergangenen Jahr betrug der Feinststaub-Mittelwert 12 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Zulässig ist laut einer europaweiten Vorschrift ein Jahresmittelwert von 25 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Grünanlagen erhalten

Die Werte für Stickstoffdioxid (NO2) haben sich seit 2014 in Weiden verringert. Stickstoffdioxid ist vor allem für Asthmatiker ein Problem. Auch die Wirkung von Allergenen kann sich durch den Stoff verstärken. 2014 lag der Jahresmittelwert noch bei 30 Mikrogramm pro Kubikmeter, 2016 waren es nur noch 25, erlaubt sind 40. Der Höchstwert wurde laut LfU im vergangenen Jahr an keinem Tag überschritten.

Um die Luft in Weiden möglichst sauber zu halten, gibt es einen Luftreinhalteplan. Darin heißt es unter anderem, dass die Stadtverwaltung öffentlichen Nahverkehr und E-Mobilität fördern will, und sich Teile des Verkehrs auf Tangenten, die Bundesstraße 22 und die Autobahn 93 verlagern soll. Grünanlagen im Stadtzentrum sollen erhalten werden.

Messstationen des LfU gibt es auch in Sulzbach-Rosenberg (Lohe) und Schwandorf (Wackersdorfer Straße). Während in Schwandorf Stickstoffdioxid gemessen wird, erfasst das Amt in Sulzbach-Rosenberg Feinstaub. Die Grenzwerte wurden in den beiden Städten 2016 nie überschritten. Auch in Regensburg spielt gute Luft eine wichtige Rolle. Und das, obwohl die Feinstaubbelastung 2016 gering war, wie die Stadt auf ihrer Homepage informiert. Die Messstation ist an der Ecke Landshuter Straße/D.-Martin-Luther-Straße. Mit durchschnittlich 18 Mikrogramm pro Kubikmeter wurde der erlaubte Immissionswert deutlich unterschritten und im Vergleich zu anderen bayerischen Großstädten nie überschritten, teilt die Stadt mit. Im bezirksweiten Vergleich ist jedoch Regensburg Spitzenreiter: Die Belastung mit Feinstaub war dort am 2. November, 11 Uhr, am stärksten (Tagesmittelwert 19 Mikrogramm pro Kubikmeter). Den höchsten Stickstoff-Stunden-Wert misst das LfU ebenfalls in Regensburg (47 Mikrogramm pro Kubikmeter).

Umweltzone kommt

Im Vergleich zu anderen bayerischen Großstädten war die Luft an der Donau 2016 recht rein. Grund dafür war das Wetter: "Das liegt an der Inversionswetterlage", erläutert Rudolf Gruber vom Umweltamt. An richtig kalten Tagen mit Sonnenschein bildet sich oben eine kalte Luftschicht, warme Luft kann vom Boden nicht aufsteigen. Die Feinstaubpartikel sammeln sich in der warmen Luftschicht. Ihre Konzentration ist dann höher, weil Feinstaub und warme Luft nicht in die Atmosphäre entweichen können. "Das ist dann aber ein bayern- oder deutschlandweites Problem", sagt Gruber. Zum Beispiel 2015: Damals waren die Werte noch ganz anders und Regensburg lag an der Spitze der belasteten Städte in Bayern.

Trotz des guten Ergebnisses 2016 hat die Stadt ein Leitbild zu Energie und Klima mit 12 Punkten verfasst. Unter anderem steht darin, dass die "Stadt Regensburg den ÖPNV sowie den Rad- und Fußverkehr konsequent fördern und bei allen Planungen besonders gewichten" will. Um die Ziele zu erreichen, denkt man über einen autofreien Sonntag nach.

Außerdem gibt es ein Programm zur Förderung von Elektrofahrzeugen für Taxiunternehmer, Handwerker und für soziale Dienste sowie von Lasten-Pedelecs für wirtschaftliche und gemeinnützige Zwecke, informiert Pressesprecherin Juliane von Roenne-Styra. Die Stadt soll grüner werden, zum Beispiel sollen Pflanzen auch auf Dächer. Auch die Umweltzone soll bald kommen. "Es ist alles dafür vorbereitet", informiert Gruber. Die Verkehrsschilder seien aber noch nicht aufgestellt. Die Unterlagen liegen derzeit bei der Regierung, die das Vorhaben prüft.

Schlusslicht München

In Bayern ist der Stachus in München aktuellen Messungen des Bayerischen Landesamtes für Umwelt zufolge derzeit trauriger Spitzenreiter bei Feinstaub. Dort gab es im laufenden Jahr an bislang 24 Tagen zu viel dicke Luft.

Schon 2016 wurde das erlaubte Jahresmittel bei Stickstoffdioxid von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft bayernweit an sechs Stationen überschritten. Die höchste Belastung registrierte das Landesamt für Umwelt in München (56 bis 80 Mikrogramm), Augsburg und Nürnberg (jeweils 46 Mikrogramm) und Würzburg und Regensburg (jeweils 42 Mikrogramm). (dpa)

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