Wie geht es den Weidener Bundeswehrsoldaten in Pristina und Prizren? Aufnäher statt Eier: Ostern im Kosovo-Einsatz

Seit mehr als zwei Monaten sind fast 100 Weidener Soldaten im Kosovo im Einsatz. Beim Besuch des Oberbürgermeisters erzählen sie, wie es ihnen geht, was an Ostern geplant ist - und warum momentan viele dem Militärpfarrer hinterherlaufen.

von Julian Trager Kontakt Profil

Pristina/Prizren. Aufnäher statt Eier. Der Seelsorger im deutschen Feldlager in Prizren hat sich für die Feiertage etwas Besonderes einfallen lassen. Oberstabsgefreite Vanessa W. erklärt: "Der Militärpfarrer versteckt neun Osterpatches." Wer einen Aufnäher findet, bekommt eine Überraschung. "Das halbe Lager läuft dem Militärpfarrer gerade hinterher", sagt Stabsfeldwebel Daniel R. und lacht. Jeder wolle wissen, wo die Dinger landen.

87 Weidener Soldaten des Artilleriebataillons 131 feiern heuer spezielle Ostern - sie sind seit mehr als zwei Monaten in Prizren oder in der kosovarischen Hauptstadt Pristina stationiert. Dort leisten sie als Leitverband des 49. Deutschen Einsatzkontingents KFOR (Kosovo Force) ihren Beitrag zur Sicherung und zum Aufbau des Kosovos. Im August geht's zurück in die Oberpfalz.

Besonderes Barbecue

In Prizren veranstalten die Soldaten am Ostersonntag ein Osterbarbecue. "Das ist ein Highlight", sagt Vanessa W. Auch im Feldpostamt ist zurzeit viel los. Viele erwarten Osterpakete von der Familie, Freunden oder den in Weiden gebliebenen Kameraden. Auch in Pristina, wo das KFOR-Hauptquartier steht, freuen sich die Weidener Soldaten auf die Feiertage. Manch einer hat 20 Postkarten für Ostern verschickt. Jetzt wartet man auf die vielen Antwortpakete.

Und wie geht's ihnen sonst so? Ganz gut, sagen alle. "Es fehlt an nichts." Man habe alles, was man braucht: Restaurants, Bars, Sportstudios, eine Kapelle, einen Supermarkt mit jeder Menge Parfüms, Uhren, Bier und Lego-Spielsachen im Angebot - die Lager sind eigene, autarke Städte. Um Abwechslung in den Alltag zu bringen, wird gemeinsam Bingo gespielt oder Filme geschaut. Raus aus dem Lager dürfen die Soldaten nur im dienstlichen Auftrag, was nicht vielen zusteht. Die Ausnahme: Organisierte Betreuungsfahrten, Sightseeing. Auch wenn die Soldaten im Lager bleiben müssen - die Sicherheitslage im größten Teil des Kosovos ist stabil. Was den Einsatz, gerade auch für die Angehörigen daheim deutlich entspannter macht als ein Einsatz in Afghanistan oder Mali. Trotzdem hat Vanessa W. Respekt: "Man weiß nie, was passiert. Man darf das nicht unterschätzen."

Natürlich ist auch im Lager nicht alles perfekt. Oberfeldwebel Stefan M. sagt: "Es fehlt ein Rückzugsort." Die Privatsphäre leide und man könne nie wirklich abschalten. Denn: Die Soldaten sind zu zweit in einer Stube untergebracht und immer im Dienst, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche - wenn etwas geschieht, müssen sie bereit sein. Was ihn besonders stört: "Es nagt an einem, dass viele Leute nicht mitbekommen, was man hier alles entbehren muss. Man kann sich nicht jeden Tag an seine Frau rankuscheln oder die eigenen Kinder umarmen. Und die Aussage: Ihr seid doch da im Urlaub." Das stimme einfach nicht. Auch die schlechte Luft ist ein Thema. Gerade in Pristina mit dem Kohlekraftwerk, von einigen Soldaten auch "Wolkenfabrik" genannt. Zurzeit sieht's aber gut aus, der Pfeil auf der Luft-Index-Tafel, die vorm Hauptquartier steht, zeigt auf Grün.

Renaissance der Postkarte

Was keine Probleme bereitet, ist der Kontakt nach Hause. "Das läuft einwandfrei", sagt Daniel R. Dank Whats-App, Facebook und Videotelefonie. Aber auch alte Techniken kommen zum Einsatz. Der Stabsfeldwebel sagt: "Ich schreibe jede Woche eine Karte, da freuen sich die Kinder daheim." Aus dem Feldpostamt heißt es: "Manche Soldaten haben hier zum ersten Mal einen Brief geschrieben." Das sei eben schöner als ein Whats-App-Nachricht. Für Hauptfeldwebel Andy H. ist die Verbindung in die Heimat sehr wichtig: "Es ist immer wieder schön, etwas von seinen Liebsten zu Hause zu hören."

In Gesprächsrunden mit OB Kurt Seggewiß diskutierten die Weidener auch über die Wohnraumsituation in Weiden und den heimischen Standort. Dieser kommt bei den Soldaten gut weg. Man spüre die Verbundenheit der Bevölkerung mit der Bundeswehr: "Da kann man auch in Uniform in den Supermarkt gehen, ohne schief angeschaut zu werden."

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