Windkraft: Vor der Stadtratssitzung tun sich alte Gräben wieder auf
"Das gibt Ärger"

Die Kapelle zur Heiligen Staude: Im Waldgebiet südöstlich davon könnte ein Vorbehaltsgebiet für Windkraft entstehen. Bild: Schönberger
Politik
Weiden in der Oberpfalz
17.12.2016
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Windräder im Osten von Weiden? Die Frage ist vorerst rein theoretisch. Trotzdem brechen schon jetzt die alten Gräben wieder auf.

Es ist erst einmal nur eine Formalie. Der Stadtrat soll am Montag, 19. Dezember, in seiner Sitzung ab 15 Uhr über eine Änderung des Regionalplans entscheiden. Die neue Version sieht ein etwa 19 Hektar großes Vorhaltsgebiet für Windkraft im Wald südöstlich der Heiligen Staude vor (wir berichteten).

Die Verwaltung sieht darin kein Problem. Sie habe den Entwurf ab Mitte September einen Monat lang ausgelegt und das auf der Homepage, der Amtstafel und im Amtsblatt bekanntgemacht. Weder extern noch von den Stellen im Haus habe es Anregungen gegeben. Der Beschlussvorschlag lautet also: Es besteht Einverständnis mit der Änderung.

Für Alois Lukas gilt das allerdings nicht. Der CSU-Stadtrat und Vorsitzende des OWV Weiden prognostiziert: "Das gibt Ärger." Er sei von der Tagesordnung völlig überrascht worden. Von der Auslegung habe er nichts mitbekommen, das Amtsblatt erhalte er ja nicht mehr.

Lukas nennt es "einen Witz, dass man das jetzt vor Weihnachten durchboxen will". Er vermute durchaus, dass da mehr als nur eine Planänderung dahinterstecke. Vom OWV-Hauptverein wisse er, dass der sich auch schon beim Regionalen Planungsverband und bei Oberbürgermeister Kurt Seggewiß gegen die Pläne ausgesprochen habe. Und er kenne viele, die ähnlich dächten. "Die Bevölkerung macht sich Sorgen."

"Still und heimlich"

Sofern er damit die Bürgerinitiative (BI) Weiden-Ost meint, stimmt das auch. Deren Vertreter Johannes Wagner und Thomas Hys verweisen in einem Schreiben an den NT darauf, dass das betroffene Waldstück ein Naturschutzgebiet sei. Außerdem kritisieren sie, dass der Plan "offensichtlich ganz still und heimlich ausgelegt wurde, damit ja niemand Widerspruch einlegt".

Die BI ruft Anwohner und Gegner der "Zerstörung unseres Erholungsgebiets um die Heilige Staude" auf, die Stadtratssitzung zu besuchen. Gleichzeitig betonen Wagner und Hys: "Wir haben Kurt Seggewiß' Aussage noch klar im Ohr, dass es mit ihm keine Windräder in und um Weiden geben wird." Um das Weltklima zu retten, "darf man seine eigene Landschaft nicht zerstören und den Menschen, die in der Nähe dieser Kraftwerke wohnen müssen, zeitlebens die Auswirkungen des Betriebs dieser riesigen Anlagen aufbürden".

Überrascht von der anstehenden Planänderung zeigt sich auch SPD-Stadtrat Reinhard Hese. Damit enden allerdings die Gemeinsamkeiten. Ob Windkraft an dieser Stelle wirklich sinnvoll ist, das könne zwar jetzt noch keiner sagen. Dazu seien zu viele Fragen noch offen. Trotzdem dürfe man "diese Tür, die sich jetzt öffnet", nicht gleich wieder zuschlagen. Hese betont, dass sich der Stadtrat auf Klimaschutzziele verpflichtet habe. Inzwischen seien die Möglichkeiten, über Photovoltaik regenerativen Strom zu erzeugen, weitgehend ausgeschöpft. Deshalb, sagt er, sei Windkraft nach wie vor "ein wichtiger Faktor".

Wichtiges Signal

Natürlich weiß auch er, dass der Stadtrat am Montag keine endgültige Entscheidung für oder gegen Windkraft fällen wird. Ohnehin wäre "eine lange und schwierige Geschichte" zu erwarten. Trotzdem könne und solle das Gremium ein erstes wichtiges Signal geben: "Wenn der Stadtrat zu seinem Wort steht und nicht partikularer Egoismus gewinnen soll, dann ist das eine Chance."
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