16.02.2018 - 14:32 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Zahl der Ein- und Auspendler hält sich fast die Waage Nordoberpfalz als "Lokomotive"

Wie sich die Zeiten ändern. Vor mehr als 40 Jahren begründete Gustl Lang das Fischessen der CSU im Zottbachhaus bei Pleystein. Damals haderte die Region mit Abwanderung und Jugendarbeitslosigkeit. Heute ist der Fachkräftemangel brennendes Thema. Im Gustav-von-Schlör-Saal (Max-Reger-Halle) mundeten den Gästen nicht nur die marinierten Heringe, auch die vom Chef der Arbeitsagentur Weiden, Thomas Würdinger, servierten Zahlen wirkten bekömmlich. Danach weist die Nordoberpfalz noch "genügend Potenzial" auf, die Beschränktheit an Arbeitskräften selber zu stemmen.

"Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass sich der Arbeitsmarkt so großartig entwickelt hat", dankt Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht dem Chef der Arbeitsagentur Weiden, Thomas Würdinger (links), für die interessanten und pointierten Ausführungen. Bild: cf
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

"Ohne Arbeitsplätze hat die Region keine Perspektiven", sagte Gastgeber MdB Albert Rupprecht. Er erinnerte daran, dass früher 20 Prozent der Jugend - auf ein Jahrzehnt hochgerechnet - abwanderten, "heute ist es 1 Prozent auf 10 Jahre". Zu mehr Gelassenheit ("Was ist die Alternative?") ermunterte Rupprecht bei der Groko mit der SPD. Schließlich kämpfe sich Deutschland mit deutlich mehr Finanzmitteln für Innovation und Forschung "zurück an die Weltspitze", zudem werde der soziale Zusammenhalt der Gesellschaft gefördert. Mit einer kleinen Sensation wartete der Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Weiden auf: Inzwischen hält sich die Zahl der Ein- und Auspendler in der Nordoberpfalz fast die Waage.

Trotzdem arbeiten noch 18 000 Menschen auswärts, obwohl sie in Weiden-Neustadt-Tirschenreuth wohnen. In diesem Punkt sowie im jährlich steigenden Ausländeranteil (plus 30 Prozent seit 2005), in der unterdurchschnittlichen Frauen-Beschäftigungsquote und in der Tatsache, dass mehr als 10 000 "Erwerbspersonen" keine abgeschlossene Berufsausbildung besitzen, sieht Thomas Würdinger große Chancen für den Arbeitsmarkt.

Die Entwicklung seit 2013 untermauert diese Zuversicht: Seitdem stieg die Zahl der Einpendler und der Frauen-Beschäftigung um je 17 Prozent; 1500 Arbeitnehmer aus dem nahen Tschechien (plus 21,4 Prozent) und 13 Prozent mehr Ausländer (EU und Drittstaaten) sind in Arbeit. Obwohl die Nordoberpfalz seit 2005 um rund 10 000 Einwohner schrumpfte, entstanden mehr als 15 000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze: Hier beträgt der aktuelle Zuwachs 3 Prozent, der Schnitt in Bayern liegt bei 1,9 Prozent. Würdinger: "Wir sind die Lokomotive." Wie die nördliche Oberpfalz prosperiert, zeigt auch das Bruttoinlandsprodukt (BIP); es stieg seit 2005 je Einwohner um 42,7 Prozent auf 34 187 Euro.

Die Arbeitnehmerschaft wird im Schnitt immer älter, so erhöhte sich der Anteil der Beschäftigten 55plus um 114 Prozent auf 18,2 Prozent. Im Gegenzug sank der Anteil der Auszubildenden in den Betrieben von 7,5 auf 6.1 Prozent. Würdinger appellierte an die Unternehmer, auch selber etwas zu tun, um sich als Arbeitgeber attraktiv aufzustellen

Ich appelliere an die SPD-Mitglieder, ihre Verantwortung für unser Land wahrzunehmen.MdB Albert Rupprecht (CSU)

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