08.02.2017 - 20:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Bundesliga-Schiri in Weiden: Cortus ein ganz Pfiffiger

Vor allem die jungen Schiedsrichter hörten ganz aufmerksam zu: Am Montag war bei der Monatsversammlung der Gruppe Weiden ein ganz besonderer Mann zu Gast - und auch irgendwie ein Vorbild.

Schiedsrichter Benjamin Cortus (rechts) zeigt Düsseldorfs Adam Bodzek die Gelbe Karte. Mittlerweile pfeift der junge Franke in der ersten Liga. Bild: dpa
von Josef Maier Kontakt Profil

Die großen Stars der Fußball-Szene tanzen nach seiner Pfeife. Er holt sie zu sich, und verwarnt sie auch schon mal mit strengem Blick. So einer, mit so viel Macht, der hat doch einen steilen Aufstieg hinter sich? Hat er nicht. So einer wäre vor Jahren beinahe hängengeblieben. "2002 bin ich abgestiegen." Aus der Bezirksliga, in der Fußball-Provinz, irgendwo im Nürnberger Land. An Spielleitungen in den großen Stadien Deutschlands war da gar nicht zu denken.

Aber Benjamin Cortus blieb konsequent dran. Und stieg auf, immer wieder. Seit 2016 pfeift der 35-Jährige aus Röthenbach an der Pegnitz in der ersten Bundesliga, schon etwas früher wurde er auch schon in der zweiten Liga eingesetzt.

Immer wieder im Rampenlicht zu stehen, darauf bildet sich der junge Bundesliga-Schiri in der ersten Liga nichts ein. Natürlich sei es toll, die Mannschaften vor Zehntausenden von Zuschauern aufs Feld zu führen. "Man saugt das schon auf. Aber, wenn ich anpfeife, bin ich voll konzentriert, fokussiere mich total aufs Spiel." Das ganze Drumherum kriegt er nicht mit. Er macht seinen Job auf dem Platz hochkonzentriert. Für den jungen Mann ist die Schiedsrichterei auch kein Hobby. "Das ist meine Sportart." Und von der erzählte der junge Mann am Montagabend den Schiri-Kollegen aus dem Fußball-Teilkreis Weiden. Keine graue Theorie gab es bei diesem Termin für die Referees, sondern Erzählungen aus der Praxis. Und da machte Cortus vor allem vielen jungen Kollegen Mut. "Ich hatte sicherlich keine Bilderbuchkarriere. Es hat gedauert", erzählte er. "Und Glück hatte ich auch." So hörte ein prominenter Schiri auf. Aber es gehört natürlich auch viel Talent und Können dazu. Cortus bleibt auch in hitzigen Phasen ganz cool, wägt genau ab und reagiert gelassen. Auf dem Platz - und daneben.

Wichtig, so sagt er, sei es auch, Fehler anzunehmen, daraus zu lernen. Cortus ist keiner von der Sorte, die sich für unfehlbar halten. "In meinem ersten Zweitligajahr", erinnert er sich, "lief es gar nicht." 2011 pfiff er im deutschen Unterhaus die ersten Spiele, 2011 wurde auch sein kleiner Sohn (mittlerweile hat Cortus auch noch eine zweijährige Tochter) geboren. Die familiären Einflüsse habe er komplett unterschätzt, gab er zu. "Wenn der Kleine krank war, konnte man das beim Spiel nicht komplett ausblenden."

Natürlich hat sich durch die Schiedsrichterei auch der Lebensrhythmus verändert. Cortus arbeitet nur noch halbtags als EDV-Teamleiter bei einem Nürnberger Unternehmen. "Ich bin jetzt nachmittags zu Hause, kriege mit, wie die Kinder aufwachsen." Allerdings muss er auch viel trainieren, und am Wochenende ist er meist unterwegs. "Deswegen machen wir während der Woche viel, was andere am Wochenende machen." Reich werde man durch das Pfeifen nicht. "Wenn du kein Spiel hast, hast du auch keine Einnahmen." Für die Schiris gebe es aber ein kleines Grundgehalt. Wie viel? Dazu darf er nichts sagen.

Zuletzt war der Franke nicht nur auf dem Platz aktiv. Bei den Schiedsrichtern tut sich auch technisch einiges. Ab der kommenden Saison soll der Videobeweis kommen. Tests laufen derzeit in einem Medienzentrum in Köln. Cortus, der auch die Torlinientechnik für sehr gut hält, hatte da jüngst vor dem Bildschirm einen Probeeinsatz beim Spiel des FC Bayern gegen Schalke 04.

Auch da ist er mit totaler Hingabe dabei. Der junge Mann liebt "seine Sportart". Wichtig für einen Schiri sei aber auch, so sagte er, mal abzuschalten, sich zu erholen, den Kopf freizukriegen. Und wichtig sei auch, sich nicht für etwas Besseres zu halten: "Ich krieg' die Wurst bei meinem Metzger nicht billiger, nur weil ich in der Bundesliga pfeife."

Ich krieg' die Wurst bei meinem Metzger nicht billiger, nur weil ich in der Bundesliga pfeife.Benjamin Cortus

 

 

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