11.07.2017 - 20:06 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Cheftrainer Fink mahnt zu Realismus und Bescheidenheit SpVgg SV: "Alleine der Klassenerhalt zählt"

Was für eine nervenaufreibende Saison 2016/17! Bis zum letzten Spieltag musste die SpVgg SV Weiden um den direkten Bayern- liga-Verbleib bangen. Die an diesem Wochenende beginnende neue Spielzeit könnte nicht weniger beschwerlich werden. Im Interview mit unserer Zeitung mahnt Cheftrainer Stefan Fink zu Realismus und Bescheidenheit.

Stefan Fink wurde in der Vorbereitung schon mal laut: Von seinen Spielern fordert der SpVgg-SV-Trainer noch mehr Aggressivität auf dem Platz - am besten bereits beim Saisonauftakt am Samstag in Großbardorf. Bild: A. Schwarzmeier
von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil

Herr Fink, die SpVgg SV hat die vielleicht kürzeste Saisonvorbereitung der Vereinsgeschichte hinter sich. Ist die Mannschaft auf dem Stand, den Sie sich vorstellen?

Stefan Fink: Die Vorbereitung war wirklich sehr kurz. Wir hatten zu wenige Testspiele, um uns wie gewünscht als Mannschaft zu formieren und zu finden. Da werden wir noch ein, zwei Wochen in die Saison hinein brauchen.

Wo hakt es aktuell?

Es gibt noch einige Baustellen. Unser Umschaltspiel muss zum Beispiel schneller werden. Auch brauchen wir mehr Aggressivität. Die Spieler müssen auf dem Platz auch mal laut werden. Insgesamt wissen wir noch nicht genau, wo wir stehen.

Leistungsträger wie Wendl, Jobst, Schneider und Egeter haben den Verein verlassen. Können die Neuzugänge und nachrückenden, eigenen Talente solche Lücken schließen?

Dass der Verlust von wichtigen Spielern nicht so einfach ausgeglichen werden kann, ist klar. Wir sind zum Beispiel sehr zufrieden mit Florian Rupprecht und Martin Polom als neuem Duo in der Innenverteidigung. Aber beide haben jetzt lediglich dreimal miteinander gespielt, Wendl/Jobst dagegen 50 oder 60 Partien gemeinsam bestritten. Dass es da noch Abstimmungsprobleme gibt, ist normal.

Die Abgänge waren auch Führungsfiguren. Andere müssen jetzt in diese Rolle schlüpfen. Wen sehen Sie hier gefordert?

Wir haben durchaus Spieler, die eine Führungsrolle ausfüllen können. Christoph Hegenbart, Stefan Graf, Thomas Wildenauer oder unser Torwart Dominik Forster sind nur einige Namen. Sie wollen Verantwortung übernehmen und werden auch Führungsqualitäten zeigen. Da bin ich mir sicher.

Das Nachwuchsleistungszentrum leistet starke Arbeit. Mit Florian Reich und Dennis Paulus haben zwei junge Spieler zuletzt den Sprung in den engeren Bayernliga-Kader geschafft. Trauen Sie dem einen oder anderen jetzt nachrückenden 18- oder 19-Jährigen auch eine solche Entwicklung zu?

Durchaus, wenn ich zum Beispiel an einen Niklas Lang oder Moritz Zeitler denke. Wir haben aktuell 28 Spieler für zwei Mannschaften. Das ist eigentlich zu wenig. Wir sind zwar in der Vorbereitung ohne schwerere Verletzungen durchgekommen, aber im Saisonverlauf werden wir möglicherweise in Situationen geraten, in denen sich unsere Talente alleine schon personell bedingt beweisen müssen. Das ist ein vorgezeichneter Weg, den der Verein ja auch bewusst so eingeschlagen hat.

Sie haben sich beim Trainingsauftakt einen weiteren Innenverteidiger und einen zusätzlichen Stürmer gewünscht. Ist dieser Wunsch begraben?

Keineswegs. Wir schauen uns aufmerksam um, aber neue Spieler müssen in das finanzielle Budget passen.

Im Vergleich zu früheren Jahren ist die Erwartungshaltung am Wasserwerk niedrig angesetzt. Sportvorstand Philipp Kaufmann hat als alleiniges Ziel den Klassenerhalt ausgerufen. Deckt sich das mit ihrer Meinung?

Meine Trainerkollegen Martin Schuster, Matthias Winter und ich haben eine Mannschaft übernommen, die sich in der vergangenen Saison am letzten Spieltag gerettet hat. Jetzt sind zudem mehrere wichtige Spieler weg, der Kader ist klein und die Vorbereitung war kurz. Das sind alles keine idealen Voraussetzungen, da muss man realistisch sein. Wir treten bescheiden auf, weil wir wissen, dass es ein hartes Jahr werden wird. Jeder Spieltag wird für uns so wichtig wie ein Finale. Wir wollen konkurrenzfähig sein und am Ende fünf Mannschaften hinter uns lassen. Wenn etwas mehr als der Klassenerhalt herausspringen würde, wäre dies ein Traum.

In Bezug auf die Oberpfälzer Bayernliga-Vereine könnte es zu einer Wachablösung kommen. Der DJK Ammerthal und Aufsteiger DJK Gebenbach wird eine gute Rolle zugetraut, dem FC Amberg und der SpVgg SV Weiden eher weniger. Wie sehen Sie die Rollenverteilung?

Diese Einschätzung ist realistisch. Ammerthal und Gebenbach werden dieses Jahr wohl andere Ziele verfolgen können als wir oder Amberg. So ist nun mal die Situation.

Zum Saisonstart geht es am Samstag gleich zu einem Mitfavoriten. Der TSV Großbardorf ist traditionell sehr heimstark. Wie stehen die Chancen auf eine Überraschung?

Sich nur hinten reinzustellen, wäre der falsche Weg. Wir wollen schon unsere Chance auch nach vorne suchen. Wir werden alles hineinwerfen und dann sehen, was dabei herauskommt. Eine Außenseiterrolle kann auch Vorteile bieten. Und falls es schief geht, wäre das kein Weltuntergang. Wir haben dann immer noch 33 Spiele.

Wir treten bescheiden auf, weil wir wissen, dass es ein hartes Jahr werden wird. Jeder Spieltag wird für uns so wichtig wie ein Finale.Stefan Fink, Trainer der SpVgg SV Weiden
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