Diskussion um Montagsspiele in der Fußball-Bundesliga
Der Sonntagnachmittag gehört dem Amateurfußball

Fußballfans protestieren bei der Bundesligapartie zwischen Eintracht Frankfurt und RB Leipzig am 23. Spieltag gegen Montagsspiele in der Bundesliga. Der Bayerische Fußballverband befürchtet aufgrund der anhaltenden Proteste, dass nun der Sonntagnachmittag für weitere Ansetzungen ins Gespräch gebracht wird. Ein Initiativantrag des BFV-Präsidiums soll dem entgegenwirken und steht bei den Fußball-Bezirkstagen zur Abstimmung. Bild: Uwe Anspach/dpa
Sport
Weiden in der Oberpfalz
28.02.2018
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"Es geht nicht darum, dass wir uns für mehr Montagsspiele einsetzen, sondern wir möchten den Schutz des Sonntagnachmittags im Sinne des Amateurfußballs." Zitat: Thomas Graml, Vorsitzender des Fußballbezirks Oberpfalz
 
"Ein Verschiebebahnhof von Montagabend auf Sonntagnachmittag darf keine Alternative sein." Zitat: Sport-Ressortleiter Alfred Schwarzmeier

Soll die Fußball-Bundesliga am Montagabend Spiele austragen? Viele Fans, die in die Stadien pilgern, lehnen die Neuerung ab. Ganz im Gegensatz zum Bayerischen Fußballverband (BFV).

Amberg/Weiden. Das BFV-Präsidium hat kurzerhand einen Initiativantrag formuliert und dabei klar Position bezogen - und zwar gegen möglicherweise zusätzliche Spiele am Sonntagnachmittag (siehe unten). Über den Initiativantrag stimmen in diesen Wochen die einzelnen Fußballbezirke ab. Den Anfang machte der Bezirk Niederbayern, dessen Delegierte sich mit 67,38 Prozent für den Initiativantrag aussprachen. Ein Stimmungsbild, das auch am 12. März beim Oberpfälzer Bezirkstag in Amberg zu erwarten ist? Wir haben beim Bezirksvorsitzenden Thomas Graml nachgefragt.

Herr Graml, weshalb hat das BFV-Verbandspräsidium den Initiativantrag formuliert? Steckt die Befürchtung dahinter, dass die DFL aufgrund der Fanproteste gegen Montagsspiele in der Bundesliga einknickt und stattdessen ein zweites Spiel am Sonntagnachmittag einführt?

Thomas Graml: Mir liegt der Antrag selbst im Wortlaut noch nicht vor. Er ist ja ganz frisch und wurde erst vergangene Woche gefasst. Sicherlich steht die Befürchtung im Raum, dass die DFL aufgrund der Fanproteste sagt, wir gehen weg vom Montag und packen stattdessen ein weiteres Bundesligaspiel auf den Sonntagnachmittag. Mit dem Antrag will der BFV dem aber entgegentreten und deutlich machen: Der Sonntagnachmittag gehört den Amateuren.

In Niederbayern haben zwei Drittel der Delegierten für den Initiativantrag gestimmt. Warum fällt diese Mehrheit nicht Richtung 100 Prozent aus, wenn doch die ureigenen Interessen des Amateurfußballs betroffen sind?

Vielleicht deshalb, weil der Antrag erstmals auf dem Tisch lag. Zuvor wusste keiner darüber Bescheid, die Vereine konnten sich nicht auf ihn vorbereiten. Möglicherweise haben die Delegierten auch die Ausmaße nicht so deutlich wahrgenommen, wie der Verband sie befürchtet.

Welches Ergebnis erwarten Sie beim Bezirkstag des Fußballbezirks Oberpfalz am 12. März?

Ich erwarte schon eine deutlich größere Mehrheit als in Niederbayern. Der Initiativantrag wird ja nun von den Medien aufgegriffen und publiziert. Wichtig ist: Es geht nicht darum, dass wir uns für mehr Montagsspiele einsetzen, sondern wir möchten den Schutz des Sonntagnachmittags im Sinne des Amateurfußballs.

Was passiert eigentlich mit dem Initiativantrag? Wird dieser dem DFB und der DFL zugestellt? Oder möchte der BFV lediglich seine Position öffentlich kundtun?

Ich gehe davon aus, dass er an die betreffenden Stellen weitergeleitet wird.

Die neue Anstoßzeit am Montag ist Teil eines TV-Rechtepakets von Eurosport. Unterm Strich könnten die Einschaltquoten entscheiden, ob der Montag zu einer festen Größe im Bundesliga-Terminkalender wird. Oder sehen Sie dies anders?

Ich glaube nicht, dass die Einschaltquoten der entscheidende Faktor sind. Falls die Fans in den Bundesliga-Stadien wegbleiben, werden sich die Profivereine vielmehr fragen, ob Montagsspiele der richtige Weg sind. Und dann darf aber nicht der Sonntagnachmittag die Alternative sein. Die Mitsprachemöglichkeit des BFV alleine ist natürlich gering. Wir müssen alle 21 Landesverbände ins Boot holen und gemeinsam im Busch trommeln.

Es geht nicht darum, dass wir uns für mehr Montagsspiele einsetzen, sondern wir möchten den Schutz des Sonntagnachmittags im Sinne des Amateurfußballs.Thomas Graml, Vorsitzender des Fußballbezirks Oberpfalz


Der InitiativantragDer Sonntagnachmittag ist tabu: Einhellig lehnt die Führung des Bayerischen Fußballverbandes ab, dass Terminierungen im deutschen Profifußball auf Kosten der Amateure geht. Der Initiativantrag des BFV-Präsidiums, zu dem die Delegierten bei den sieben BFV-Bezirkstagen Stellung beziehen, lautet wie folgt:

"Das Präsidium versteht sehr gut, dass viele Fans - insbesondere wegen der Anreiseprobleme - nicht glücklich mit dem Bundesliga-Spieltermin am Montagabend sind. Es gibt aber darüber hinaus noch weitergehende Probleme zu bedenken. Denn es geht bei weitem nicht einzig um die Anliegen der mitreisenden Auswärtsfans. Klar ist, dass Mannschaften mit einem Donnerstagsspiel in der Europa-League nicht schon 36 Stunden später wieder am Samstag in der Bundesliga spielen können. Also bleiben als sportlich sinnvolle Ausweichspieltage nur der Sonntag oder eben der Montag. Mit Blick auf die vielen tausend Amateurvereine in Deutschland, die am Sonntagnachmittag ihre Spiele austragen und deren Spielbetrieb sowie deren Interessen wir eben auch zu schützen haben, scheidet der Sonntagnachmittag für weitere Bundesliga-Spiele aus. Dabei gilt es ausdrücklich zu beachten, dass viele Millionen Menschen an jedem Wochenende in Deutschland als Spieler, Trainer, Vereinsverantwortliche oder Zuschauer auf Amateurfußballplätzen anzutreffen sind!"

Daher gilt im Sinne des Sports sowie des Miteinanders von Profis und Amateuren: Keine Samstagspartien für Europa-League-Teams, die am Donnerstagabend im Einsatz sind! Deren Spiele sollen stattdessen entweder am Sonntagabend oder am Montagabend ausgetragen werden, aber mit Blick auf die vielen Millionen Amateurfußballfans nicht auch noch am Sonntagnachmittag!"

Am Sonntag haben Amateure Vorrang

Der Bayerische Fußballverband ist mit 1,6 Millionen Mitgliedern der größte Landesverband im Deutschen Fußballbund. Sein Wort hat Gewicht. Deshalb ist es wichtig und richtig, dass das BFV-Präsidium mit seinem Initiativantrag ein Zeichen setzt. Die Endlosschleife von Live-Spielen im Fernsehen hat dem Amateurfußball sowieso schon das Wasser so gut wie abgegraben. Da kann es nicht sein, dass die profitgierigen Profivereine noch eins draufsetzen und ihre Interessen rücksichtslos durchsetzen, nur weil ihren Fans der Montagabend nicht genehm ist. Ein Verschiebebahnhof auf Sonntagnachmittag darf keine Alternative sein. Sonst fährt der Zug endgültig ohne die Amateure ab.

Bundesliga am Montag ist tabu!

Wir brauchen in Deutschland keine weitere Zerstückelung des Spieltags. Verhältnisse wie in Spanien, wo es für zehn Spiele zehn verschiedene Anstoßzeiten am Wochenende gibt, können nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Ein Spiel am Freitagabend, fünf am Samstagnachmittag in der spannenden Konferenz via Fernsehen oder Kult-Radio und dazu ein Topspiel am Samstagabend. Die Europa-League-Teilnehmer rücken mit ihren Partien auf den Sonntagabend um 18 Uhr und um 20.30 Uhr. Auf diese Weise gehört der Nachmittag dem Amateurfußball und der angebliche Vermarktungs-Nachteil gegenüber den anderen europäischen Ligen verbleibt auf aktuellem Niveau.

Ein Verschiebebahnhof von Montagabend auf Sonntagnachmittag darf keine Alternative sein.Sport-Ressortleiter Alfred Schwarzmeier


Wir brauchen in Deutschland keine weitere Zerstückelung des Spieltags.Sport-Redakteur Fabian Leeb
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Tobias Punzmann aus Neustadt an der Waldnaab | 28.02.2018 | 22:51  
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