Dr. Stefan Pecher zum vierten Mal als Mannschaftsarzt bei Olympischen Spielen
Mediziner, Psychologe, Skitester

Dr. Stefan Pecher betreut seit vielen Jahren die deutschen Nordischen Kombinierer. (Foto: Schönberger)
Sport
Weiden in der Oberpfalz
02.02.2018
1009
0

Der Medizinkoffer ist alles andere als klein. "Es ist da schon einiges drin", sagt Dr. Stefan Pecher vor dem Abflug nach Pyeongchang. Der Mannschaftsarzt der deutschen Wintersportler weiß, was seine Athleten brauchen. Es sind nämlich nicht die ersten Olympischen Spiele des Fichtelbergers.

Fichtelberg/Weiden. Die Patienten in seiner Praxis in Fichtelberg (Landkreis Bayreuth) müssen einige Zeit auf ihren Doc verzichten. Denn Dr. Stefan Pecher betreut für gut zwei Wochen in Pyeongchang - es sind seine vierten Olympischen Spiele - die deutschen Nordischen Kombinierer und die Skisprungdamen. Im Interview mit Oberpfalzmedien erzählt der 51-Jährige, wie seine Aufgaben vor Ort aussehen, warum er die Vergabe der Olympischen Spiele nach Südkorea kritisiert, dass er auch als Skitester eingesetzt ist und wer Medaillenchancen hat.

Wie sehen die letzten Tage vor dem Abflug nach Pyeongchang aus?

Dr. Stefan Pecher: In Seefeld war voriges Wochenende der letzte Wettkampf für die Nordischen Kombinierer, bei dem ich auch dabei war. Momentan läuft ein Vorbereitungstrainingslager in Oberstdorf.

Wen betreuen Sie in Pyeongchang?

Die Nordischen Kombinierer und die Springer-Frauen. Die Springer-Männer betreut ein erfahrener Kollege aus Leipzig.

Es sind Ihre vierten Spiele. Nach Turin, Vancouver und Sotschi. Ist es trotzdem immer noch etwas Besonderes?

Klar, dass Olympische Spiele immer etwas Besonderes sind. Aber nicht nur für mich, auch für einen Athleten ist eine Teilnahme das Größte. Davon kann er noch seinen Enkeln erzählen. Super sind immer die Eröffnungsfeiern. Diesmal kann ich leider nicht dabei sein, da wir spät anreisen und erst am 10. Februar in Pyeongchang eintreffen.

Waren Sie schon einmal in dieser Region?

Wir waren zwar schon mit den Sportlern in Japan, aber in Südkorea war ich selbst noch nicht.

Hatten Sie im Vorfeld Bedenken wegen der politischen Lage?

Das Thema hat es nicht gegeben, weil ich für die Athleten da sein wollte. Aber ich kritisiere das IOC schon, dass Spiele an solch einen Brennpunkt vergeben werden. Es ist schon sehr befremdlich, dass man sich für Südkorea entschieden hat.

Schon gepackt?

Ja, die Einkleidung hatte ich schon und die Sachen sind schon weg. Auch meinen Medizinkoffer musste ich bei der Dopingkontrolle anmelden.

Der Medizinkoffer ist sicher nicht ganz klein?

Ein Meter mal 50 mal 50 Zentimeter etwa. Es ist da schon einiges drin an Medikamenten. Auch viel Pflanzliches, da ich auf Homöopathie setze. Für alle Fälle gibt noch eine Apotheke vor Ort, die vom Deutschen Haus betrieben wird.

Gibt es Probleme oder besondere Bestimmungen bei der Einfuhr der Medikamente?

Der Koffer reist mit mir und wird am Ankunftsort geprüft. Zudem muss ich jedes Medikament deklarieren und genau notieren was ich gebraucht habe. Aber das ist richtig so. Wir wollen diesbezüglich gläserne Athleten und alles preisgeben und zeigen, dass alles dopingfrei ist. Ich möchte, dass die Sportler auch mit 40 und 50 Jahren noch gesund sind und ich ihnen die Augen schauen kann.

Haben Sie die Sportler vor der Abreise nochmal durchgecheckt?

Logisch, aber das ist in regelmäßigen Abständen sowieso normal. Bei Wettkämpfen und bei mir in der Praxis kontrollieren wir immer wieder den Gesundheitszustand.

Da kennen Sie sicher die Probleme aller Athleten und was Sie eventuell an Medikamenten brauchen?

Ich betreue in Südkorea fünf Kombinierer und fünf Springerinnen und über die weiß ich bestens Bescheid. Viele, wie Björn Kircheisen kenne ich schon seit 2001, Eric Frenzel ist auch schon seit 15 Jahren bei mir.

Wie kann man sich die Arbeit eines Mannschaftsarztes bei Olympia vorstellen?

Es beginnt mit einem Abfragen vor dem Frühstück, ob sich jeder gesund fühlt. Auch mental klopfe ich die Situation ab, wie es jedem geht. Der Druck auf die Athleten ist ja massiv. Es finden deshalb viele Gespräche statt und eventuell auftretende Zipperleins werden behandelt. Mein Tag geht von 7 bis 23 Uhr, das ist Stress pur, wenn auch positiver Stress.

Können Sie sich dort frei bewegen?

Ja schon. Aber die Zeit ist limitiert und der Tag ausgefüllt mit Training, Besprechungen und Wettkämpfen. Wenn noch Zeit bleibt, möchte ich mir schon die Stadt anschauen oder andere Wettkämpfe besuchen. In Sotschi war ich mit Hermann Weinbuch (Bundestrainer der Nordischen Kombinierer) bei den Eiskunstlaufdamen und wir waren beeindruckt, was die leisten. Vielleicht klappt es ja auch diesmal.

Aufgrund der Sprache und Schriftzeichen wird die Verständigung nicht ganz einfach werden.

Das ist kein Problem, denn jedes Team bekommt einen Attaché zur Seite gestellt. Da läuft dann alles in Englisch ab.

Sie sind begeisterter Langläufer. Bleibt vor Ort Zeit für einige Runden in der Loipe?

Wenig, denn ich bin ja auch noch Skitester für die Athleten.

Wie kann man sich das vorstellen?

Wie und was gewachst wird, da kenne ich mich nicht so aus. Aber nachdem ich ja Langläufer war und annähernd das gleich Gewicht wie die Athleten habe, schnallen mir die Techniker zwei verschiedene Skier unter die Füße und ich laufe ein bis zwei Stunden damit. Danach soll ich sagen, welcher Ski besser ist.

Sie haben also sehr viel Einfluss darauf, welchen Ski die Athleten nutzen?

Ganz so ist es nicht. Letztendlich sind unsere sehr guten Techniker verantwortlich, die die Ski optimal präparieren.

Wie viele Medaillen bringen die von Ihnen Zehn betreuten Athleten mit nach Hause?

Es sind fünf Wettbewerbe und ich hoffe, in jedem eine. Bei den Skisprungdamen zwei, bei den Kombinierern drei. Und Eric kommt natürlich mit Gold zurück.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.