Eishockey-Posse: Blue Devils Weiden spielen am Freitag gegen EHV Schönheide
Trainer Markus Berwanger: "Das gibt's nur im deutschen Eishockey"

Markus Berwanger ist da rat- und auch fassungslos: Die Posse um den EHV Schönheide in den vergangenen Tagen ärgert den Devils-Trainer gewaltig. Bild: Gebert
Sport
Weiden in der Oberpfalz
21.12.2016
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Die Juristen wollten sich nicht aufs Glatteis führen lassen: Deswegen wurde ganz genau geprüft. Das Ergebnis: Der schon totgesagte Eishockeyclub EHV Schönheide darf weiterspielen. Weidens Coach Markus Berwanger ist fassungslos.

Nun also doch wieder: Der EHV Schönheide bleibt weiter Eishockey-Oberligist (wir berichteten). Am Mittwoch gab es auch von höchster Stelle, vom Deutschen Eishockey-Bund (DEB), Entwarnung. "Ein Insolvenzantrag allein ist kein Ausschlussgrund", erklärte DEB-Vize Marc Hindelang in einer Mitteilung des Verbandes. Zudem gebe es bisher keinen gerichtlichen Beschluss über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Die DEB-Juristen hätten die Sachlage eingehend geprüft, versicherte Hindelang. Somit wird Schönheide auch am Freitag (20 Uhr) bei den Blue Devils in Weiden antreten.

In der Oberpfalz hatten Spieler, Trainer, Verantwortliche und Fans mit einem freien Vorweihnachtsabend gerechnet. Auch Trainer Markus Berwanger, der die Entwicklung der vergangenen Tage mit Kopfschütteln verfolgte: "Das gibt's nur im deutschen Eishockey", meinte er sarkastisch. "Diese Rolle rückwärts ist ein Unding, eine Frechheit auch anderen Vereinen gegenüber. Das hätte man alles anders lösen können." Die Weihnachtsplanung müsse jetzt über den Haufen geworfen werden.

Nach dem Training am Donnerstag wollte der Ex-Nationalspieler den Spielern freigeben. Jetzt müsse man wieder umdenken. "Man muss ja die Spieler wieder neu motivieren, neu justieren." Das einzig Positive sei, dass die Weidener jetzt durch dieses Match sichere Einnahmen hätten.

Dass da am Freitag alles nach Plan läuft, daran hat auch Teammanager Christian Meiler keine Zweifel: "Wir müssen halt jetzt die Maschinerie wieder hochfahren", sagt er. Der Ordnungsdienst muss organisiert, die Verpflegung bereitgestellt werden. "Da sieht man erst, was an so einem Heimspiel dranhängt." Meiler ist zwiegespalten, was die neue Entwicklung betrifft: Einerseits, so sagte er, hätte eine längere Weihnachtspause angeschlagenen Spielern wie Ales Jirik oder Marius Nägele gut getan. Aber andererseits: "Es ist gut, dass der Eishockey-Standort Schönheide erhalten bleibt." Er hofft, dass das Hickhack jetzt vorbei ist: "Ich vermute, dass der Verband das alles gut geprüft hat. Wir haben da Vertrauen."

Verbands-Vize Hindelang betonte am Mittwoch auch noch einmal, dass die Prüfung der Durchführungsbestimmungen durch die Rechtsabteilung des DEB ergeben habe, dass es keine andere Entscheidung geben könne, als die Sachsen weiterspielen zu lassen.

Die akkuraten Verbandsfunktionäre konnten sich dann aber in ihrer Mitteilung einen "Bodycheck" gegen die Schönheider nicht verkneifen: "Dass der Verein zunächst die sofortige Einstellung des Spielbetriebs mitteilte, war im Rückblick sehr unglücklich und offenbar auch verfrüht."

Diese Rolle rückwärts ist ein Unding, eine Frechheit auch anderen Vereinen gegenüber.Devils-Coach Markus Berwanger


Angemerkt von Rudi Gebert: Sicher ist, dass nichts sicher istDas Positive vorweg: Die Oberliga Süd kann die Saison mit zwölf Vereinen zu Ende spielen. Wahrscheinlich zumindest, denn die Vergangenheit lehrt, dass im Eishockey nur eines sicher ist, dass nämlich nichts sicher ist.

Nach dem üblichen Sommer-Theater um Ligenzusammensetzung, Ligenstärke und Modus hat die Oberliga Süd nun auch ihr Winter-Theater. Im Sommer war wochenlang um die Wunschstärke von zwölf Teams gekämpft worden, bis die drei Bayernligisten Waldkraiburg, Höchstadt und Lindau endlich ihre Bereitschaft zum Nachrücken erklärten. Nun drohte das mühsam aufgebaute Gebilde binnen weniger Tage einzustürzen.

Zunächst der Insolvenzantrag und Rückzug aus dem Spielbetrieb des EHV Schönheide, dann die Rettung des EV Landshut in letzter Sekunde. Beide Fälle zeigen, dass sich die Vereine in der sportlich starken, aber sehr kostenintensiven Oberliga, auf einem schmalen Grat bewegen. Die Verantwortlichen befinden sich in einem ständigen Überlebenskampf.

Mit der Rückkehr der Sachsen scheint zumindest der geplante Modus gerettet zu sein - auch was die Verzahnung mit der Bayernliga betrifft. Dennoch bleibt ein fader Beigeschmack wegen der ausgefallenen Spiele des EHV Schönheide in Bad Tölz und gegen Sonthofen. Das Match in Tölz soll nachgeholt werden. Die Allgäuer, die noch um Platz acht kämpfen, bekommen dagegen die drei Punkte kampflos. Im Sinne des Sports bleibt zu hoffen, dass diese Wertung nicht über den Einzug in die Meisterrunde entscheidet.
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