02.07.2017 - 18:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Erst gab's Tore und dann Steaks Hungriger Club am Wasserwerk

Es flutscht beim Club: drittes Spiel, dritter Sieg. Doch bei der Partie des 1. FC Nürnberg gegen die Bohemians aus Prag am Samstag in Weiden ging es nicht nur um Fußball. Kleine persönliche Erfolge und ein bisschen Familiengefühle kamen auch nicht zu kurz.

Mutter Marianne Köllner und ihr Michael: Danach gab es von der Mama auch ein Lob für den Club-Trainer.
von Josef Maier Kontakt Profil

Ob das richtig Ärger im Hause Köllner gibt? "Ich habe ja auf ein 3:1 getippt", erzählte Mama Marianne Köllner nachher. "Ich dachte mir, die lassen den Pragern sicherlich eines schießen." Machten sie nicht, die Nürnberger. Frau Köllners Sohn Michael ist auch nicht dazu da, Geschenke zu verteilen. Der Cheftrainer bereitet sein Team auf eine ganz spannende und harte Zweitliga-Saison vor. Und da war er natürlich ganz froh, dass hinten die Null stand.

Mit 4:0 (2:0) besiegte der 1. FC Nürnberg am Samstag Bohemians Prag am Weidener Wasserwerk. Dritter Sieg, im dritten Testspiel - da konnte der Trainer Köllner nicht meckern: "Das war ein gutes Spiel von uns und der nächste Schritt gegenüber den letzten Wochen." Den klaren Erfolg wussten die Nürnberger aber auch schnell einzuordnen: "Ja, das war gut", meinte Abwehrchef Georg Margreitter, "aber überbewerten sollte man das nicht." Der Gegner aus Tschechien spielt zwar erste Liga, dürfte aber mit so einer Vorstellung wie am Samstag ernsthafte Probleme bekommen. "Ich dachte zunächst, da spielt eine verstärkte Juniorenmannschaft", sagte ein tschechischer Journalist auf der Tribüne über das Team von Trainer Martin Hasek. "Da fehlten auf jeden Fall vier, fünf wichtige Stammspieler." Dennoch muss man eine Mannschaft erst einmal so dominieren, wie es die Nürnberger, die ohne den leicht angeschlagenen Kevin Möhwald aufliefen, taten. Und sie hatten am Samstag auch einen treffsicheren Stürmer. "Cedric hatte ja zuletzt nicht so viel Schussglück", sagte Köllner über Teuchert. "Gleich zwei Mal (35./37.) traf der schnelle Blondschopf. "Wir haben 90 Minuten gepowert und auch verdient mit 4:0 gewonnen", meinte Teuchert und durfte quasi zur Belohnung in den zweiten 45 Minuten die Beine hochlegen. In der zweiten Hälfte, in der noch Hanno Behrens (66.) und Rurik Gislason (80.) trafen, herrschte ohnehin Hochkonjunktur auf der Auswechselbank. Einzig Eduard Löwen spielte durch, und nur Ersatzkeeper Fabian Bredlow blieb komplett draußen.

Gezwungenermaßen blieben auch Patrick Erras (siehe Interview) und Dennis Lippert die ganze Zeit bei ihrem Oberpfälzer Landsmann Köllner auf der Ersatzbank. "Ich hätte hier schon verdammt gerne gespielt", meinte der Weidener Lippert. "Ich kenne hier am Wasserwerk ja alles und jeden." Aber auch er konnte am Samstag einen kleinen Erfolg nach seinem Kreuzbandriss vom März bejubeln. Erstmals ohne Krücken ging's für ihn ins Stadion - ein weiterer Schritt der Genesung. Der 21-Jährige peilt die Rückrunden-Vorbereitung im Januar an.

Andere sind schon mittendrin im Konkurrenzkampf. Wie etwa Lukas Mühl. "Ich habe auch schon mal in Weiden mit einer Auswahlmannschaft gespielt", kramte er seine Wasserwerk-Erinnerungen hervor. Aus seiner Heimatstadt Zwiesel hatte er auch seine Eltern und den Opa in die nördliche Oberpfalz gelotst. Auch Mühl hatte sich das Essen nach dem Spiel mit seiner Leistung richtig verdient. Der Weidener NLZ-Leiter Rainer Fachtan und SpVgg-SV-Kicker Johannes Scherm gaben alles am Grill, Bayernliga-Torwart Dominik Forster jonglierte die Steaks zielsicher zu den hungrigen Profikickern im ersten Stock des Funktiongebäudes.

Alles gut war auch bei den Köllners. Der Haussegen hängt natürlich nicht schief. Mama Marianne drückte ihren Michael nach dem Schlusspfiff auf den Spielfeld und sagte ganz leise: "Ich bin schon stolz auf Dich."Die Ursachenforschung begann sogleich: War's der Preis (10 Euro für einen Stehplatz)? War's der Zeitpunkt? Oder vielleicht das Wetter? Viele rätselten, warum am Samstagabend nur offiziell 1230 zahlende Zuschauer das Testspiel des 1. FC Nürnberg gegen Prag in Weiden besuchten. "Ich weiß nicht, was wir noch machen sollen", rätselte Philipp Kaufmann, Sportvorstand der SpVgg SV Weiden mit. Die Weidener hatten den Club bei der Ausrichtung des Spiels unterstützt. Und dann kamen nicht einmal 2000 Zuschauer zu diesem internationalem Vergleich.

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