07.02.2018 - 13:06 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Fan-Stammtisch der Blue Devils [Aktualisierung] Oberliga-Standort Weiden wackelt

Waldis Wutrede, Trainerwechsel, Rückzugs-Ankündigung der Vorsitzenden, zuletzt wenig überzeugende Darbietungen auf dem Eis: Beim Fan-Stammtisch der Blue Devils arbeiten die Verantwortlichen turbulente Wochen auf und stellen sich den Fragen zur Zukunft.

von Fabian Leeb Kontakt Profil

Der große Ansturm auf die Gaststätte an der Hans-Schröpf-Arena blieb am Dienstagabend zwar aus (etwa 100 Fans waren anwesend), dennoch kamen beim gut zweistündigen Frage-und-Antwort-Spiel alle Themen aufs Tableau, die die treuen Anhängern der Blue Devils umtreiben. Damit auch nichts unter den Tisch fiel, hatten die Fans die Möglichkeit, ihre Anfragen anonym via Facebook einzureichen. Fanbeauftragte Christine Wohner stellte deren Fragen stellvertretend vor Ort.

Zu ungeduldig

Die Kritik, zu wenige Spieler aus dem eigenen Nachwuchs einzubauen, wies Sportlicher Leiter Christian Meiler zurück: "Ich hätte auch gerne mehr Weidener Jungs in der dritten und vierten Reihe. Aber die Jugend von heute ist viel zu ungeduldig und wählt lieber den bequemeren Weg zu einem niederklassigeren Verein, anstatt sich bei den Devils nach oben zu arbeiten. Das ist aber ein allgemeines Gesellschaftsproblem." Viele Eltern sähen in Weiden das Ende der Fahnenstange erreicht und brächten ihre Sprösslinge stattdessen nach Regensburg, wo diese in einem DNL-Team spielen könnten. "Oder wenn sie bei uns nicht auf Anhieb den Sprung schaffen, gehen sie für einen Apfel und ein Ei nach Amberg, wo sie nur je einmal trainieren und spielen müssen." Diesen Abwanderungen könne nur mit einer Menge Geld entgegengewirkt werden. "Dazu sind wir aber nicht bereit."

Neu-Trainer Ken Latta zeigte für die Enttäuschung der Fans ob der jüngsten Pleiten gegen Regensburg und Deggendorf Verständnis. "Wir haben noch Defizite im Über- und Unterzahlspiel sowie im Defensivverhalten der gesamten Mannschaft. Beim ersten Punkt sind wir auf einem guten Weg, beim zweiten brauchen wir noch etwas Zeit."

Selbstkritisch zeigten sich die Verantwortlichen in puncto Kaderzusammenstellung und der Entlassung von Trainer Milan Mazanec. "Unser Kader hat defensiv stärker ausgeschaut - auf dem Papier. Auf dem Eis hat sich diese Einschätzung leider nicht bestätigt. Wir haben es im Kollektiv nicht geschafft, stärker als letztes Jahr zu sein", sagte Meiler.

Den Vorwurf, Mazanec zu spät entlassen zu haben, ließ das Führungsteam durchaus gelten. Entgegnete jedoch: "Wir haben nach der Negativserie im November mit neun Niederlagen am Stück lange überlegt, ob und wie wir handeln sollen. Aber ich bitte zu bedenken: Entlassen wir im November einen Trainer, müssen wir ihn bis zum Saisonende dennoch weiter bezahlen", verwies Vorsitzender Thomas Siller auf eine straffe Etat-Planung. "Zudem gab der Markt zu diesem Zeitpunkt auch keine Alternative her", fügte Meiler an.

Die Vorsitzenden Siller und Tobias Hacker bekräftigten abermals ihre jüngst kundgetane Ankündigung, ab der Jahreshauptversammlung im Juni nicht mehr als Vorsitzende zur Verfügung zu stehen. Finden sich bis dahin keine neuen Vorsitzenden oder scheitert die angedachte Gründung einer GmbH, wohin der Oberliga-Spielbetrieb ausgegliedert werden soll, droht den Blue Devils der Absturz in die Bezirksliga.

Suche nach Gesellschaftern

"Wir können diese Belastung und sämtliche finanziellen Probleme des Gesamtvereins nicht länger alleine schultern und weiter Lücken aus eigener Tasche decken", sagte Siller. Aktuell finalisiert der "ausschließlich ehrenamtlich tätige Vorstand" das Konzept, mit dem Gesellschafter zur Gründung einer GmbH gefunden werden sollen. "Bis Ende Mai müssen die Unterlagen für die neue Oberliga-Saison eingereicht werden. Bis dahin sollte alles geklärt sein. Oder es geht eben runter", fügte Hacker an. Ein sanfter Rückzug eine Etage tiefer in die Bayernliga sei nach DEB-Statuten nicht erlaubt.

Bislang sei die Resonanz jedoch enttäuschend: "Seit wir unseren Rückzug öffentlich gemacht haben, hat sich nicht einer bei uns gemeldet, der gesagt hätte: 'Ich stehe als Vorsitzender des Gesamtvereins oder als Gesellschafter in einer GmbH zur Verfügung", gab Siller zu bedenken. Immerhin seien Siller und Hacker bereit, doch weiter dem Gesamtverein mit Nachwuchs- und Eiskunstlaufsparte vorzustehen, "wenn sich genügend Gesellschafter finden, um den Oberliga-Spielbetrieb auszugliedern". Danach sieht es aktuell aber nicht aus - die Uhr tickt ..

Stammtisch-Zitate

"Waldi, du hast Interview-Verbot."

(Sportlicher Leiter Christian Meiler, als sich Marcel Waldowsky äußern will)

"Ich bin einem Zellner (aktueller Co-Trainer; Anm. d. Red.) im Training hinterher, hab ihm in die Waden geschlagen, ihn in die Bande gecheckt. Der sollte merken, dass ich seinen Platz im Team will. Diesen Druck spüre ich aktuell von keinem unserer jungen Spieler."

(Marcel Waldowsky zur Einstellung der Nachwuchsspieler)

"Ich habe zwei Jahre lang trainiert und wurde überhaupt nicht eingesetzt. Das ist als junger Spieler ein Prozess. Du musst dir den Respekt des Trainers und des Teams erarbeiten. Heutzutage trainieren sie drei Wochen mit und wollen gleich spielen."

(Barry Noe zum gleichen Thema)

"Wir sind früher zu Fuß zum Training gelaufen, wenn wir bei den Herren mitmachen durften. Heute kommt teilweise nicht mal eine Antwort, wenn wir Nachwuchsspieler ins Training bei der 'Ersten' einladen."

(Christian Meiler zum gleichen Thema)

"Wir werden auch nächste Saison nicht um mehr als Platz sieben oder acht mitspielen. Jetzt werden die guten Spieler verpflichtet. Bis wir wissen, wo wir nächste Saison spielen, dann müssen wir die Spieler nehmen, die noch einen Verein suchen."

(Waldowsky zur ungeklärten Zukunft)

"Ich weiß nicht einmal, was ich morgen mache. Vorhin habe ich Barry (Noe; Anm. d. Red.) gefragt, wann wir morgen trainieren."

(Trainer Ken Latta auf die Frage, ob er sich vorstellen könnte, auch nächste Saison in Weiden zu bleiben)

"Ich habe in den 80er Jahren mit Peiting in Weiden gespielt. Da habe ich mal ordentlich einen verprügelt hier."

(Latta über seine Erfahrungen mit Weiden vor seinem Trainer-Engagement)

"Ich bin seit Jahren der zweite Hauptsponsor - wenn nicht der Hauptsponsor überhaupt."

(Vorsitzender Thomas Siller über sein privates finanzielles Engagement)

"Das ist hier ein mittelständisches Unternehmen mit 800 000 Euro Umsatz pro Jahr, das ehrenamtlich geführt wird. Wir investieren rund 40 Stunden pro Woche für den Verein und gehen aber noch 40 Stunden in die Arbeit."

(Stellvertretender Vorsitzender Tobias Hacker zum Aufwand im Vorstand)

"Im Fall einer Ausgliederung des Oberliga-Spielbetriebs wird der Hauptverein mit Nachwuchs und Eiskunstlauf keine Nachteile spüren."

(Hacker zu den Folgen einer GmbH-Gründung) (fle)

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