07.07.2016 - 02:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Fußball "Wir müssen zwei Treffer machen"

Vor dem EM-Viertelfinale war landauf, landab die Rede von Italien als deutschem Angstgegner. "Vom Fluch, der auf den Franzosen lastet, höre ich im Gegensatz dazu aber nicht viel", sagt Rüdiger Fuhrmann. "Die haben seit 60 Jahren kein Spiel mehr bei einer EM oder WM gegen uns gewonnen." Wenn es nach dem Coach des Nordost-Landesligisten FC Vorwärts Röslau geht, soll dies so bleiben. "Frankreich wird auf jeden Fall ein Tor schießen. Also müssen wir zwei Treffer machen", rechnet er vor. Die logische Folge: "Wir gewinnen 2:1 und werden Europameister." Denn, so Fuhrmann, der Sieger aus dem zweiten Halbfinale sei im Endspiel "haushoher Favorit".

von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil

Die Hand ins Feuer legen will der 56-Jährige jedoch nicht für seinen Tipp. Immerhin stuft er die Équipe tricolore - auch wegen des Heimrechts - als Favoriten ein: "Die haben keine Ausfälle und die Fans hinter sich", weiß Fuhrmann. Allerdings könne die Erwartungshaltung beim EM-Gastgeber auch zum Problem werden: "Das erzeugt enormen Druck." Ganz im Gegensatz zum DFB-Team. Jogi Löws Truppe sieht er aufgrund der Hummels-Sperre und der Verletzungen von Gomez, Khedira und Schweinsteiger in einer komfortablen Außenseiterrolle. "Wir haben nichts zu verlieren."

Ob Deutschland die Oberhand behält, hat für Fuhrmann auch mit der "Systemfrage" zu tun. "Die Franzosen spielen entweder ein 4-3-3 oder ein 4-2-3-1. Entscheidend wird sein, ob wir die richtige Antwort auf ihre Spielweise finden", glaubt der Amateurcoach. Der Kritik von Mehmet Scholl an Jogi Löw erteilt er eine klare Absage: "Natürlich muss Löw schauen, was der Gegner macht, wie dieser spielt. Das kann man dem Bundestrainer nicht zum Vorwurf machen. Über die Taktik kann eine schlechtere Mannschaft auch mal eine bessere schlagen." Überhaupt wüssten es die Kritiker nach dem Schlusspfiff sowieso immer besser: "Von einem Scholl braucht sich Löw bestimmt nicht so flapsig anpissen lassen."

Fuhrmann rät dem Bundestrainer zu einer flexiblen 4-2-3-1-Aufstellung. Vor Torwart Manuel Neuer würde er mit der Viererkette Kimmich, Höwedes, Boateng und Hector spielen, wobei den beiden Außenverteidigern eine mit entscheidende Bedeutung zukäme. "Die werden von einem Dribbler wie Payet oder einem schnellen Mann wie Griezmann gefordert werden." Als Doppel-Sechs setzt Fuhrmann auf Kroos und - falls Schweinsteiger nicht zu 100 Prozent fit ist - auf Can. "Der ist ein Kampfschwein. Weigel wäre zu unerfahren." Im vorderen Mittelfeld sollen Draxler, Özil und Sané die einzige Stumspitze Müller unterstützen. Von Sané verspricht sich Fuhrmann frischen Schwung: "Der ist unbekümmert und in 1:1-Situationen unberechenbar." Keine Alternative sei Mario Götze. "Von ihm habe ich noch nie viel gehalten", erklärt Fuhrmann. "Der gewinnt keine Zweikämpfe."

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Rüdiger Fuhrmann ist einer der renommiertesten Fußballtrainer in der Region. Der 56-Jährige begann seine Trainerkarriere beim SV Parkstein. Es folgten erfolgreiche Stationen beim SV Etzenricht, SC Luhe-Wildenau und der SpVgg Weiden, bei der er auch im Jugendbereich tätig war. Nach zwei Jahren beim Landesligisten ASV Cham wechselte der Geschäftsleiter der Gemeinde Altenstadt/WN zum FCVW Röslau. Beim Nordost-Landesligisten geht er in seine dritte Spielzeit.

Der ist unbekümmert und in 1:1-Situationen unberechenbar.Rüdiger Fuhrmann über Leroy Sané
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