09.03.2017 - 16:28 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Interview mit BFV-Schatzmeister Jürgen Faltenbacher "Müssen im Fußball über Play-offs nachdenken"

Jürgen Faltenbacher aus Waldsassen (Kreis Tirschenreuth) ist Schatzmeister beim Bayerischen Fußball-Verband (BFV) und im Präsidium für den gesamten Herrenspielbetrieb von der Regionalliga bis zur C-Klasse verantwortlich. Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien äußert er sich zum steten Rückgang der Zuschauerzahlen im Amateurfußball - mit speziellem Blick auf die unteren Ligen.

Jürgen Faltenbacher. Bild: hfz
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Hallo Herr Faltenbacher, warum gehen heute weniger Zuschauer am Sonntag auf den Fußballplatz in ihrem Ort als noch vor 10, 20 oder 30 Jahren?

Jürgen Faltenbacher: Das Interesse am Amateurfußball ist nach wie vor da. Über eine Million Menschen sind jedes Wochenende auf den bayerischen Amateurfußballplätzen als Spieler, Trainer, Schiedsrichter, Vereinsmitarbeiter oder Zuschauer unterwegs. Die Zuschauerzahlen bei Lokalderbys oder den Relegationsspielen beweisen, dass sich die Menschen nach wie vor für Amateurfußball begeistern lassen. Aber: Es gibt heute unglaublich viele Konkurrenzangebote für die Freizeitgestaltung, die dazu führen, dass mancherorts die Zuschauerzahlen im Amateurfußball sinken.

Warum lockt aber beispielsweise ein "normales" Bayernliga-Spiel niemand mehr ins Stadion?

Wir leben in einer Event-Gesellschaft, das müssen wir akzeptieren und uns auch für den Amateurfußball Ideen und Konzepte überlegen. Der Amateurfußball hat sehr wohl etwas zu bieten, nur kommen die Menschen nicht mehr einfach von alleine zum Verein. Den Zuschauerschnitt über eine gesamte Spielzeit hinweg wieder signifikant zu erhöhen, ist aus unserer Sicht schwierig. Wir plädieren deshalb dafür, zwei- oder dreimal pro Saison ein Spiel zu einem besonderen Höhepunkt zu machen, für das man ein attraktives Rahmenprogramm zusammenstellt und im Vorfeld kräftig die Werbetrommel rührt.

Welche Möglichkeiten hat der Verband, die Vereine an der Basis zu unterstützen?

Nehmen Sie unsere Toto-Pokal-Endspiele auf Kreisebene: Dafür stellt der BFV pro Kreisfinale je 1000 Euro für das Rahmenprogramm zur Verfügung. Oder die Relegationsspiele, die echte Zuschauermagneten sind. Entscheidungsspiele erzeugen nachweislich das größere Zuschauerinteresse im Vergleich zu normalen Meisterschaftsspielen. Zugleich erfährt der Amateurfußball auch medial mehr Aufmerksamkeit - viele Zeitungen/Online-Plattformen berichten ausführlich über die Relegation. Diese Spiele bieten den Vereinen in der bundesligafreien Zeit, wenn der Profifußball ruht, die Chance, echte Amateurfußball-Events zu gestalten, Zuschauer zu akquirieren und Werbung für den Verein zu machen.

Diese Spiele sind aber Ausnahmeerscheinungen und betreffen nur einzelne Vereine. Gibt es Planspiele, den Kreis der Profiteure zu erhöhen?

Spannend sind neben den Derbys alle Partien, in denen es sportlich um viel geht. Vielleicht müssen wir eines Tages mit den Vereinen auch völlig ergebnisoffen mal über Play-off-Runden nachdenken. Der Fußball ist die einzige große Sportart, die es sich noch leisten kann, auf Play-offs zu verzichten, sowohl im Amateur- als auch im Profifußball. Wenn man im Amateurfußball mehr erreichen will, muss man neue Reize setzen und neue Höhepunkte schaffen.

Ist dieser Kampf um Zuschauer nicht längst verloren - mit Blick auf die mediale Übersättigung von hochklassigem Fußball?

Wir nehmen die Sorgen und Nöte der kleinen Amateurvereine sehr ernst und haben bereits bei der Einführung der Sonntagsspiele folgende Regelung fest in der BFV-Spielordnung verankert: Wenn bayerische Bundesliga-Mannschaften am Sonntag spielen, können unsere Amateurvereine ihr Heimspiel auf Wunsch unbürokratisch und kostenfrei verlegen. Diese Regelung gilt nur dann nicht, wenn sich die Vereine selbst auf ihrer Spielgruppentagung vor der Saison mit einer 2/3-Mehrheit gegen die Verlegungsmöglichkeit bei parallelen Bundesliga-Spielen am Sonntag aussprechen.

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