06.06.2017 - 17:50 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Korbinian Schönberger aus Tännesberg beendet Berglauf-Karriere im Nationaltrikot: "Das ist mir echt nicht leicht gefallen"

Er wollte noch einmal richtig angreifen. Immerhin ist Korbinian Schönberger ein Mann im besten Alter. Vor allem Bergläufer werden erst mit Anfang 30 richtig gut, heißt es oft. Doch künftig geht der einstige Nationalläufer aus Tännesberg mit kleinerem Ehrgeiz in die Berge.

Korbinian Schönberger in der wunderbaren Bergwelt, hier beim Drei-Zinnen-Berglauf in den Dolomiten. Künftig wird der Tännesberger die Gipfel etwas gemütlicher erklimmen. Bild: hfz
von Josef Maier Kontakt Profil

Tännesberg. Lohn waren nicht nur Medaillen, Pokale und Urkunden. Der Lohn war auch etwas für Herz, Seele und Gemüt: "Wenn man nach dem Zieleinlauf den Gipfelrundblick auf unsere schöne Welt genießen kann, dann ist das einmalig."

Korbinian Schönberger schwärmt immer noch von seinen Erfahrungen als Bergläufer. Künftig wird er aber die Gipfel nicht mehr im Laufschritt, sondern eher gemächlich - wenn das denn ein Sportler kann - erklimmen." Es geht entspannter zu. Der Tännesberger hat jetzt seine Karriere als Bergläufer beendet und somit auch das Trikot des deutschen Nationalteams ausgezogen, dessen Athletensprecher er zuletzt war.

"Über den Winter reifte bei mir der Entschluss, Adieu zu sagen", erzählt der Oberpfälzer: "Das ist mir echt nicht leicht gefallen." Die letzten zwei Jahre waren aber auch eine Tortur - und das nicht wegen der steilen Anstiege in den Rennen. Schon im Jahr 2014 machte sich bei ihm eine Schambeinentzündung bemerkbar, eine ewig nervende Angelegenheit mit ganz fiesen Schmerzen. 2015 bestritt er gar keinen Wettkampf, im vergangenen Jahr schien alles wieder gut. "Ich war mit dem deutschen Berglauf-Kader im Trainingslager im Bayerischen Wald", berichtet Schönberger. Es lief, ehe sich im Juli wieder diese quälenden Schmerzen meldeten. "Dauerhaft hochwertiges Training war nicht mehr möglich", ergänzt er. Und einer wie er will immer die Höchstleistung bringen: "Wenn ich an den Start gehe, dann will ich auch richtig konkurrenzfähig sein." Da sei er nicht mehr, weiß er.

Doch dabei ist Schönberger mit seinen 33 Jahren eigentlich im besten Berglauf-Alter: "Für diese Wettbewerbe braucht man schon viel Erfahrung", erklärt er. Über all die Jahre hat er sich die geholt. Von kleinauf war Korbinian laufbegeistert. Papa Josef und Mama Christl waren selbst Sportler, der ältere Bruder Christian sehr lange ebenfalls als erfolgreicher Bergläufer unterwegs. Noch gut kann sich Korbinian an die ersten Läufe erinnern, anfangs war auch noch immer sein jüngerer Bruder Kilian dabei, der sich mittlerweile als Fotograf bundesweit einen großen Namen gemacht hat.

Mit sechs Jahren gewann Korbinian den Zwei-Kilometer-Lauf beim Hase- und Igel-Wettbewerb in Parkstein. Im Herbst vergangenen Jahres bestritt er nochmals die Oberpfalzmeisterschaften im Berglauf in Brennberg - und siegte, wie damals bei seinen ersten Titelkämpfen. Dann liefen die Gedanken durch seinen Kopf, der Entschluss reifte.

"Beruflicher und privater Erfolg machen es einem etwas leichter loszulassen", sagt Schönberger. Er arbeitet als selbstständiger Landschaftsarchitekt in Tännesberg, Freundin Martina wohnt in Bayreuth, die Fahrten dorthin kosten auch Zeit.

Schönberger ist mit sich im Reinen. Der Berglauf hat ihm viel gegeben: zwei WM-Teilnahmen, zwei EM-Teilnahmen, den Sprung in die nationale Spitze. 2013 verpasste er knapp den deutschen Meistertitel. "Da wollte ich unbedingt siegen", sagt er und vermutet: "Vielleicht habe ich danach etwas überzogen." Dass der Triumph in seiner Vita fehlt? Er kann es mittlerweile verschmerzen.

Laufen wird er weiterhin: Abends, um nach der Arbeit runterzukommen, oder für sein ehemaliges Gymnasium Oberviechtach beim Schwandorfer Landkreislauf. "Ansonsten will ich jetzt einfach auch etwas Abstand gewinnen." Und sich im neuen Leben weiterentwickeln. "Ich bin richtig gespannt, eine neue Lebensphase beginnt", sagt er neugierig. Es dürfte wieder gut laufen.

Dauerhaft hochwertiges Training war nicht mehr möglich.Korbinian Schönberger

 

 

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