04.07.2017 - 20:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Lothar Richthammer über die Faszination Triathlon Roth-Fieber

Fast ein halbes Leben ist Lothar Richthammer Triathlet. Bald feiert der 57-Jährige 25. Jubiläum: Eine Mitteldistanz (2 Kilometer Schwimmen, 90 Radfahren, 20 Laufen) war sein erstes Mal: "Landau an der Isar, Juli 1992. Spätestens im Ziel hab ich mir den Triathlonvirus geholt." 31 Langdistanzen und viele weitere Rennen hat der Triathlet vom Laface-Team absolviert, er stand mehrfach auf Ironman-Podesten. Im Oktober geht es zum dritten Mal zur WM nach Hawaii.

Lothar Richthammer 2016 am Solarer Berg bei der Challenge Roth. In diesem Jahr muss er auf dieses emotionale Erlebnis verzichten.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Anfangs sollte der Ausdauersport nur mehr Kondition fürs Tennis bringen, bald verschob sich die Priorität: "Stefan Löw und Felix Bydkiewski haben als Triathlonpioniere in Weiden für Aufmerksamkeit gesorgt." 1993 absolvierte Richthammer selbst seine erste Langdistanz - natürlich in Roth. 1996 war er erstmals auf Hawaii. "Roth war die deutsche Triathlon-Hochburg, damals noch als Ironman Europe. Neben Roth gab es kaum Gelegenheit, sich in Europa für Hawaii zu qualifizieren." Heute sei das anders. Die Triathlongemeinde ist extrem gewachsen, hat sich professionalisiert. "Die Zeiten werden immer schneller." Aber Roth habe seine Sonderrolle behalten.

12 bis 20 Stunden

12 bis 20 Stunden Training die Woche - neben dem 40-Stunden-Job, für Hobbys bleibe kaum Zeit. "Sobald du für eine Langdistanz meldest, richtet sich dein Leben daran aus." Verzichten, muss Richthammer aber auf nichts. "Manche Dinge brauchen etwas länger zur Erledigung." Ein gutes Zeitmanagement sei hilfreich. So begeistert Richthammer von dem Sport ist, alles gefällt ihm nicht mehr. Auf dem Rad werde trotz Verbots oft und vorsätzlich Windschatten gefahren. Weil die Felder größer werden, sei das für die Veranstalter kaum zu kontrollieren. Man brauche hier neue Konzepte, so wie beim Schwimmen: Der "Rolling Start" soll das gefährliche Durcheinander früherer Massenstarts entschärfen. Die Veranstalter lassen die Sportler nach und nach, statt alle zugleich ins Wasser. "Viele Athleten begrüßen das, ich als schlechter Schwimmer sowieso."

Auch andere Trends sieht Richthammer kritisch: falsche Fixierung auf Trainingspläne. "Wenn, müssen Pläne auf soziales Umfeld und Persönlichkeit abgestimmt sein." Standardisierte Pläne über- oder unterfordern die Sportler dagegen. Dazu komme psychischer Stress und schlechtes Gewissen, wenn mal eine Einheit ausfallen muss. "Deshalb ist Training nach genauen Vorgaben nichts für mich. Nicht der Plan bestimmt den Alltag, sondern umgekehrt." Richthammer weiß aber, dass seine Erfahrung hilft, nach Gefühl zu trainieren. Für Einsteiger ist ein grober Plan empfehlenswert, um ein Gefühl für den nötigen Aufwand und die Intensitäten zu bekommen.

Nachfrage bleibt groß

Zu denken gibt Richthammer auch die Entwicklung bei den Startgeldern. "Ironman- oder Challenge-Wettbewerbe bieten perfekt organisierte Rennen." Trotzdem: Ein Hawaii-Start kostet nach der Quali 1000 Dollar, ein Ironman in Deutschland rund 500 Euro. "Ich kann nicht glauben, dass die Kosten so extrem gestiegen sind." Dennoch: "Die großen Rennen sind immer ausverkauft." Auch Richthammer akzeptiert die Preise, wenn auch zähneknirschend: "Wer sich aufs Abenteuer Hawaii einlässt, weiß, dass es nicht billig wird"

Ins Geld geht auch die Ausrüstung. Triathleten gelten als aufgeschlossen und experimentierfreudig, was die Ausrüstung angeht. "Derzeit steht professionelles Bikefitting hoch im Kurs", berichtet Richthammer. Die teuren Räder werden computervermessen und millimetergenau eingestellt, um optimale Kraftübertragung und Aerodynamik zu gewährleisten. "Ich achte eher darauf, dass der Rücken nicht überbelastet wird, Aerodynamik kommt an zweiter Stelle." In den Wechselzonen sehe man oft Maschinen, "da tut mir vom Hinschaun der Rücken weh." Ganz kann sich Lothar Richthammer aber nicht rausnehmen. "Ich hab mir gerade eine neue Zeitmaschine angeschafft. Für Roth bleibt sie in der Garage aber auf Hawaii muss sie Glück bringen."

Hawaii und Roth

Für seinen dritten Start in Hawaii hat sich Lothar Richthammer bereits beim Ironman Mallorca im September 2016 qualifiziert. So kann er die Vorbereitung das ganze Jahr über auf den einzigen Höhepunkt ausrichten. "Das ist komfortabel und ich kann mich ein ganzes Jahr darauf freuen", sagt Richthammer. Nach Problemen mit Fersensporn und Achillessehne laufe die Vorbereitung derzeit gut.

Um im Oktober frisch zu sein, beschränke er sich derzeit auf Halbdistanzen. Gestartet ist er bereits auf Mallorca und im Kraichgau. Prag, Zell am See und noch einige andere Termine stehen an. "Diese Distanzen gehen nicht so an die Substanz, man kann schon nach ein paar Tagen wieder ins normale Training einsteigen."

Es sei wichtig die Balance zwischen Intensität und Verletzungsrisiko zu finden, gerade im "etwas reiferen Alter", schließlich wolle er im Oktober gesund an der Startlinie stehen.Aus diesem Grund verzichtet er in diesem Jahr auch auf Roth, obwohl seine Beziehung dazu eine besondere ist: "In Roth habe ich 1993 meine erste Langdistanz gefinished. Soweit ich es planen kann, werde ich auch meine letzte Langdistanz dort absolvieren. Das muss aber noch nicht so schnell sein."

Was Hawaii besonders macht, sei schwer in Worte zu fassen. "Rational kann man das einem Außenstehenden kaum vermitteln." Es sei ein emotionales Abenteuer, das spätestens mit dem Ausstieg aus dem Flugzeug auf dem Kona-Keahole-Flughafen beginnt. "Schon beim ersten Schritt auf die Gangway macht man Bekanntschaft mit der neuen Klimazone und spätestens jetzt weiß man, worauf man sich einlässt." Nach ein paar Tagen Akklimatisation sei man angekommen und freut sich, mit den besten Athleten am Start stehen zu dürfen. "Das Flair der Insel zu genießen, den Mythos Hawaii zu erleben, das ist etwas Besonderes, ein unvergessliches Erlebnis." (wüw)

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