17.03.2010 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Nach K.o. beim Athletenclub: Boxer gründen neuen Verein - Wanninger als Geburtshelfer: Olympia Weiden steigt in den Ring

Beim Athletenclub warfen sie das Handtuch, um nun mit einem eigenen Boxclub in den Ring zu steigen: "Olympia Weiden e. V.". Mit etwa 20 Mitgliedern wollen Wjatscheslav Weber und Eduard Herrmann den neuen Verein fit machen. Als Geburtshelfer fungiert Helmut Wanninger, der langjährige Vorsitzende des Athletenclubs - der sich allerdings in der nächsten Woche von diesem Posten zurückziehen wird. Wegen der Boxer kam es zum Bruch zwischen ihm und dem restlichen Vorstand.

von Ralph Gammanick Kontakt Profil

"Keine schmutzige Wäsche waschen" will Karlheinz Popel. In der Jahreshauptversammlung des Athletenclubs am Dienstag bewirbt sich der 44-Jährige für die Nachfolge Wanningers. Popel, bereits seit 1990 stellvertretender Vorsitzender, räumt unumwunden ein, dass er kein Fan der Boxabteilung ist. "Helmut Wanninger wollte sie aufbauen, aber es hat einfach nicht funktioniert", sagt er. Von den rund zehn Mitgliedern der Abteilung habe zuletzt nur noch eines - der mehrfache bayerische Meister Murad Ismailow - aktiv die Fäuste geschwungen. Zudem wirft Popel den Boxern vor, "gewisse Regeln" gebrochen zu haben. So seien sie Mitgliedsbeiträge schuldig geblieben. Dafür hätten die Faustkämpfer viele andere Ausgaben für ihren Sport aus der eigenen Tasche geleistet, entgegnet Herrmann, der die Abteilung mit Weber leitete.

"Der Athletenclub kam einst zur Boxabteilung wie die Jungfrau zum Kind", räumt Wanninger ein. 2001 versuchte er, eine Gruppe Boxsport-interessierter Spätaussiedler in den Verein zu integrieren. Doch so richtig heimisch wurde sie dort nie. Gewichtheber und Faustkämpfer trainierten an verschiedenen Orten, hatten keinen Kontakt. "Es gab Spannungen", bedauert Wanninger. "Die Boxer waren das fünfte Rad am Wagen. Ihre weitere Zukunft beim Athletenclub wäre unsicher gewesen."
Denn Wanninger hat bereits vor längerer Zeit entschieden, den Vorsitz 2010 abzugeben. "Ich werde 70 Jahre, bin seit 46 Jahren Schriftführer und seit zwölf Jahren Vorsitzender. Ich will kürzer treten." Den gleichzeitigen Weggang der Boxer vom Athletenclub schildert Eduard Herrmann als logische Folge: "Mit Helmut Wanninger geht der einzige, der uns unterstützt hat."

An Tradition anknüpfen

Anders als ursprünglich geplant, will sich der 69-Jährige auch nicht mehr als Schriftführer engagieren. Wohlgemerkt: für den Athletenclub. Bei Olympia Weiden trat er dagegen eben dieses Amt an. Dem neuen Verein, der mit seinem Namen übrigens an eine glorreiche Weidener Box-Tradition anknüpft, hilft der versierte Funktionär über die ersten bürokratischen Hürden. Die Gemeinschaft, gegründet zum 1. Februar, ist bereits im Vereinsregister eingetragen. Olympia-Vorsitzender Weber (31) und Stellvertreter Herrmann (33) sind bisher die einzigen Boxer, die den Athletenclub verlassen haben. Ihnen ist nicht bange, dass sie sich mit ihrem neuen Verein durchboxen. Projekte unter anderem mit dem Jugendzentrum bescherten ihnen verstärkt Nachwuchs, berichtet Herrmann. So könnten sich bei ihnen hyperaktive Jugendliche austoben.

Offiziell nach wie vor für den Athletenclub tritt Murad Ismailow an. Allerdings schildert es Herrmann nur als Frage der Zeit, wann der Bayerische Amateur-Box-Verband den neuen Verein anerkennt und dem Faustkämpfer damit auch den beabsichtigten Wechsel ermöglicht. Dann würde Ismailow den "Olympia Weiden e. V." wohl auch in der überregionalen Sportszene bekannt machen. Schlagartig.

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