Radsport
Schütz rast zum WM-Titel

Adelheid Schütz auf dem Weg zum WM-Titel im Zeitfahren: Die Radsportlerin vom VC Corona Weiden wiederholte ihren Coup von 2015, als sie sich erstmals in die Siegerliste bei einer Amateur-Rad-WM eingetragen hatte. Bild: exb
Sport
Weiden in der Oberpfalz
13.09.2017
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Adelheid Schütz (Mitte) bei der Siegerehrung: Die Zeitfahr-Weltmeisterin gewann vor Sarah Morrison (links) aus Neuseeland und der US-Amerikanerin Liz Powell. Bild: exb

Selbst austrainierte Radsportler kommen da ganz schön ins Schwitzen: Ausgerechnet in einer der heißesten Regionen Südfrankreichs geht die Amateur-Weltmeisterschaft über die Bühne gut. Adelheid Schütz trotzt der Hitze und schnappt sich den WM-Titel im Einzelzeitfahren in ihrer Altersklasse.

Albi/Weiden. Überraschend kommt der Titelgewinn nicht. Bereits vor zwei Jahren hatte die Fakultäts-Assistentin an der Universität Bayreuth im dänischen Hobro die Konkurrenz aus aller Welt in der AK 40 bis 44 Jahre hinter sich gelassen. Nachdem Schütz 2016 auf eine WM-Teilnahme in Perth (Australien) verzichtet hatte, ging die Fahrerin des VC Corona Weiden nun voller Zuversicht bei der Grand-Fondo-WM des Radsportweltverbandes UCI in Albi (Region Okzitanien) an den Start. "Ich hatte natürlich eine Mitfavoritenrolle", gibt Schütz zu. "Umso mehr freue ich mich, dass ich mich in einem starken Feld durchgesetzt habe."

Bei 37 Grad im Schatten ging die vielfache bayerische Zeitfahr-Meisterin unmittelbar vor ihrer vermeintlich größten Konkurrentin, Molly van Houweling, auf die 23 Kilometer lange Strecke. Die US-Amerikanerin, immerhin Halterin des Stundenweltrekords im Amateurbereich, startete 30 Sekunden hinter der Deutschen und hatte sich in der Verfolgerrolle wohl beste Chancen ausgerechnet. Aber Schütz blieb unbeeindruckt, obwohl die kurvige Strecke nicht auf sie zugeschnitten war. "Ich bin eine Aerodynamik-Spezialistin", sagt Schütz. "Eigentlich brauche ich viele gerade Abschnitte, um meine Vorteile ausspielen zu können."

Dennoch reichte es zum großen Coup. Rainer Völkl - Aerocoach, Renningenieur, Betreuer und Ehemann in einer Person - hatte für jede Kurve die perfekte Linie berechnet. "Das war der Schlüssel zum Erfolg, denn es ging an der Spitze denkbar knapp zu", erzählt Schütz. Mit 34:05 Minuten war die 43-Jährige die Schnellste unter den 150 Teilnehmerinnen. Sie verwies Sarah Morrison aus Neuseeland um elf Sekunden auf Platz zwei. Dritte wurde Liz Powell (USA/34:18). Für van Houweling (34:42) blieb nur der vierte Platz.

Nach dem Rennen nahm Schütz die Glückwünsche ihrer Konkurrentinnen entgegen. "Wir pflegen einen respektvollen Umgang miteinander", sagt Schütz. "Bei uns Frauen werden keine Ellenbogen ausgefahren. Die Rivalität wird nur auf der Rennstrecke ausgetragen." Ein dickes Lob gab es für die vielen Helfer an der Strecke: "Die haben uns Fahrer exzellent versorgt, auch mit Getränken." Überhaupt stellten die Veranstalter mit berühmten Schirmherren wie Laurent Jalabert oder Jeannie Longo eine fantastische Rennwoche im Süden Frankreichs auf die Beine.

Schütz rundete ihre Teilnahme an der professionell aufgezogenen WM (insgesamt 2400 Anmeldungen) mit einem weiteren Erfolg ab. Beim Massenstartrennen über 97 Kilometer erreichte sie in 2:37 Stunden einen starken zehnten Platz. Dabei kam ihr bei einem langen Anstieg ihre Stärke am Berg entgegen. "Da bin ich von ziemlich weit hinten nach vorne gefahren." Ganz nach vorne will Schütz auch in 2018. Dann kämpfen die Amateurradsportler in Italien um die WM-Krone. Sollte es erneut zu einer Hitzeschlacht kommen, hätte Schütz nichts dagegen einzuwenden: "Ich will wieder um den Titel mitfahren."

Bei uns Frauen werden keine Ellenbogen ausgefahren. Die Rivalität wird nur auf der Rennstrecke ausgetragen.Adelheid Schütz
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