Rennmaschine aus Weiden bei Sonderausstellung in München
Reif für Deutsches Museum

Dazwischen liegen zwei Jahrzehnte: Die regionale Triathlon-Legende Stephan Loew (links) mit jener Rennmaschine, mit der er 1997 den Iron Man auf Hawaii bestritt. Rechts Olympiasieger und Weltmeister Eric Frenzel mit einer Hightech-Extraanfertigung, die er am 9. Juli bei der Challenge in Roth einsetzt. Bilder: cf (2)
Sport
Weiden in der Oberpfalz
05.07.2017
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Dazwischen liegen zwei Jahrzehnte: Die regionale Triathlon-Legende Stephan Loew (links) mit jener Rennmaschine, mit der er 1997 den Iron Man auf Hawaii bestritt. Rechts Olympiasieger und Weltmeister Eric Frenzel mit einer Hightech-Extraanfertigung, die er am 9. Juli bei der Challenge in Roth einsetzt. Bilder: cf (2)

Wahrlich stylisch hebt es sich ab von den aktuellen Rennmaschinen. Und doch ist dieses Carbon-Fahrrad Museums-tauglich. Nämlich für das Deutsche Museum. Europas führendes Technikmuseum präsentiert das besondere Zweirad der Weidener Triathlon-Ikone Stephan Loew ab 28. Juli: zum 200. Geburtstag des Fahrrads.

Weiden/München. Recht spontan bewarb sich Loew im vergangenen Jahr für die Sonderausstellung in München. Kein Wunder, dass die Museums-Verantwortlichen auf das gemailte Foto ansprangen. Denn auch zwei Jahrzehnte nach dem aktiven Dienst wirkt das Bike beileibe nicht aus der Zeit gefallen bzw. von den Jahren (technisch) überholt.

Unverkäufliches Stück

Das Rennrad mutete nicht nur 1997 reichlich avantgardistisch an, es hat auch heute nichts von seinem kühnen Design eingebüßt. Über den anmutigen 26-Zoll-Rädern schwingt sich nicht irgendein Carbon-Rahmen, sondern elegant eine V-förmige Monocoque-Konstruktion, der zwei wichtige herkömmliche Teile fehlen: das durchgehende Sitzrohr und die -streben. "Es war nicht nur eines der ersten Vollcarbon-Rennräder, sondern auch aerodynamisch das Nonplusultra", erinnert sich Loew. Das Gefährt holte sich damals Anleihen aus der Raumfahrttechnik. Der extravagante Rahmen erlaubt sogar eine geschmeidige Dämpfung mit mehreren Zentimetern Hub.

Die nur 26 Zoll kleinen Laufräder erfordern ein großes Kettenblatt ( 46/56 Ritzel); etwas antiquiert mutet die achtfach Kassette (11 bis 21) an: "Zehnfach" ist heute Standard. Letztmals setzte Stephan Loew das außergewöhnliche Rennrad zur Einweihung der Autobahn A 6 - zwischen Wernberg-Köblitz und Amberg - ein. Für Wettkämpfe ist diese Rahmenform heute nicht mehr erlaubt. "Alle meine Iron-Man-Räder habe ich später verkauft. Nur dieses eine behalte ich: Weil es aerodynamisch der Hit und so ästhetisch ist", sagt Stephan Loew, der das unverkäufliche Stück dem Deutschen Museum ein Jahr als Leihgabe zur Verfügung stellt.

Wie es der Zufall will, "schneit" beim Besuch bei Stephan Loew der in Flossenbürg lebende Nordische Kombinierer Eric Frenzel herein. Der Olympia-Sieger, fünfmalige Weltmeister und zweimalige Gesamtweltcup-Erste lässt sich über die digitale Vermessung durch einen Körper-Scanner eine "Sonderanfertigung" anpassen: Das rassige TT-Rad eines Oberpfälzer Herstellers, der alle Züge in den Rahmen unsichtbar integriert hat. Das besonders stabil ausgelegte Carbon-Skelett ist deshalb absolut "clean". Die Aeroposition erlaubt sowohl Schalten, als auch Bremsen, unterstützt von einer hochpräzisen Elektroschaltung.

Genau 8,2 Kilogramm

Der ebenso bescheidene wie sympathische Eric Frenzel bewältigt am 9. Juli den Iron Man in Roth - im Team. Ihm fällt der Part 180 Kilometer Rennrad zu. 5000 bis 6000 Kilometer trainiert Frenzel meist in der Oberpfalz "Grundlagen-Ausdauer": im Pulsbereich von 150 bis 170 Schlägen - wo bei den meisten Amateuren schon die Ampel auf Rot steht. Die Rennmaschinen von Stephan Loew und Eric Frenzel trennen zwar 20 Jahre: Das Gewicht ist jedoch ebenbürtig - mit jeweils genau 8,2 Kilo.

Die Sonderausstellung ab 28. Juli im Deutschen Museum wartet mit einem weiteren Bezug zur Oberpfalz auf: In der "Langen Nacht der Museen" ist ein 20-minütiger Film über vier Oberpfälzer Radsportler zu sehen, die 2014 das längste Langstrecken-Radrennen der Welt bewältigten, den Race Across America (RAAM), von der West- zur Ostküste: Stephan Loew, Prof. Thomas Dommermuth, Ralph Zimmermann und Dr. Markus Imhoff.
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