Sechziger-Trainer vor Start im Interview mit den Oberpfalz-Medien
Bierofka über Aufstiegspflicht, Ismaik, Mölders, die Löwen-Euphorie und Köllner

1860-Trainer Daniel Bierofka (Foto: Sven Hoppe/dpa)
Sport
Weiden in der Oberpfalz
22.02.2018
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Der "Löwe" beißt wieder. Zwar ein paar Klassen tiefer, aber er ist wieder quicklebendig. Auch Trainer Daniel Bierofka ist voller Elan. Der Mann, der mit seinen 39 Jahren schon eine "Löwen"-Legende ist.

Am Samstag startet der TSV 1860 München mit dem Spiel beim 1. FC Nürnberg II in die Rest-Rückrunde der Regionalliga Bayern. Vor dem Spiel sprachen die Oberpfalz-Medien mit Trainer Daniel Bierofka über die Aufstiegspflicht, die mögliche Relegation und über Ismaik, Mölders und Club-Coach Köllner.

Hallo Herr Bierofka, gegen den 1. FC Nürnberg II geht's am Samstag in die Rest-Rückrunde. Wie lief die sechswöchige Vorbereitung ?

Daniel Bierofka: Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden. Zwischendurch gab es ein paar Wehwehchen. Die sind aber weitestgehend auskuriert. Es ist natürlich nicht so gut, dass Timo Gebhart und Nicholas Helmbrecht fehlen. Gebhart hat Achillessehnenprobleme und wird am Samstag nicht dabei sein. Beim zuletzt angeschlagenen Nico Karger besteht nach seiner Kapselverletzung im Knie Hoffnung für das Spiel.

Timo Gebhart ist ein Schlüsselspieler. Wie lange wird er fehlen?

Bei ihm ist es die Achillessehne, da ist es schwierig, eine Prognose zu stellen. Es ist ein bisschen besser geworden, aber er kann nicht trainieren.

Mehr als 12 000 "Löwen"-Fans, auch jede Menge aus der Oberpfalz, werden in Nürnberg erwartet. Die "Löwen"-Euphorie ist groß ...

Wir hatten so ein Szenario ja schon in Augsburg. Ich glaube, da waren mehr als 20 000 Zuschauer im Stadion. Das ist schon ein tolles Event für meine Jungs. Die Nürnberger Spieler, die noch nicht bei den Profis waren, kennen das gar nicht. Für meine Jungs ist das fast Normalität. Jedes Heimspiel im Grünwalder Stadion ist mit 12 500 Zuschauern ausverkauft. Zudem spielt am Samstag der Erste gegen den Zweiten, das wird ein richtiges Spitzenspiel.

Ihr Sturmtank Sascha Mölders hat jede Menge Profierfahrung. Wie wichtig ist er mit seinen bald 33 Jahren für die Jungspunde?

Er ist einfach ein Typ in einer Mannschaft, deren Altersschnitt 23 Jahre beträgt. An solchen Spielern wie Sascha können sich die Jungen aufrichten, wenn es mal nicht so läuft. Die sechs Wochen Vorbereitung haben ihm richtig gut getan. Er ist jetzt in einer ganz anderen Form als im Sommer, als er zu uns kam.

Sieben Punkte Vorsprung in der Regionalliga, für die Fans ist die Meisterschaft ein Selbstläufer.

Das was außen herum passiert, interessiert mich und die Mannschaft nicht. Im Sommer hat es noch geheißen, wir müssen uns einfach stabilisieren. Das haben wir mit den Jungs super hingekriegt. Es ist natürlich auch klar, dass man bei sieben Punkten Vorsprung nicht mehr Zweiter werden will. Aber wir lassen uns nicht unter Druck setzen.

Und der Meister muss auch noch durch die Aufstiegsrelegation ...

Ich glaube, dazu ist mittlerweile alles gesagt. Das findet keiner gut. Ich hatte ja mal gehofft, dass man eine andere Lösung findet. Aber wir müssen das akzeptieren. Sollten wir Meister werden, liegt es nur an uns, ob wir es schaffen.

Kürzlich gab es Meldungen, sie seien etwas sauer, weil ihr Vertrag noch nicht an den Cheftrainer-Status angepasst sei.

Das wurde medial hochgekocht. Ich habe nur gesagt, dass ich mit dem Verein noch nicht gesprochen habe. Und ich sagte auch, dass ich mich jetzt nur auf die Mannschaft konzentriere. Da ist derzeit alles stimmig. Dass so etwas geschrieben wird, gehört zum Geschäft.

Für "Löwen"-Verhältnisse ist derzeit überhaupt viel Ruhe im Verein oder täuscht das?

(Schmunzelnd) Am Anfang war es wirklich ruhig. Da waren alle noch geschockt vom Rückzug in die Regionalliga. Wir brauchten zwei, drei Monate, um das zu verarbeiten. Jetzt haben wir mit Michael Scharold und Günther Gorenzel eine klare Struktur im wirtschaftlichen und sportlichen Bereich. Und ich hoffe, dass auch die beiden Gesellschafter (Investor Hasan Ismaik und der Hauptverein; Anm. der Red.) in den nächsten Wochen oder Monaten zueinanderfinden. Die Hoffnung gebe ich nicht auf. Das wäre der nächste Schritt in eine bessere Zukunft.

Unter dem Desaster im Sommer hat auch die einst exzellente Jugendarbeit der Sechziger gelitten.

Es ist nicht positiv, dass die U19 und U17 nicht mehr in der Bundesliga spielen. Das wäre für die jungen Spieler, die wir haben wollen, attraktiver. Mittlerweile ist Unterhaching mit beiden Teams in der Bundesliga. Auch Augsburg, der FC Bayern sowieso. Die Konkurrenz ist groß, wenn es um junge Spieler geht. Da müssen wir schauen, dass wir wieder attraktiver werden. Die Jungs brauchen auch eine Perspektive. Deswegen wäre auch der Aufstieg der Profis in die dritte Liga wichtig.

Wer steht in Nürnberg im Tor? Marco Hiller oder Hendrik Bonmann?

Die beiden haben sich in den sechs Wochen Vorbereitung nichts geschenkt. Marco Hiller wird im Tor stehen, aber das war eine brutale Entscheidung. Ich bin seit vier Jahren Trainer, musste schon im Profibereich einige Entscheidungen treffen. Aber das ist in meiner Zeit die bisher schwierigste.

Sie sind das Gesicht von 1860. Auf sie trifft "Einmal Löwe, immer Löwe" total zu. Könnten Sie sich vorstellen, irgendwann bei einem anderen Klub zu arbeiten?

Die Verweildauer der Trainer bei einem Verein ist derzeit nicht sehr hoch. Ich schätze mal, so im Schnitt sind's zwei Jahre. Im Sommer war es eine schwierige Situation, und ich habe das dann mit vollster Überzeugung gemacht. Aber wenn hier mal der Erfolg ausbleiben sollte, wird der Verein auch handeln. Da kann man nicht sagen: "Einmal Löwe, immer Löwe". Aber wie es danach weitergehen soll, kann ich jetzt nicht sagen.

Am Samstag geht es gegen den "kleinen" Club. Wann geht's wieder mal gegen die erste Elf des FCN?

Bei der ersten Mannschaft des Clubs schaut es gut aus. Mannschaft und Trainer Michael Köllner machen einen guten Job. Ich hoffe, dass Nürnberg aufsteigt. So ein Traditionsverein gehört in die erste Liga. Wann wir mal wieder in solche Sphären vorstoßen können? Das ist derzeit utopisch. Wir müssen unsere Hausaufgaben in der Regionalliga machen und dann versuchen, durch das Nadelöhr Relegation zu schlupfen. Das wird schwer genug.
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