Vom „Broken-Heart-Syndrom“ Ein Herzinfarkt, der keiner ist

In der Poesie steht das „gebrochene Herz“ für Schmerz, Leid und Trauer. Wenn die Liebe geht, dann bricht einem das sprichwörtlich das Herz. Allerdings: Das „gebrochene Herz“ gibt es tatsächlich auch physisch – Mediziner sprechen in diesem Fall von einem "Broken-Heart-Syndrom“ oder einer „Stress-Kardiomyopathie“. Eine Einordnug.

von Gesund & VitalProfil

Wenn das Herz aus den Fugen gerät

Das Herz als Motor des menschlichen Organismus gibt immer wieder Signale von sich: Es kann vor Freude hüpfen, kurz aus dem Takt geraten, wenn etwas besonders Schönes passiert, es kann intensiv klopfen, ja, regelrecht stolpern, wenn etwas Bedrohliches auf uns einwirkt. Im Extremfall kann das Herz derart aus den Fugen geraten, dass es „bricht“. Die typischen Symptome sind Luftnot und Schmerzen in der Brust, Betroffene erleben diese existenziellen Beschwerden wie einen Herzinfarkt, geraten in Panik. Tatsächlich sind diese auffälligen Veränderungen messbar, etwa in der Herzstromkurve und der Erhöhung der Herzenzymwerte. Erst bei der nach diesen Befunden obligatorischen Untersuchung des Herzens mithilfe eines Katheters werden die Unterschiede deutlich, nämlich dass die Herzkranzarterien nicht verengt sind wie beim Infarkt, aber die linke Herzkammer nicht mehr richtig arbeitet. Auf Röntgenbildern ist zu erkennen, dass sie im oberen Bereich verengt und im unteren ballonartig ausgebuchtet ist. Diese Form sieht aus wie ein Tonkrug, weshalb die Krankheit auch „Tako-Tsubo-Kardiomyopathie“ genannt wird. „Tako-Tsubo“ heißen im Japanischen Tonkrüge, die zum Fang von Tintenfischen verwendet werden.

Frauen in Wechseljahren sind häufiger betroffen

Ungefähr zwei Prozent aller Patienten, bei denen der Verdacht auf einen Herzinfarkt besteht, leiden in Wirklichkeit an einer Tako-Tsubo-Kardiomyopathie. Ältere Frauen sind überwiegend davon betroffen. Über die genauen Hintergründe kann bislang nur spekuliert werden, Experten vermuten, dass dies mit den Wechseljahren der Frauen zusammenhängt, in denen sie aufgrund des sinkenden Östrogenspiegels anfälliger für die Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol werden. Eine extreme Ausschüttung dieser Hormone kann dann vermutlich leichter die Herzmuskelzellen schädigen und die Pumparbeit des Herzens stören.

Auch das gibt es: „Happy-Heart-Syndrom“

Zwar sind die Ursachen für die Tako-Tsubo-Kardiomyopathie nicht gänzlich bekannt, doch dass belastende Situationen die Auslöser sind, ist unter Forschern unbestritten. Hierzu zählen beispielsweise Tod oder schwere Krankheit eines nahestehenden Menschen, eine eigene schwere Krankheit, heftige Konflikte in der Familie, aber auch Gewalterlebnisse, etwa durch einen Überfall oder eine Naturkatastrophe. Ursache kann in manchen Fällen auch körperliche Erschöpfung sein, die etwa nach einer Operation oder einer intensivmedizinischen Behandlung eintritt. In seltenen Fällen können aber auch freudige Ereignisse wie eine Hochzeit oder der Gewinn eines Jackpots das Herz belasten. Dann spricht man nicht vom „Broken-“, sondern vom „Happy-Heart-Syndrom“.

„Falscher Herzinfarkt“ ist behandlungsbedürftig

Eine Tako-Tsubo-Kardiomyopathie ist zwar kein echter Herzinfarkt, jedoch eine Erkrankung, die behandlungsbedürftig ist. Denn eine schwere Herzschwäche mit Wasser in der Lunge, ein kardiogener Schock, durch den das Herz kaum noch Blut pumpt, Herzrhythmusstörungen, die zum plötzlichen Tod führen können oder Blutgerinnsel, die Schlaganfälle verursachen können sind mögliche Folgen beziehungsweise Komplikationen, die auftreten können. Menschen mit einem „Broken-Heart-Syndrom“ werden deshalb in der Regel in den ersten 48 Stunden auf der Intensivstation überwacht. außerdem erhalten sie Betablocker. Diese schützen das Herz vor der schädlichen Wirkung der Stresshormone und verhindern Herzrhythmusstörungen. In manchen Fällen geben Ärzte den Betroffenen zusätzlich harntreibende Medikamente, weil eine stärkere Harnabgabe das Blutvolumen verringert und dem Herzen die Arbeit erleichtert.

Regelmäßige Kontrolle des Herzens wichtig

Im Gegensatz zu einem echten Herzinfarkt bleiben beim „Broken-Heart-Syndrom“ keine anhaltenden Störungen des Herzmuskels zurück, jedoch kann es durch erneute Stresssituationen zu Rückfällen kommen. Deshalb ist es ratsam, nach der Gesundung regelmäßig das Herz kontrollieren zu lassen. auch kann es hilfreich sein, mit effektiven Entspannungsübungen wie dem autogenen Training oder der Progressiven Muskelrelaxation nach Jacobson auf belastende Ereignisse zu reagieren, damit wird der gestresste Körper ganz bewusst entspannt und das Herz ist vor allzu heftigen Reaktionen des vegetativen Nervensystems geschützt.

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