17.04.2018 - 16:54 Uhr
Oberpfalz

1. Judoclub Weiden feiert Jubiläum 30 Jahre auf der Matte

"Bei uns lernt man Disziplin, Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit", sagt Vorsitzender Josef Schörner. Vor 30 Jahren schlägt die Geburtstunde des erfolgreichen 1. Judoclubs Weiden.

Ju-Jutsu-Trainingskampf beim Judoclub Weiden. Ehrenvorsitzender Karl Ertel (im Karohemd) und Vorsitzender Josef Schörner schauen zu Bild: sbü
von Siegfried BühnerProfil

Als der 1. Judoclub Weiden gegründet wurde, gab es noch keine Sportstudios, in denen man gegen Gebühr eine Kampfsportart erlernen konnte. In diesen Tagen feiert der Club sein 30-jähriges Bestehen. Von den Gründungsvätern ist heute nur noch Ehrenvorsitzender Karl Ertel aktiv. Er war von Beginn an - von 1988 bis 2010 - Vorsitzender und Vereinspräsident. Gemeinsam mit seinem Nachfolger Josef Schörner blickt Ertel auf die bewegte Vereinsgeschichte zurück.

"Unsere Mitgliederzahl ist nach der Gründung explosionsartig angestiegen", berichtet Ertel. Zehn Jahre nach der Vereinsgründung wurde der 600. Zugehörige begrüßt. Bis auf 650 wuchs diese Zahl an. Der Judoclub wurde zum zweitgrößten Kampfsportverein in Bayern und viertgrößten in Deutschland. Nationale und internationale Ereignisse und Veranstaltungen der Organisation zeigen, dass seine Ausstrahlung bis weit über die regionalen Grenzen hinaus reichte. Weiden wurde zum Austragungsort für Länderkämpfe, die Deutsche Meisterschaft und sogar dreimal für die "European Open". Der Vorsitzende war nicht nur Judo-Bezirkschef und Jugendreferent für Nordbayern, sondern auch einer von fünf Sportbereichsleitern einer Judo-Weltmeisterschaft. "Es war eine wunderschöne Zeit", schwärmt Ertel.

Die von ihm verfasste Chronik zeigt alle einzelnen Ereignisse und Namen auf. "Dass in den 30 Jahren rund 5000 überwiegend junge Menschen bei uns trainiert haben und sportlich geprägt wurden, verdeutlicht unser Ansehen in der Bevölkerung", sagt Ertel. Verbunden mit der Vereinsgeschichte sei auch, dass die Trainer immer mehr Erfahrung ansammeln würden. Zwei besäßen inzwischen den fünften Dan, zwei den vierten und zwei den dritten. Demnächst erhalte ein Trainer sogar den höchsten achten Dan.

Zur Geschichte gehöre aber auch die Zeit nach dieser "Vereinsblüte" mit ihren vielen überregionalen Sportereignissen. Seit einigen Jahren bewegt sich die Mitgliederzahl in den beiden Abteilungen Judo und Ju-Jutsu zusammen im Bereich von 250. "Wir hätten Trainer für viel mehr Mitglieder", sagt Schörner.

Gefragt nach den Gründen des Mitgliederrückgangs, verweisen beide zunächst darauf, dass viele junge Menschen nach der Schulausbildung nicht in der Region blieben. Noch stärker wirke sich aber aus, dass der Tagesablauf von Schülern heutzutage immer weniger Spielraum für sportliche Betätigung ließe. Dabei sei Judo und Ju-Jutsu zur Persönlichkeitsbildung besonders gut geeignet, denn sie formten "Geist und Körper", sagt Schörner. "Bei uns lernt man Disziplin, Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit", betont er. Verteidigung sei nur das Nebenprodukt.

Konkurrenz entstehe allerdings auch durch professionelle Anbieter. Längst habe sich der Judoclub auch stärker nach außen geöffnet. Kinderselbstbehauptungskurse, auch an Schulen, und Frauenselbstverteidigung seien wichtige Betätigungsfelder geworden. Sorgen bereitet dem Vorsitzenden, dass es immer schwieriger werde, Trainingsorte und -zeiten am späten Nachmittag zu finden.

Hintergrund

6. Februar 1988: Karl Ertel gründet mit weiteren sechs Idealisten den 1. Judoclub Weiden, 1989 kam die Abteilung Ju-Jutsu dazu. 1997 wurden aus anfangs 26 Mitgliedern 500. "Das Konzept mit der Ausbildung von Kindern unter 10 Jahre schlug ein wie eine Bombe", sagt Vorsitzender Josef Schörner.

Fast jedes Jahr wurde mindestens eine Großveranstaltung von Bezirksebene aufwärts ausgerichtet, so unter anderem 1989 Länderkampf Deutschland-Korea und ab 1991 insgesamt acht Bayerische Meisterschaften im Judo und Ju-Jutsu.

1997 erhielt der Judoclub den erstmals vergebenen Jugendpreis der Stadt Weiden. 1998 fand die Deutsche Meisterschaft mit Schirmherr Edmund Stoiber in Weiden statt. Drei Mal in Folge gab es ab 1999 die European Open mit der Japanischen Nationalmannschaft. Ertel erhielt für seine Leistungen und Erfolge die höchsten Auszeichnungen, darunter die Ehrennadel des BLV in Gold mit Lorbeerkranz, das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten und den 3. Dan.

Die drei besten Kämpferinnen der vergangenen Jahre waren Sonali Trauner als Bayerische Meisterin und als Dritte bei der Süddeutschen Meisterschaft. Jenny Rutka wurde Bayerische Meisterin und Süddeutsche Vizemeisterin. Derzeit am erfolgreichsten ist Tamina Kammerer mit einem ersten Platz bei der Nordbayerischen und einem zweiten Rang bei der Bayerischen Bodenkampfmeisterschaft. (sbü)

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