16.03.2018 - 16:04 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

10. Gesundheitsveranstaltung des Fördervereins für Schwerkranke der Kliniken Nordoberpfalz "Teufelskreis Blasenschmerz"

Weil Blasenschmerzen die Lebensqualität erheblich einschränken, müsse der "Mensch als Ganzes" bei einer Behandlung im Vordergrund stehen, erklärt Dr. Susanne Neumeier, leitende Ärztin der Schmerztagesklinik. Sie kann dabei helfen, aus dem "Teufelskreis" zu entkommen.

Sie wissen Rat, wenn die Blase schmerzt: Gastgeber und Referenten der Gesundheitsveranstaltung des Fördervereins für Schwerkranke. Bild: sbü
von Siegfried BühnerProfil

Als Referentin bei der 10. Gesundheitsveranstaltung des Fördervereins für Schwerkranke der Kliniken Nordoberpfalz betonte Neumeier, dass der Auslöser für Blasenschmerz oft Ängste, Depressionen, Stress und die daraus folgende muskuläre Anspannung seien. Blasenschmerzsyndrom trete häufig gleichzeitig mit psychischen Erkrankungen auf. "Raus aus der Stress-Spirale", forderte sie deshalb. Es gebe Hinweise, dass die Funktionsstörungen der Blase der "Endpunkt eines Teufelskreises" sei. Derzeit würden Leitlinien zur Behandlung von chronischem Blasenschmerz entwickelt. Sie sehen im ersten Schritt Aufklärung, Verhaltensänderungen, Symptomkontrolle und Stressbewältigung vor.

"Manchmal dauert es viele Jahre, bis die Ursachen von Blasenschmerzen sicher diagnostiziert werden können", informierte Chefarzt Professor Thomas Bschleipfer. Zu sehr ähnelten sich die Symptome. Als Ursachen nennt er eine überaktive Blase, Harnwegsinfektionen, Gebärmutter-Erkrankungen und Tumore oder Blasensteine.

Krankheit immer häufiger

In der Fachsprache sei das Blasenschmerzsyndrom bekannt als "Interstitielle Cystitis", sagte Bschleipfer. Diese chronische Form des Blasenschmerzes sei eher selten, nehme aber deutlich zu. Man gehe derzeit von rund 230 000 Krankheitsfällen in Europa aus. "Der Schmerz ist abhängig von der Füllung der Blase", erläuterte Bschleipfer.

Wenn bei einer Blasenspiegelung Risse in der Blasenschleimhaut und Blutungen festgestellt werden, ist die natürliche Schutzschicht der Blase geschädigt. Als Ursachen dafür nennt der Urologe genetische Faktoren, Voroperationen, Reizdarm, Umweltfaktoren und psychologische Aspekte wie Stress. Häufiges Einnehmen von Antibiotika schon in jungen Jahren, körperlicher Missbrauch und Viren können auch für den Schmerz verantwortlich sein.

Hilfe vom Blasenstimulator

Zur Untersuchung empfiehlt Bschleipfer körperliche Untersuchungen, Blasendruckmessung, Blasenstimulator, Auswertung des "Miktionstagebuches" und insbesondere das Patientengespräch. "Die Behandlung mit Medikamenten hilft zwar vielen, aber nicht allen Patienten."

Beckenboden trainieren

Notfalls müsse man operieren, das gehe bis zu einer Entfernung der Blase. Bei der Therapie müssten stets verschiedene medizinische Disziplinen zum Einsatz kommen, erklärte Bschleipfer und nannte unter anderem Schmerzmedizin, Physiotherapie und Psychologie.

Die Physiotherapeutin Renate Häring erläuterte schließlich die physiotherapeutischen Aspekte. "Der Beckenboden ist auch ein Muskel und muss trainiert werden", stellte sie fest. Auch die Bauchatmung sei sehr wichtig, denn: "Atem und Beckenboden gehören zusammen." Ziel müsse sein, den Schmerzkreislauf "Schmerz, Schonhaltung, Bewegungsmangel, chronischer Schmerz" zu durchbrechen. Körperwahrnehmung, Ressourcen heben und positive Körpererfahrung waren weitere Stichworte. Auch Lachen stärke das Immunsystem, riet Häring.

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