08.05.2018 - 17:16 Uhr
Oberpfalz

60-jähriger Rentner wegen Raubes von Kamera und Körperverletzung vor Schöffengericht Bildgewaltiges Gerangel

Schläge, Beschimpfungen, Raub - die Anklage gegen einen 60-jährigem Rentner aus Vohenstrauß lastet schwer. Bei seiner Aussage rudert das Opfer dann aber zurück: "Schläge waren es nicht. Eine Rangelei, mehr nicht."

von Julia Hammer Kontakt Profil

Das Opfer, ein Sachverständiger, macht sich auf gerichtliche Anweisung am 29. August 2017 auf zum Wohnhaus des Angeklagten in Vohenstrauß. Er hat eine Spiegelreflexkamera dabei, will Fotos machen, um anschließend ein Gutachten des Gebäudes zu erstellen. "Ich war etwas früher dran als vereinbart. Das wusste der Angeklagte nicht", erzählt das Opfer vor dem Schöffengericht unter Vorsitz des Richters Alexander Wedlich. Um 12.17 Uhr sei es zur vorsätzlichen Körperverletzung und zum Raub gekommen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, das Opfer mit der linken Faust auf die rechte Schulter geschlagen und ihm anschließend die Kamera aus der Hand gerissen zu haben.

Der 60-Jährige sitzt zwischen seinen beiden Rechtsanwälten Rouven Colbatz und Dominic Kriegel auf der Anklagebank. Geschlagen habe er das Opfer nicht. Er habe ihm die Kamera aus der Hand gerissen, nachdem er den Sachverständigen aufgefordert habe, die Fotos zu löschen, dieser sich aber geweigert habe. Um wen es sich bei dem Mann mit der Spiegelreflexkamera gehandelt habe, das habe er nicht gewusst.

Eine beängstigender Situation für den Angeklagten, wie Colbatz schildert. Im Vorfeld habe es einen "nächtlichen Übergriff" auf das Haus des Angeklagten gegeben. Zwei Männer hätten versucht einzudringen und das Enkelkind aus dem Haus zu holen. Am Tattag habe der 60-Jährige befürchtet, es bahne sich wieder eine derartige Situation an.

"Er hat mich vom Balkon aus angeblökt, ist dann auf die Straße gestürmt, hat mich geschubst und mir die Kamera so heftig aus der Hand gerissen, dass sie gegen den Gartenzaun geschlagen ist", schildert das Opfer. Schläge habe es - anders als in der Anklageschrift- nicht gegeben. "Eine Rangelei eben, mehr nicht."

Nachdem der Angeklagte gesagt habe: "Die bekommst du nicht mehr", sei der Sachverständige gegangen, um die Polizei zu verständigen. "Ich habe versucht ihm zu erklären, dass ich für das Gutachten hier bin, das Recht habe, Fotos zu machen." "Falsch. Das habe ich nicht gewusst", bestreitet der Angeklagte. Auch aus der polizeilichen Vernehmung am Tattag gehe nicht hervor, dass sich das Opfer vorgestellt habe.

Nachdem sich das Schöffengericht zurückgezogen hat, stellt Richter Wedlich das Verfahren gegen eine Geldstrafe in Höhe von 1000 Euro ein. "Wir sehen in der Tat eine Nötigung, keinen Raub und keine Körperverletzung." Vor allem, nachdem das Opfer seine Aussagen vor Gericht bezüglich der Schläge relativiert habe. "Außerdem hat der Angeklagte nicht gewusst, dass der Termin für das Gutachten verschoben wurde." Bisher ist der 60-Jährige nicht straffällig geworden.

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