28.02.2018 - 12:08 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

83000 Anrufe bei der Integrierten Rettungsleitstelle 2017 Jeder Einsatz ist ein Schicksal

Wie passend: Einer der Disponenten heißt Martin Lichtblau. Er schickt Blaulicht los, ob nun Feuerwehr oder Rotes Kreuz. Sagenhafte 83 000 Anrufe haben Lichtblau und seine Kollegen der Integrierten Leitstelle 2017 entgegengenommen.

Die Disponenten der ILS - wie Martin Lichtblau (Dritter von links) - wissen in einer Minute nicht, was in der nächsten passiert: Sie koordinieren alle Notrufe der Oberpfalz. Leiter Herbert Putzer (Zweiter von links), Stellvertreter Jürgen Meyer (links) und Geschäftsleiter Alfred Rast (rechts) loben die sehr gute Qualifikation der motivierten Mitarbeiter. Bild: gsb
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Nicht aus allen resultierte ein Einsatz: Am Tag gehen durchschnittlich 23 "Hosentaschenanrufe" ein, bei denen außer ein wenig Rascheln nichts herauskommt. Beim nächsten Anruf kann es schon um Leben und Tod gehen: 26 verzweifelte Anrufer melden 2017 ein lebloses oder bewusstloses Kind. 911 Mal wird ein Herzinfarkt befürchtet. 155 Menschen haben einen Suizidversuch vorgenommen. 157 rufen wegen unstillbarem Nasenbluten an. Und das sind nur einige Schlaglichter aus der Jahresbilanz.

  • Die fehlende Rettungsgasse ist ein Dauerproblem für EInsatzkräfte. ZRF-Vorsitzender Alfred Rast hat jüngst ein Youtube-Video von Einsatzkräften in Oberfranken gesehen, die sich mühsam den Weg zum Unfall bahnen. Am Ende steigen die Feuerwehrmänner aus und helfen den Lkw-Fahrern beim Rangieren. "Erschütternd. Man will doch dem Verletzten, der vorne eingeklemmt ist, schnell Hilfe angedeihen lassen." Landrat Andreas Meier beklagt generell wenig Respekt gegenüber Sanitätern und Feuerwehrleuten. Straßensperren werden ignoriert. Einsatzkräfte werden - "auch bei uns" - körperlich attackiert. Meier: "ein Nogo."
  • 112 oder 110? Nicht jeder wählt richtig. Hauptsache, er wählt. Für die Disponenten ist es ein Klick, dann sind die Anrufer richtig verbunden: 2017 wurden von der ILS rund 2500 Ereignisse an die Polizei weitergeleitet. 1200 Einsätze erhielt die ILS von der Polizei über die Schnittstelle.
  • Die Zahl der Kindernotfälle steigt erneut auf 606 Einsätze an.
  • 20 Personen werden von Feuerwehren bei Wohnungsöffnungen tot vorgefunden.
  • Christoph 80 bleibt auch 2017 nachts am Boden. Zumindest vorerst. Die ZRF hat keinen Antrag gestellt, weil sie keine Chance auf die Zustimmung der Krankenkassen sehen. Der Tagflug kostet 2,6 Millionen im Jahr. Der 24-Stunden-Einsatz käme auf 8 Millionen. Schmerzlich vermisst wird Stationleiters Jochen Huber, der im Januar bei einem Übungsflug ums Leben kam. Aktuell leitet Günter Eigenbrodt kommissarisch die Luftrettungsstation. Der "Christoph 80" flog 2017 über 1200 Einsätze. Pfeilschnell: In 45 Minuten ist der Latscher "Hubi" in München. Durchschnittliche Reisegeschwindigkeit: 230 km/h.
  • Ein dickes Plus gab es bei den technischen Hilfeleistungen, zu denen die Feuerwehr gerufen wurde. Hintergrund waren Unwetter . Ansonsten hieß es an die Adresse der 225 Feuerwehren 770 Mal: Feuer!

eCall: Wenn das Auto Hilfe ruft

Neu zugelassene Autos rufen ab 31. März 2018 selbstständig Hilfe. Dafür sorgen Crashsensoren. Der automatische Notruf läuft bei der ILS auf. Nach der Datenübertragung wird eine Sprachverbindung hergestellt. Es können Details zum Unfall an die Helfer übermittelt werden. Übrigens: Es ist für eCall unerheblich, ob der Fahrer ein Handy dabei hat. Die ILS Nordoberpfalz ist seit Herbst technisch so ausgestattet, dass die Notrufe entgegengenommen werden können.

eCall funktioniert so: Bei einem Unfall geben Crashsensoren automatisch Meldung an die 112. Den Notruf können Insassen auch manuell auslösen. Mittels Mobilfunknetz wird eine GPS-Verbindung zur Norufzentrale hergestellt. In der ILS wird der Unfallort identifiziert und per Anruf beim Autofahrer nachgefragt, was passiert ist. Reagiert der nicht, bringen die Mitarbeiter sofort Hilfe auf den Weg. Die Rettungskräfte erhalten die Standortdaten und rücken aus. (ca)

Weiden/Mähring. 12 Minuten: Länger dürfen Rettungskräfte nicht zum Einsatzort brauchen. Am Grenzkamm im Landkreis Tirschenreuth war das nicht immer der Fall. Deshalb ist in Griesbach bei Mähring seit 2017 tagsüber ein weiterer Rettungswagen stationiert, informierte Alfred Rast vom Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung. In Tirschenreuth ist zudem die Vorhaltung von Krankenwagen um ein Drittel erhöht worden, von drei auf vier Fahrzeuge. Ambulanzfahrten haben in der ganzen Nordoberpfalz zugenommen. Ebenso Unterbringungen von Patienten in der Psychiatrie, die von der Polizei begleitet werden (ein Plus von 76 auf 214).

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