17.03.2017 - 14:24 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

9. Gesundheitsveranstaltung des Fördervereins Endlich keine Schmerzen mehr

Das Sterben gehört zum Leben. Für die Palliativversorgung ist dieser Satz selbstverständlich. Trotzdem verdrängen viele Menschen das Thema. Der Förderverein für Schwerkranke trägt es an die Öffentlichkeit.

Bei der Veranstaltung des Fördervereins für Schwerkranke schilderten folgende Referenten ihre Erfahrungen: Ärztliche SAPV-Leiterin Dr. Margarete Pickert, Hildegard Haupt und Martina Gropengießer vom Beratungsdienst, Silvia Spitzl vom Albert-Schweitzer-Hospiz Bayreuth und Dr. Stephanie Kuchlbauer, Ärztliche Leiterin der Palliativstation Neustadt (sitzend, Zweiter bis Sechster von links). Mit im Bild sind Veranstalter und Ehrengäste. Bild: sbü
von Siegfried BühnerProfil

Die 9. Gesundheitsveranstaltung des Fördervereins für Schwerkranke der Kliniken Nordoberpfalz stand im Zeichen der Palliativversorgung. "Ist die Palliativstation das Ende?", fragte Dr. Stephanie Kuchlbauer. Ärztliche Leiterin der Station in Neustadt. Dass diese Frage durchaus verneint werden kann, belegte die Medizinerin mit Beispielen. Dabei wechselten sich über viele Monate Aufenthaltszeiten in der Palliativstation und in der häuslichen Umgebung der Schwerkranken immer wieder ab. Auch könnten bestimmte Therapien, wie die Chemotherapie bei Krebskranken, auf der Palliativstation fortgesetzt werden.

Dennoch sagte Kuchlbauer mit Blick auf die Realität: "Palliativstation bedeutet, sich damit zu beschäftigen, dass das eigene Leben zu Ende geht." Alle hätten eine unheilbare Erkrankung. Schwerkranke sollten die Palliativstation in ihrer letzten Lebensphase als "Ressource" nutzen und nicht zu lange zögern, diese in Anspruch zu nehmen, empfahl die Ärztin. Viele Patienten würden sagen "Ich bin doch noch nicht soweit" und ihre Schmerzen ertragen.

Ehrfurcht vor dem Leben

Erst mit den Hilfen in der Palliativstation könne der Betroffene aufatmen: "Endlich habe ich keine Schmerzen mehr." Die Palliativstation sei rund um die Uhr erreichbar. Mit anderen Diensten wie dem Hospizdienst werde "Hand in Hand" zusammengearbeitet. Nach dem geplanten Umzug in den Neubau des Klinikums in Weiden stehe noch mehr Platz zur Verfügung. Dann werde es in Neustadt auch ein stationäres Hospiz geben. Einblick in eine solche Einrichtung gab Silvia Spitzl, Leiterin des Albert-Schweitzer-Hospizes Bayreuth. Sie zeigte zahlreiche Bilder mit hellen Räumen aus ihrer Einrichtung. Grundgedanke der Hospiz sei: "Der Mensch ist unser Gast, die Hospiz ist Herberge." Ehrfurcht vor dem Leben präge im Sinne Albert Schweitzers die Arbeit.

Voraussetzung für die Aufnahme im stationären Hospiz sei, dass das Krankheitsstadium schon weit fortgeschritten ist und keine Versorgung im häuslichen Umfeld möglich ist. "Wir versuchen eine familiäre häusliche Umgebung zu schaffen." Angehörige könnten sogar bei den Kranken übernachten. Ein strenges "Essensraster" gebe es nicht. Patienten bekämen auch schon mal nachts um 3 Uhr einen Eisbecher.

Die Arbeit ehrenamtlicher Hospizbegleiter stellten Martina Gropengießer und Hildegard Haupt vom Hospiz- und Palliativberatungsdienst Weiden-Neustadt vor. Sie unternehmen beispielsweise Spaziergänge mit Patienten, spenden Angehörigen Trost und schaffen ihnen Freiräume. "Meine Aufgabe ist, einfach da zu sein", sagte die Referentin.

Unterschiede zu Hospiz

Im Vortrag über Möglichkeiten und Grenzen der ambulanten Palliativversorgung von Dr. Margarete Pickert konnten die Zuhörer die deutlichen Unterschiede zwischen Hospizarbeit und Palliativversorgung erkennen. Die ärztliche Leiterin der SAPV Nordoberpfalz mit Sitz in Neustadt beschrieb die Aufgaben ihres Teams. Zunächst geht es bei der SAPV ebenfalls darum, "Lebensqualität und selbstbestimmtes Leben in vertrauter Umgebung zu ermöglichen". Dafür sorgen in den Landkreisen Neustadt und Tirschenreuth sowie in Weiden vier Palliativmediziner zusammen mit vier Pflegefachkräften und einer Atem- und Musiktherapeutin.

Medikamentenverordnung zur Symptomlinderung stehe im Vordergrund. Angehörige würden mit einbezogen. Aufgaben seien ferner Beratung und Koordination aller Beteiligten im Netzwerk von Hausarzt, Pflege, Seelsorge, Hospizdienst und Sicherstellung der Pflegehilfsmittel. Auf die Notwendigkeit von Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht wurde mehrfach hingewiesen.

9. Gesundheitstag

Als Moderatoren bei der 9. Gesundheitsveranstaltung fungierten Dr. Susanne Kreutzer und Dr. Nikolaus Globisch. Grußworte sprachen OB Kurt Seggewiß für die Stadt und Waltraut Koller-Girke für den Veranstalter, den Förderverein für Schwerkranke. Mitveranstalter waren Kliniken Nordoberpfalz AG, AOK Direktion Weiden, Ambulanter Hospiz- und Beratungsdienst Weiden-Neustadt/WN, Oberpfalz-Medien und Volkshochschule Weiden-Neustadt. (sbü)

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