02.01.2018 - 19:09 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Abbrechende Äste, umstürzende Bäume, vollgelaufene Keller, hohe Wasserstände in den Flüssen Sturm- und Orkanböen über Bayern

Schwere Sturmböen sind am Mittwoch über die Oberpfalz hinweggezogen. Bäume stürzten um, Äste brachen ab, Keller liefen voll. 

Umgestürzte Bäume auf der Straße zwischen Sulzbach-Rosenberg und Hahnbach in der Nähe der Firma Stahlgruber.
von Redaktion OnetzProfil

Am Mittwoch erreichte die Kaltfront des über die Nordsee heranziehenden Sturmtiefs "Burglind" Bayern. Ab den frühen Morgenstunden war es deswegen regnerisch und windig. Ab dem Mittag gab es Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometern pro Stunde. In höheren Lagen waren sogar Orkanböen mit bis zu 120 Kilometern pro Stunde nicht auszuschließen. 
 
Abgebrochene Äste und ausgewurzelte Bäume waren die Folge von "Burglind" in den Landkreisen Amberg-Sulzbach, Neumarkt und Cham. Insgesamt 26-mal war die Oberpfälzer Polizei in der Zeit zwischen 9.30 Uhr und 11 Uhr vornehmlich dort gefordert. Personen wurden nicht verletzt.
 
Der Landkreis Amberg-Sulzbach kam "relativ gut weg", wie aus der Integrierten Leitstelle (ILS) am Mittwoch in Amberg zu erfahren war. Vor allem am Vormittag waren die Einsatzkräfte unterwegs. Vom Birgland bis Freudenberg lagen Äste auf der Straße.
 
Bäume mussten in Fichtenhof, Rosenberg, Frechertsfeld, Lintach und Kemnath am Buchberg von der Fahrbahn entfernt werden. Auch auf privaten Grundstücken fielen Fichten und Co. zu Boden und sorgten für Schäden wie beispielsweise auf einem Bauernhof in Raigering.

In der Gemeinde Illschwang knickte am Vormittag an einem Windrad ab und segelte zu Boden. Der Bereich um das Windrad ist gesperrt, weitere Stücke könnten herunterfallen. Verletzte gab es nicht. 

Auch im Landkreis Tirschenreuth machte sich das Sturmtief bemerkbar. Hier tobten Gewitter und Orkanböen derart stark, dass in sieben Fällen Keller und Straßen überflutet wurden. Außer noch nicht abzuschätzenden Schäden durch den Sturm gab es auch hier keine Verletzten. 
 
Die vierte Etappe der Tour de Ski der Langläufer in Oberstdorf ist vorzeitig beendet worden. Nach dem Prolog der Damen in Oberstdorf reagierte die Jury und brach den Wettbewerb ab. Heftige Windböen ließen Bandenteile und Werbebanner über die Wettkampfstrecke fliegen, so dass die Sicherheit der Athleten nicht mehr gewährleistet war. In der Geschichte der Tour ist es die erste Etappe, die während der Wettkampfserie abgesagt werden musste. Nur bei der ersten Tour fielen die ersten beiden Etappen wegen fehlenden Schnees aus.
  
Die Zoos in München, Augsburg und Nürnberg bleiben wegen Sturmtief "Burglind" am Mittwoch, 3. Januar, geschlossen.

Steigende Pegel

Starke Niederschläge und schmelzender Schnee haben die Wasserstände nordbayerischer Flüsse ansteigen lassen. Die Wasserwirtschaftsämter haben deshalb am Mittwoch für einen Großteil Frankens Hochwasserwarnungen ausgegeben. Vor allem im Raum Bayreuth werden Ausuferungen und Überflutungen von Äckern, Straßen und bebauten Gebieten erwartet, wie der Hochwassernachrichtendienst (HND) Bayern mitteilte. Überschwemmungsgefahr besteht dem HND zufolge auch für die Wörnitz im schwäbischen Landkreis Donau-Ries. Für Teile der Oberpfalz warnt der HND vor Ausuferungen und Überschwemmungen. 

Für die Schifffahrt auf dem Main bedeutet das: Zwangspause. "Wir gehen davon aus, dass wir wahrscheinlich am Donnerstagnachmittag den höchsten Schifffahrtswasserstand erreichen werden", sagte Sachbereichsleiter Helko Fröhner vom Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Schweinfurt am Mittwoch. Dann werde die Schifffahrt zwischen Bamberg und Marktheidenfeld (Landkreis Main-Spessart) eingestellt. Schon am Mittwoch mussten einige längere Schiffe aus Sicherheitsgründen ihre Fahrt unterbrechen.

Sturm über Deutschland

Das Tief "Burglind" bringt orkanartige Böen nach Deutschland. Es gibt entwurzelte Bäume und Verkehrsbehinderungen - vor allem im Westen und Süden des Landes.

Düsseldorf/Offenbach. (dpa) Es kam aus Westen und brachte orkanartige Böen von mehr als 120 Kilometern pro Stunde: Sturmtief "Burglind" ist am Mittwoch mit Wucht auf mehrere Bundesländer getroffen. Umgestürzte Bäume und heftiger Regen behinderten am Morgen etwa in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern den Verkehr. Auch über andere Länder brauste das Tief hinweg. Von Verletzten war zunächst nichts bekannt.

Auch in anderen europäischen Ländern sorgte das Tief - dort heißt es "Eleanor" - für Behinderungen. Der Luftverkehr an den Flughäfen Basel-Mulhouse-Freiburg und Straßburg im Elsass wurde vorläufig eingestellt. Das sagte ein Sprecher der französischen Luftfahrtbehörde DGAC am Vormittag. In Frankreich, Irland und Großbritannien waren Tausende Haushalte ohne Strom. Der Regionalverkehr im Elsass wurde als Vorsichtsmaßnahme eingestellt.

In Deutschland waren Straßen blockiert und der Regional- und Fernverkehr der Bahn gestört. Die Feuerwehren waren im Dauereinsatz. Mehrere Zoos und Tierparks blieben geschlossen - wegen der Gefahr von herunterfallenden Baumteilen. Auf Deutschlands höchstem Berggipfel, der Zugspitze, fährt die Zahnradbahn nicht. Das Skigebiet Garmisch-Classic blieb geschlossen.

In Cuxhaven wurde die einzige Insel-Fährverbindung nach Helgoland vorsorglich eingestellt. Einige Urlauber seien bereits am Dienstag abgereist, andere würden zurück fliegen oder länger bleiben, sagte eine Sprecherin auf der Hochseeinsel. Früher abgereist sind auch einige Gäste auf der Insel Wangerooge. Dort fielen wegen Hochwasser zwei Fähr-Verbindungen vom und zum Festland aus.

Die Polizei appellierte an Autofahrer, besonders vorsichtig zu fahren. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte vor umherfliegenden Gegenständen und umstürzenden Bäumen. "Die Böden sind durch den Regen der vergangenen Tage durchnässt, Bäume kippen leichter um", sagte der DWD-Meteorologe Robert Hausen. In Wäldern solle man sich lieber nicht aufhalten. Es könne noch bis in die Nacht zum Donnerstag gefährliche Sturmböen geben.

Ein Regionalzug in Selm im südlichen Münsterland prallte am Morgen gegen einem entwurzelten Baum. Der Zug sei teilweise aus den Schienen gesprungen, verletzt worden sei aber niemand, sagte ein Bahnsprecher. Im Fernverkehr gab es Einschränkungen auf den Strecken Köln-Bonn, Köln- Aachen, Aachen-Krefeld, Kaiserslautern-Ludwigshafen und Köln-Niederlahnstein, wie die Bahn am Vormittag per Twitter mitteilte. "Aktuell ist noch nicht absehbar, wann die Verbindungen wieder voll befahrbar sind." 

In Essen und Mülheim standen Straßen unter Wasser, Gegenstände flogen umher. Auch auf den Autobahnen A44 zwischen Jülich und Aldenhoven und auf der A59 bei Duisburg kam es laut WDR und Radio Duisburg zu Behinderungen: Auf der A44 stürzte ein Hochsitz auf die Fahrbahn.

In Hessen legte "Burglind" den Verkehr teilweise lahm. Vielerorts stürzten Bäume um. Bei Limburg fiel ein Baum auf die Oberleitung der Bahn und bremste Züge auf der Strecke Limburg-Frankfurt aus. Das Polizeipräsidium Westhessen registrierte zahlreiche umgestürzte Bäume. Es gingen laufend Meldungen ein, vor allem für den Rheingau, Hochtaunus und Limburg, sagte ein Sprecher.

Schwere Verkehrsbehinderungen auch in Rheinland-Pfalz: Umgestürzte Bäume blockierten viele Straßen, auch im Bahnverkehr gab es Störungen. In mindestens drei Ortschaften in der Südwestpfalz fiel der Strom aus, wie die Polizei in Dahn mitteilte. Die Böen erreichten Geschwindigkeiten von 120 Kilometern pro Stunde. Alle Einsatzstellen seien am Rotieren, sagte eine Polizeisprecherin.

Erste Probleme gibt es auch an den Flüssen. In Köln wurde am Mittwochmorgen die Hochwassermarke I überschritten, bei der Schiffe ihre Geschwindigkeit reduzieren müssen. Auch kleinere Flüsse könnten in den nächsten Tagen über die Ufer treten.
Die Unwettergefahr nehme im Laufe des Vormittags vom Westen aus ab. An der Nordseeküste könne es am späten Vormittag orkanartige Böen geben. Ganztägig wird im Alpenvorland in Höhenlagen ab 1500 Metern vor Orkanböen gewarnt. In Hochlagen im Harz und auf dem Fichtelberg im Erzgebirge gilt das bis Donnerstagmorgen.

Fragen und Antworten zum Sturm

Welche Versicherung zahlt bei Sturmschäden?

Sturmschäden am Haus sind in der Regel über die Hausrat- oder die Wohngebäudeversicherung abgesichert. Voraussetzung ist, dass der Sturm tatsächlich die Ursache des Schadens ist. Darauf weist der Bund der Versicherten (BdV) hin.

Die Gebäudeversicherung zahlt zum Beispiel bei abgedeckten Dächern, zerstörten Schornsteinen oder Schäden durch umgefallene Bäume. Sie kommt auch für Folgeschäden auf, wenn durch das vom Sturm beschädigte Dach oder kaputte Fenster Regen eindringt - aber nur für Schäden am Haus selbst. Für bewegliche Gegenstände ist die Hausratversicherung zuständig - sie übernimmt Schäden, wenn der Sturm zum Beispiel das Dach abgedeckt hat und die Möbel nass und unbrauchbar geworden sind.

Betroffene melden sich am besten schnellstmöglich bei ihrer Versicherung. Grundsätzlich reicht ein Anruf, zur Sicherheit rät der BdV aber zu einem Einschreiben mit Rückschein. Zur Dokumentation der Schäden sollten Versicherte einige Fotos machen und mögliche Zeugen benennen. Wichtig ist: Ohne Rücksprache sollten Betroffene die Schäden nicht beseitigen. Die Versicherung muss immer die Möglichkeit haben, den Schaden durch eigene Gutachter bestimmen zu lassen.

Es kann sich lohnen, kleinere Schäden am Haus nach einem Sturm selbst zu tragen. Denn eine Versicherung kann den Vertrag auch kündigen, wenn Kunden immer wieder Schäden melden.

Was muss ich beachten, wenn der Sturm mein Auto beschädigt hat?

Hat ein Unwetter ein Auto beschädigt, sollten Besitzer dies umgehend ihrer Kfz-Teilkaskoversicherung melden. Oft müssen sie die Meldung durch Angaben des Wetteramtes ergänzen, erläutert der ADAC. Denn der Wind muss zum Zeitpunkt der Beschädigung mindestens die Windstärke acht gehabt haben. Ohne Absprache mit dem Versicherer sollten Fahrer allerdings keinen Gutachter bestellen oder den Schaden reparieren lassen - sonst bleiben sie unter Umständen auf den Kosten sitzen.

Bei Schäden durch herunterfallende Äste oder Dachziegel ist in jedem Fall die Teilkaskoversicherung der richtige Ansprechpartner. Denn hier findet in der Regel keine Rückstufung statt. Zudem ist die Selbstbeteiligung meist geringer. Fährt der Wagen hingegen gegen einen Baum, der bereits länger auf der Straße liegt, müssen sich Versicherte - falls vorhanden - an ihre Vollkaskoversicherung wenden.

Was ist, wenn ich meine Reise mit der Bahn nicht antreten konnte?

Wegen «Burglind» hat die Deutsche Bahn mehrere Strecken vorübergehend gesperrt, Züge verspäteten sich. Nach Angaben der Bahn behalten alle Fahrkarten für vom Sturm betroffene Strecken ihre Gültigkeit. Sie können kostenfrei erstattet oder bis eine Woche nach Ende der Störung flexibel genutzt werden. Dies gelte auch für zuggebundene Fahrscheine. Sitzplatzreservierungen können umgetauscht werden.

Hat sich ein Zug wegen des Unwetters erheblich verspätet, muss die Bahn einen Teil des Ticketpreises erstatten. 25 Prozent des Preises gibt es ab 60 Minuten Verspätung, 50 Prozent ab 120 Minuten. Entscheidend ist die Ankunftszeit am Zielort. Die Bahn hat für Kunden unter 08000/99 66 33 eine kostenlose Sonderhotline eingerichtet.

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