Abrechnung mit dem Bachelor und Co.: Musikvideo von Rapper BZK im Fluchthaus
Zum Durchdrehen

Regisseur Can Demirci hat alles im Griff: die Steadycam und den Dreh des Musikvideos für Rapper BZK (hinten, rechts). Der Clip zum Lied "Zu gut" watscht das Fernsehen und dessen Zuschauer ab. Bilder: Trager
 
Der Bachelor und Co. sind im Fluchthaus von Ufuk Solak (Zweiter von rechts hinten) und Mustafa Uslu (hinten rechts) ganz schön blass.

Ein maskierter Mann jagt den Bachelor und Daniela Katzenberger durchs Fluchthaus. Alles wird gefilmt. Nicht für RTL, sondern für BZK. Der Weidener Rapper dreht sein erstes Musikvideo. Mit einem Altenstädter, der beste Kontakte in die deutsche Rap-Szene hat. Es ist eine Abrechnung mit dem Fernsehen.

Möglichst asozial soll es aussehen. Burger, Pommes, Chips - der junge Mann im Schlabberlook verschlingt alles. Er starrt auf einen alten Röhrenfernseher, greift in die Chips-Tüte. Brösel verheddern sich im Bart. "Perfekt, du schaust richtig asi aus", sagt Rapper BZK. Wegen ihm sind sechs seiner Kumpels in die düsteren Räume des Fluchthauses gekommen. Als Schauspieler. Gerade wird die Eingangsszene für das Video zu seinem Lied "Zu gut" gedreht.

Mit dem selbst geschriebenen Song rechnet der 26-jährige Weidener mit dem Reality-TV im deutschen Fernsehen ab. Gerappte Kritik an RTL, RTL II oder Prosieben. "Im Fernsehen wird so viel Schwachsinn gezeigt, obwohl es auf der Welt so viele Probleme gibt", sagt der Sänger. Gleich die erste Strophe lautet: "Ich will, dass das Dschungelcamp abbrennt." Im Refrain legt er nach: "Der Zoll des TVs ist bald größer als im Kopf der IQ." Die Zuschauer verblöden, so seine Botschaft.


Bestes Beispiel: Der junge Mann im Schlabberlook mit Chips-Brösel im Bart. Nach knapp 15 Minuten ist die Eröffnungsszene im Kasten. Rund fünf Stunden dauert der komplette Dreh, zwei Abende gehen drauf. Am Ende des Videos klingelt's beim Schlabberhosen-Träger an der Tür. Er öffnet, ein Mann mit Maske und Baseballschläger steht dahinter - und schlägt zu. Der Fernsehjunkie bekommt wortwörtlich die Rechnung vor den Latz geknallt. Dazwischen jagt der Maskenmann TV-Akteure durchs Fluchthaus: Den "Bachelor", Daniela Katzenberger, Dschungelcamp-Moderator Daniel Hartwich und Proll-Millionär Robert Geiss. Der Jäger reißt ihnen das Gesicht vom Kopf. Dahinter verbirgt sich Leere, computeranimiert.




BZK rappt seit zehn Jahren. "Aber nie regelmäßig. Immer wenn's mich bockt." Der Weidener ist Sozialarbeiter beim "Magischen Projekt". Jetzt will er musikalisch durchstarten: "Ich habe gerade ein Album gemacht, acht Songs." Unterstützt werde der Rapper von einer kleinen Künstlerförderung in Österreich. Und von seinem Kumpel Can Demirci. Der 21-jährige Altenstädter ist Regisseur und Produzent von Musikvideos und Werbeclips. "Ich mache alles: Filmen, Schneiden, Drehbücher schreiben."

Rund 180 000 Klicks

Seit 2012 mache er das. Seitdem hat er mit seiner Firma Creative Art Productions jede Menge Filme gedreht. "Ich habe schon mit vielen großen deutschen Rappern zusammengearbeitet." Demirci zählt auf: "Kollegah, MoTrip, Alpa Gun, Kay One." Für Hayat hat er dieses Jahr das Video zu "Blender" gemacht. Knapp 180 000 Aufrufe auf Youtube. Auch in der Werbebranche hat der Altenstädter Fuß gefasst. "Ich mache Imagefilme für alles Mögliche: vom Friseursalon über die Disco bis zum Möbelhaus." Selbst die großen Firmen sind aufmerksam geworden: "Bald kommt meine Werbung vom neuen Mercedes-Benz S-Klasse Coupé raus." Zurück zum Clip im Fluchthaus: Demirci verspricht seinem Freund BZK: "Das wird ein Super-Video, eine gute Werbung. Ich werde das anschieben." Ende April soll das Musikvideo online veröffentlicht werden.

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Weitere Informationen:

www.fluchthaus.de www.facebook.de/creativeproductions www.facebook.de/bzkmusik

Drehort FluchthausBZK ist nicht der erste Musiker, der im Fluchthaus ein Video dreht. Die Death-Metal-Band "Deadlock" hat das im letzten Jahr auch schon gemacht. "Die Räume passen einfach", sagt Betreiber Mustafa Uslu. Seit Februar 2016 bieten er und Ufuk Solak ein "Live Escape Game" im Keller der alten Post an. Die Spieler haben 60 Minuten Zeit, das Geheimnis des "verschollenen Hausmeisters" herauszufinden und sich durch mehrere Räume zu rätseln. Leicht ist das nicht: "Der Rekord beim ersten Versuch liegt bei 50 Minuten", berichtet Uslu. (jut)


Im Fernsehen wird so viel Schwachsinn gezeigt, obwohl es auf der Welt so viele Probleme gibt.Rapper BZK
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