11.10.2017 - 20:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Acht und fünfeinhalb Jahre für Drogenschmuggel Schlecht beraten durch Anwälte

Bruder und Schwester auf der Anklagebank: Beide wegen Drogenhandel, beide vorbestraft. Hätten sich die beiden Angeklagten zu einem Geständnis durchgerungen, wären sie sicher mit einer erheblich geringeren Freiheitsstrafe davon gekommen.

von Autor RNSProfil

Trotzdem schwiegen beide Angeklagte - auf Anraten ihrer Verteidiger. Deren Strategie ging jedoch nicht auf. Der 30-jährige Bamberger erhielt für die Einfuhr von Drogen in Verbindung mit Treiben von Handel acht Jahre, seine Schwester für Beihilfe dazu fünfeinhalb.

Das Pärchen wurde Anfang April bei Waldsassen von Polizisten kontrolliert. Die Geschwister waren zu Fuß unterwegs, kamen offenbar aus der Tschechei. Die Beamten fanden in der Jackentasche des 30-Jährigen ein Kondom. Darin: 167 Gramm Methamphetamin. Im Rucksack der 28-Jährigen fanden sich, passend dazu, Verpackungen, Gummihandschuhe und weitere Kondome.

Die Einlassung von Rechtsanwalt Jochen Kaller (Bamberg) dazu grenzte "ans Absurde", so Landgerichtspräsident Walter Leupold später im Urteil. Kaller hatte in seinem Plädoyer gesagt, er sehe keinen Beweis, dass sein Mandant das Rauschgift aus der Tschechei nach Deutschland gebracht hatte.

"Irgendwo in Deutschland"

Der Ledige hätte es ja auch "irgendwo in Deutschland" übernommen haben können. Also keine "Einfuhr von Betäubungsmitteln", sondern nur "Besitz" und "Handeltreiben". Dieses hatte der Elektriker bei seiner Untersuchung durch Dr. Thomas Wenske, dem stellvertretenden Leiter der forensischen Abteilung der Universität Erlangen, zugegeben. Kaller plädierte auf viereinhalb Jahre.

Rechtsanwalt Joachim Voigt (ebenfalls aus Erlangen) sah ebenfalls "keinerlei Beweise" für die Mittäterschaft seiner Mandantin. Der Rucksack könne der Altenpflegerin kurz vor der Kontrolle übergeben worden sein. Sie sei nicht süchtig.

In ihrer Wohnung habe man bei der Durchsuchung nichts Verdächtiges gefunden. Und aus der Tatsache, dass sie, wie ihr Bruder, mehrfach einschlägig vorbestraft ist und zusammen mit ihm vor wenigen Jahren eine fast identische Tat begangen hat, dürfe nicht gefolgert werden, dass sie es wieder getan habe. Voigt forderte Freispruch.

Streckmittel und Feinwaage

Staatsanwaltschafts-Gruppenleiter Hans-Jürgen Schnappauf dagegen sah die Anklage als "voll bestätigt" an. Er wies auf die große Menge hin, auf die zahlreichen Vorstrafen beider Angeklagter, darauf, dass beim Mann zu Hause Streckmittel und Feinwaagen gefunden worden waren und plädierte auf die, durch Leupold und Richter Marco Heß schließlich geurteilten Strafen.

Leupold merkte an, dass jeder Angeklagte das Recht habe, zu schweigen. Ein fehlendes Geständnis dürfe ihm nicht nachteilig angekreidet werden. Eine durch ein Geständnis gezeigte Reue und Schuldeinsicht könne ihm aber so auch nicht zugute gehalten werden. Zusätzlich ordneten die Richter bei dem männlichen Verurteilten nach zweieinviertel Jahren die Unterbringung zur Drogentherapie an.

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