26.02.2018 - 20:14 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Achtsamkeitstraining: eine Art der Meditation Der Atem als Anker

Morgens am Frühstückstisch: Radio an, Essen, Zeitunglesen. Alles passiert gleichzeitig. Die Gedanken wirbeln durcheinander. Was muss ich heute noch einkaufen? Wen anrufen? "Stopp", sagt Sonja Dobmeier. Sie hilft beim Runterkommen.

Zur Ruhe kommen, entspannen. Das ist es, was Erich Wegmann in der Achtsamkeitsgruppe unter Leitung von Sonja Dobmeier (hinten, rechts) sucht und findet. Genauso wie die übrigen Teilnehmer. Bild: Schönberger
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Zunächst mal lädt sie ein zur Fantasiereise: "Stellen Sie die Beine auf den Boden." - "Legen Sie Ihre Hände auf die Oberschenkel."- "Schließen Sie die Augen." Mit ruhiger, angenehmer Stimme bringt Sonja Dobmeier die Teilnehmer der Achtsamkeitsgruppe zur Ruhe. Konzentriert schließen die vier Frauen und zwei Männer ihre Augen. Konzentriert lauschen sie den weiteren Kommandos - lassen sich von der Sozialpädagogin aus der Hektik des Alltags in die Stille der Entspannung hinüberleiten. "Versuchen Sie die Ruhe zu entdecken, zu genießen, zu spüren."

Bewusstes Atmen ist heute an der Reihe. Denn während Stress und Aufregung meist mit schnellerem Atmen verbunden sind, kann bewusstes Atmen die Anspannung lösen. "Es bringt Sauerstoff und Energie in den Körper und ist in vielen Alltagssituationen anwendbar", doziert die Leiterin der Caritas-Beratungsstelle für seelische Gesundheit. Mit der rechten Hand auf dem Bauch, der linken auf der Brust, sollen die Teilnehmer ihrem Atem nachspüren, durch die Nase bewusst ein- und ausatmen, ihren Empfindungen dabei nachspüren. Längst ist es vollkommen still im Raum. Nur das Ticken der Wanduhr und die Stimme der Sozialpädagogin sind zu hören. Der Körper kommt zur Ruhe. Die Schultern lockern sich. Die Anspannung fällt ab. Genau das ist es, was Erich Wegmann hier sucht und was ihm gut tut. Sein Job als CNC-Fräser ist stressig. So stressig, dass er ihn aktuell wegen einer psychischen Erkrankung nicht ausüben kann. Die Arbeit ist laut, er muss schnell sein und auf Hundertstel Millimeter exakt arbeiten. "Da hilft es, hier runterzukommen und zu entspannen." Für ihn ist es wichtig, innere Einkehr zu halten, zu Ruhe und Gelassenheit zu finden.

Entspannung, das ist es auch, was Gertraud L. sucht. Aber nicht nur das. Die 71-Jährige hat einen Trauerfall zu verkraften. Sie will ihre traurigen Gedanken in den Griff kriegen, erzählt sie, so dass sie die Gedanken womöglich manchmal ganz beiseite schieben kann. Auch dabei kann das Achtsamkeitstraining helfen.

"Achtsamkeit ist eine Art der Meditation. Aber nicht nur eine Technik, sondern auch eine Lebenshaltung", erklärt Dobmeier. Der moderne Mensch wird ständig von Gedanken überflutet. Doch es ist lernbar, die Gedanken auf ein Meditationsobjekt zu richten, zum Beispiel auf den Atem. "Das hilft, wenn jemand mit dem Leben nicht zufrieden ist und leidet. Meditation kann aber auch als Prophylaxe dienen, damit erst gar keine Krankheit entsteht." In der westlichen Welt sei es leider so, dass viele erst zu dieser Technik finden, wenn sie bereits Probleme haben, weiß die Sozialpädagogin.

Anneliese S. beispielsweise war nach einem Jahr Erkrankung an der Gürtelrose ziemlich am Boden. Manche Menschen haben sie gemieden aus Angst vor Ansteckung. Und es gab noch andere unschöne Vorurteile. "Entspannung ist wichtig, ebenso wie auf andere Gedanken zu kommen", begründet sie die Teilnahme am Achtsamkeitstraining. Außerdem will sie ihr Selbstwertgefühl stärken. "Ich bin schon auf dem Weg der Besserung."

Nach einer kurzen Gesprächspause beginnt die zweite Entspannungsübung. Erneut steht der Atem im Mittelpunkt. "Spüren Sie wie sich die Bauchdecke beim Ein- und Ausatmen hebt und senkt", ertönt die sanfte Stimme von Sonja Dobmeier. "Wenn Ihre Gedanken abschweifen, ist das kein Fehler. Es ist normal. Aber es ist gut, wenn Sie es feststellen. Dann können Sie Ihre Gedanken erneut auf die Atmung richten. Verwenden Sie den Atem als Anker."

Achtsamkeitstraining

Sonja Dobmeier, Leiterin der Caritas-Beratungsstelle für seelische Gesundheit, bietet inzwischen zum dritten Mal eine Achtsamkeitsgruppe an. Der Wunsch kam von einigen Teilnehmern der Entspannungsgruppe, die jeweils im Oktober endet. Von Januar bis Juli organisiert die Sozialpädagogin deshalb als Ersatz einmal pro Monat die Achtsamkeitgruppe. Als Leitfaden nutzt sie dabei unter anderem das Buch "Achtsamkeit: Entscheidung für einen neuen Weg" von Alois Burkhard. Entspannungsübungen und Übungen zur Körperwahrnehmung stehen hier im Vordergrund. Die Gruppe steht jedem Interessierten offen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Nähere Informationen gibt es unter Telefon 0961/389050. (ps)

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