28.02.2018 - 11:04 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Ärztlicher Direktor zur Forderung, in den Kliniken Betten abzubauen Eine Frechheit

Zu viele Krankenhausbetten in Deutschland. Dieser Meinung ist der scheidende AOK-Chef in Bayern, Helmut Platzer. Gäbe es nur so viele, wie für die Versorgung der Bevölkerung nötig sind, gebe es seiner Meinung nach auch keinen Mangel an Pflegekräften. NT-Mitarbeiter Volker Klitzing hat beim Ärztlichen Direktor der Kliniken Nordoberpfalz AG, Dr. Thomas Egginger, nachgefragt, wie er die Lage sieht.

"Wir wissen gar nicht, wo wir die Patienten hinlegen sollen." Zitat: Thomas Egginger, Ärztlicher Direktor der Kliniken Nordoberpfalz
von Volker Klitzing Kontakt Profil

Sie kennen die Forderung nach weniger Betten?

Thomas Egginger : Ja. Und angesichts der aktuellen Influenza-Epidemie sind diese Aussagen beim Personal und den Patienten wie Hohn und Spott angekommen. Eine Frechheit angesichts dessen, was wir derzeit erleben. Wir wissen gar nicht, wo wir die Patienten hinlegen sollen. Wir bräuchten eher mehr Betten.

Nun ist diese Epidemie aber nicht der Normalfall.

Im ersten Quartal ist der Ansturm immer groß. Aber auch insgesamt geht die Auslastung von Jahr zu Jahr nach oben. Wir haben ja schon Betten abgebaut, gleichzeitig gibt es mehr Fälle. Die Lage spitzt sich zu. Dabei haben wir noch gar keine echte Epidemie. Das wären dann doppelt oder dreifach so viele Fälle, und wir müssten mit Patienten in Turnhallen ausweichen.

In der Diskussion wird immer wieder Schweden genannt, wo es nur ein Drittel so viele Krankenhausbetten gibt, und die Zahl der Arztbesuche bei 3 bis 4 im Jahr liegt, statt bei uns 18.

Ich persönlich habe mich mal in Dänemark umgeschaut. Das Gesundheitssystem ist dort staatlich und überhaupt ganz anders aufgebaut. Dort gibt es zum Beispiel elektronische Patientenakten, was bei uns schon aus Datenschutzgründen schwierig ist. Die Patienten werden auch zügiger entlassen, weil sie vom behandelnden Arzt zu Hause weiter versorgt werden. Das ganze Gesundheitssystem ist völlig anders aufgebaut. Dort geht wegen eines Schnupfens niemand zum Arzt. Außerdem schrecken extrem lange Wartezeiten ab und Praxisgebühren, die bis zu 100 Euro im Jahr kosten.

Zurück zur Lage vor Ort. Waren Sie auch schon betroffen?

Nein, ich bin geimpft. Wir bieten hier den Vierfach-Impfschutz an.

Ist das Schlimmste überstanden?

Nein, es gibt kein Abebben der Welle. Täglich haben wir 15 neue Influenza-Fälle. Wir überlegen, eine weitere Isolierstation zu öffnen. Angehörige bitten wir, derzeit auf Besuche zu verzichten. Wir sind noch nicht überm Berg.

Wir wissen gar nicht, wo wir die Patienten hinlegen sollen.Thomas Egginger, Ärztlicher Direktor der Kliniken Nordoberpfalz

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