02.05.2016 - 20:16 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Äthiopier gewinnt DJK-Straßenlauf in Weiden und geht am Mittwoch beim Nofi an den Start Wunderläufer "Wondy"

Er hat den Amberger Halbmarathon gewonnen und am Sonntag gleich noch den DJK-Straßenlauf in Weiden. Am Mittwoch geht Wondemagen Seed Egasso - genannt "Wondy" - beim Nofi an den Start. Weidens Pflaster kennt er gut: Der Äthiopier (20) war im Winter in der Mehrzweckhalle untergebracht.

Seinen Namen muss man sich merken. Wenn es denn so einfach wäre: Wonde Seed Egasso heißt der Äthiopier, der am Sonntag mit über 19 km/h den DJK-Straßenlauf gewann. Wonde ist die Kurzform von Wondemogen oder Wondimogn. Die Schreibweise variiert: Den Orginialnamen gibt es nur in äthiopischen Schriftzeichen. Bild: Büttner
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Die Chefin der Kleiderkammer, Jutta Eger vom "Netzwerk Asyl", erinnert sich noch gut an den stillen Afrikaner und seine Freunde. Die kleine Gruppe belegte die Feldbetten gleich vorne am Halleneingang. "Die Jungs waren sehr schüchtern und stellten sich bei der Kleiderausgabe immer hinten an", fiel Jutta Eger auf. Als sie dann an der Reihe waren, war für sie nichts mehr da. "Irgendwann haben wir sie mal an der Hand genommen und gesagt: Heute seid ihr als erste dran."

Im Geräteraum, der damals als Kleiderkammer diente, habe "Wondy" dann seinen ganzen Mut zusammengenommen und nach Laufschuhen und einer Trainingshose gefragt. Bei der sportlichen Jutta Eger geriet er an die richtige Adresse. Sie packte mit ihrem Mann Gerhard Biebl, Radrennfahrer, und dem befreundeten Marathonläufer Dr. Martin Hofmann (Bestzeit 2:54) eine Tüte mit Laufklamotten. Hofmann holte den jungen Mann im November und Dezember regelmäßig an der Mehrzweckhalle zum DJK-Lauftraining ab. Dann wurde der seit Januar 20-Jährige von heute auf morgen in die Teil-Gemeinschaftsunterkunft nach Vilseck verlegt. Über seine Anerkennung ist noch nicht entschieden. Wonde (Vorname) Seed (Name des Vaters) Egasso (Name des Großvaters) gehört zur verfolgten Volksgruppe der Oromo in Äthiopien.

Der Kontakt nach Weiden riss nie ganz ab. Wonde Seed Egasso, der zwei Mal täglich trainiert, kommt öfter mit dem Zug nach Weiden und zieht seine Bahnen auf der Realschulbahn. Vor kurzem absolvierte er mit Hofmann und anderen DJK-Läufern das sonntägliche Berglauftraining. Mit Angelo Spörl, dem Vorjahressieger beim Freundschaftsmarathon, sprintete er jede Anhöhe hoch. "Das war richtig schön, den beiden zuzusehen", sagt Hofmann, der den 20-Jährigen als absolute Bereicherung des DJK-Laufteams sieht.

Sieger mit Umzugspause

Am Sonntag startete der Äthiopier erstmals offiziell im roten DJK-Trikot. Ohne Antrittsgeld. "Das macht der ganz freiwillig", betont Hofmann, der aber damit rechnet, dass "Wondy" irgendwann abgeworben wird. In Amberg hatte der Äthiopier mit 1:08 Stunden einen neuen Streckenrekord über die Halbmarathondistanz aufgestellt. Und das, obwohl er sich mitten im Rennen umzog: Als ihm zu warm wurde, zog der Afrikaner das T-Shirt aus und lief im ärmellosen Trikot weiter. Dazu musste er aber erst die Startnummer neu mit Sicherheitsnadeln befestigen.

Beim DJK-Straßenlauf nahm er der wirklich starken Konkurrenz über zwei Minuten ab: Wonde Seed Egasso lief die zehn Kilometer in 31:32 Minuten. Hinter ihm kamen die Top-Läufer Andreas Hecht in 33:55 und Michael Lang in 34:56 ins Ziel. "Von einer anderen Welt", kommentierte Hecht. Der Seriensieger der DJK freute sich ausdrücklich über den Neuzugang. Auch für den Regensburger Halbmarathon am Sonntag, 8. Mai, ist "Wondy" gemeldet. Beim Nofi-Lauf am Mittwoch geht er für die 25-köpfige Mannschaft des "Netzwerk Asyl" an den Start. Diakonie-Koordinator Manfred Weiß hofft, dass der Läufer auch rechtzeitig am Start steht. Wonde Seed Egasso kommt mit dem Zug. Favorit beim Nordoberpfälzer Firmenlauf ist der Vorjahressieger, Vor-Vorjahressieger und Vor-Vor-Vorjahressieger Max Zeus, der die flache 5,9-Kilometer-Runde in Weiden 2013 in 18:59 Minuten lief. Er muss sich heuer sputen. (Hintergrund)Lauf für alle

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