13.04.2018 - 17:56 Uhr
Oberpfalz

Alljährlich fordert der Start in die Motorradsaison Todesopfer Reifen checken und üben, üben, üben

Mit den Sonnenstrahlen schwärmen die Motorradfahrer aus. Und genauso sicher kommt es zu Unfällen. Mit teilweise katastrophalen Folgen. Wie beispielsweise Anfang April im Landkreis Tirschenreuth: Ein Golf-Fahrer übersieht ein Leichtkraftrad. Es kommt zum Crash. Der 17-jährige Zweiradfahrer stirbt.

von Jutta Porsche Kontakt Profil

Jedes Jahr im Frühling gibt es derart tragische Ereignisse. "Junger Mann verstirbt an Unfallstelle" titelte Oberpfalz-Medien am 3. April nach dem folgenschweren Zusammenstoß. Zweiradfahrer ziehen im Straßenverkehr letztlich immer den Kürzeren, wenn es zur Kollision mit einem Personenwagen kommt. Ihnen fehlt einfach die schützende Karosserie. Lässt sich die Sicherheit für Motorradfans vielleicht anderweitig erhöhen? "Der neue Tag" sprach darüber mit dem Weidener Georg Arnold vom internationalen Polizeimotorradclub "Blue Knights Germany VII".

Was raten Sie Motorradfahrern, um Unfälle möglichst zu vermeiden?

Georg Arnold: Das Wichtigste vor dem Start in die Saison ist ein Sicherheitscheck. Funktionieren Bremsen, Beleuchtung, Blinker? Die meisten kontrollieren das selbst. Wer das nicht kann, sollte eine Werkstatt aufsuchen. Das Allerwichtigste aber sind die Reifen.

Die Reifen. Warum?

Sie sind das Schuhwerk des Motorrads. Wenn sie keinen Grip mehr haben - das heißt, nicht mehr gut auf der Fahrbahn haften -, ist schnell was passiert. Ich hab selbst schon mal festgestellt, dass Risse in einem Reifen waren, obwohl ich ihn erst eine Saison gefahren hatte. Dann heißt es, Reifen wechseln. Manche Motorradfans fahren 10 bis 15 Jahre mit denselben Reifen, weil sie pro Jahr nicht mehr als 500 bis 1000 Kilometer unterwegs sind. Aber so lange sollte man die Pneus auf keinen Fall verwenden.

Wenn das Profil doch noch gut ist.

Das Alter der Reifen spielt eine ganz große Rolle. Mit der Zeit wird das Material hart und verliert den Grip. Da rutscht die Maschine schnell von der Fahrbahn. Ich selbst fahre rund 10 000 Kilometer im Jahr und wechsele meine Reifen jedes zweite Jahr.

Wozu raten Sie noch?

Jeder Motorradfahrer sollte ein Sicherheitstraining absolvieren. Am besten mehrmals. Wir - die "Blue Knights" - organisieren das jedes Jahr im Auftrag des Bayerischen Innenministeriums und der Polizeipräsidien Niederbayern und Oberpfalz für unsere Kollegen. Es findet immer im Vorfeld der Motorrad-Sternfahrt nach Kulmbach statt. Diesmal wird es am morgigen Sonntag in Straubing abgehalten. Wir erwarten rund 40 Teilnehmer.

Dieses Training ist aber nur für Polizeibeamte. Wie sieht das Angebot für zivile Zweiradfans aus?

Auf der Homepage zur Sternfahrt nach Kulmbach werden unter dem Punkt "Warm Up" Fahrsicherheitskurse in verschiedenen Regierungsbezirken aufgelistet. Außerdem bietet der ADAC derartige Kurse an. Besonders wichtig ist es, das richtige Bremsen zu üben. Das bedeutet, beide Bremsen gleichmäßig und dosiert zu betätigen, damit kein Rad blockiert. Denn ältere Modelle haben noch kein ABS.

Motorradfahrer sind nun mal die schwächeren Verkehrsteilnehmer. Wie sollten sie sich deshalb im Straßenverkehr verhalten?

Sie sollten immer vorausschauend fahren und sich auf mögliche Gefahren einstellen. Eine kalte Fahrbahn mit schlechter Haftung, Laub oder Sand auf der Fahrbahn: Damit muss man rechnen.

Das heißt, Sie drücken nicht zu sehr aufs Gas?

Wir "Blue Knights" fahren immer mit blauer Weste, das heißt, wir sind als Polizisten erkennbar. Klar, dass wir die Geschwindigkeitsregeln einhalten. Aber auch, wenn wir heuer im Mai nach Genua fahren, dann mit der Fähre nach Palermo und über die Amalfiküste wieder zurück, werden wir in Italien die 90 Stundenkilometer vermutlich nicht überschreiten.

Das klingt gemütlich.

Wir wollen ja auch was sehen auf dieser Fahrt. Wir sind nur auf Landstraßen unterwegs - insgesamt rund 3000 Kilometer. Wenn wir in der Gruppe unterwegs sind, können wir sowieso nicht schnell fahren. Jeder hat da seinen festen Platz, den er einhält. Da wird nicht überholt.

Ein letzter Rat für Gleichgesinnte?

An vielen Unfällen ist der Autofahrer schuld, weil er den Motorradfahrer schlichtweg übersehen hat. Deshalb gilt: Der Motorradfahrer muss für zwei denken - für sich und für den Autofahrer. Und er muss immer damit rechnen, dass die Vorfahrt missachtet wird. Wer das beherzigt, kommt gut über die Runden.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.