03.04.2018 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Als die Schweinenaab ein "e" verlor "Sauerei" fließt in Waldnaab

Heißt es nun Schweinenaab oder Schweinnaab? An dem scheinbar harmlosen Buchstaben "e" scheiden sich die Geister. Jedenfalls in der Redaktion - und offenbar nicht nur dort.

Auf historischen Karten mit Ortsansichten von Weiden findet sich die "Schweinnaab" ohne "e". Hier eine Ansicht aus dem Jahr 1838. Bild: Datenquelle Bayerische Vermessungsverwaltung - www.geodaten.bayern.de
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

"Du zerstörst meine ganze Illusion", klagte ein Kollege. Jahrzehntelang habe er geglaubt, dass sich vom Westen her die Schweinenaab durch Weiden schlängelt. Geschrieben mit besagtem "e". So wie dem Kollegen geht es vermutlich vielen Ortsansässigen, die im allgemeinen Sprachgebrauch von der Schweinenaab sprechen. Korrekt sein soll allerdings Schweinnaab.

Davon ist unter anderem Stadtförster Wolfgang Winter überzeugt, der in der Vergangenheit bereits mehrmals über die "falsche Bezeichnung" stolperte und uns jüngst auf den vermeintlichen Faux-Pas hinwies. "Immer wieder ist in Veröffentlichungen Schweinenaab zu lesen. Es hat aber nichts mit Schweinen zu tun", sagt er bestimmt.

"Das ist kompliziert"

Wirklich nicht? Stadtarchivarin Petra Vorsatz weiß es doch bestimmt. Wir fragen nach. "Oh, das ist kompliziert", lässt sie die Hoffnung auf ein schnelles eindeutiges Urteil schwinden. "Meine kompetente Stelle ist in diesem Fall das Wasserwirtschaftsamt, das mich auch schon einmal ermahnt hat, den richtigen Namen zu verwenden. Und das ist nach Meinung des Amtes Schweinnaab."

Vorsatz weiß jedoch von kulturgeschichtlichen Schriften, die dem widersprechen. So schreibt zum Beispiel German Weiß in seiner Veröffentlichung "Flurnamen des Kreises Weiden" von 1965 (herausgegeben vom Heimatkundlichen Arbeitskreis im Oberpfälzer Waldverein) von der Schweinenaab, deren Name sich auf eine "Sauerei" bezieht. Dort heißt es unter anderem: "Der Bachname leitet sich von den häufigen Wildschweinen her, die in den durchflossenen Waldgebieten zu finden waren." Allerdings weißt Weiß auch darauf hin, dass "die Karten in der Benennung Unsicherheit zeigen".

Von "Unsicherheiten" ist in vielen historischen Ansichten, auf die wir bei unseren Nachforschungen stoßen, nichts zu lesen. In den meisten Karten ist deutlich "Schweinnaab" verzeichnet. So zum Beispiel auch in einer Ortsansicht von Weiden aus dem Jahr 1838, die in den Archiven des Landesamts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung in München schlummert. Daran ist nichts zu rütteln.

"Swinaha"

Auch der Gelsenkirchner Sprachwissenschaftler Hans Krahe (1898-1965) brachte die etymologische Bedeutung des Gewässernamens mit Schweinen in Verbindung und erwähnt in seinen Forschungsarbeiten als "einen der größten Zuflüsse der Waldnaab die Schweinnab, vermutlich abgeleitet von 'Swinaha'".

Als Schweinnaab taucht der Quellfluss auch in den Aufzeichnungen der "Bavarica. Geschichte der Stadt Weiden, 1849" von Dr. Wilhelm Brenner-Schäffer aus Weiden auf. Der praktische Arzt war Mitglied im Historischen Verein. In seinen Ausführungen "dringt von Nordwest aus dem Preßaterwald die Schweinnaab ... durch die Sümpfe, Teich und Moos nach der weiten Naab-Ebene".

Und was sagt nun das Wasserwirtschaftsamt Weiden? "Es stimmt, es heißt Schweinnaab. So ist es in den offiziellen Gewässerkarten verzeichnet", bestätigt Alois Fischer auf Nachfrage. "Zu der historischen Bedeutung des Gewässernamens weiß ich aber leider nichts."

Vielleicht wissen Sie, liebe Leserinnen und Leser, worauf sich der Name Schweinnaab historisch bezieht. Melden Sie sich gerne in der Redaktion unter stephanie.hladik[at]oberpfalzmedien[dot]de

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.