Am Dienstag, 17. Januar, beginnt der Prozess gegen einen Neustädter (32), der seinen Vater mit ...
Eine Familie am Abgrund

Sonntag, 17. April 2016, in Neustadt/WN: Die Spurensicherung parkt vor einem Wohnhaus am Mühlbergweg, nachdem dort ein 32-jähriger Neustädter seinen Vater mit einem Holzstock schwerst verletzt haben soll. Bild: bgm

Am Dienstag, 17. Januar, beginnt vor dem Schwurgericht am Landgericht Weiden der Prozess gegen einen 32-jährigen Neustädter. Der Vorwurf: versuchter Totschlag am eigenen Vater. Das Verfahren bringt die Geschichte einer Familie zutage, von der kaum noch jemand lebt.

Der Vater, ein inzwischen 72-jähriger Österreicher, lebt heute als Pflegefall in einer Tiroler Einrichtung. Die schwer kranke Mutter starb 2016 wenige Woche nach der Tat. Der Bruder des Angeklagten soll sich nach Zeugenaussagen vor Jahren selbst getötet haben. Bleibt: der 32-jährige Angeklagte, berufslos, kinderlos, drogenabhängig und der Polizei bekannt.

Vater aus Österreich

Die Tat ereignete sich am Sonntagmorgen, 17. April. Der Vater, österreichischer Staatsangehöriger, lebte eigentlich in Österreich und hielt sich nur sporadisch zu Besuch bei seiner Ehefrau in Neustadt/WN auf. An diesem Wochenende lag die Frau im Krankenhaus. Vater und Sohn waren allein in der Wohnung in einem älteren Zweifamilienhaus am Mühlbergweg. Gegen 9 Uhr soll laut Staatsanwaltschaft ein Streit eskaliert sein. Der Vater war auf dem Weg in den Keller, als ihn der Knüppel traf. Es handelte sich um den Stiel einer massiven Holzhacker-Axt: ein halbes Kilo schwer und 72 Zentimeter lang.

Laut Anklage schlug ihm der Sohn mindestens vier Mal kräftig auf den Kopf. Der Geschädigte blieb stark blutend und bewusstlos liegen. Der Schädel brach an mehreren Stellen. Der 72-Jährige erlitt unter anderem ein offenes Schädelhirntrauma und ein hirnorganisches Psychosyndrom. Laut Staatsanwaltschaft sind massive Dauerschäden geblieben. Er ist halbseitig gelähmt, pflege- und betreuungsbedürftig. Der Mann lebt wieder in seiner Heimat Tirol.

Dass er überhaupt noch lebt, hat er nach Ansicht des Staatsanwalts den Nachbarn aus der anderen Wohnung im Zweifamilienhaus zu verdanken. Als die beiden - Mutter und Sohn - Schreie im Untergeschoss hörten, fanden sie den 32-Jährigen mit seinem verletzten Vater an der Kellertreppe vor. Sie riefen Polizei und Rettungskräfte und leisteten Erste Hilfe.

Vier Verhandlungstage

Die beiden gehören zu den 16 Zeugen, die ab Dienstag an insgesamt vier Verhandlungstagen (17., 19., 23. und 24. Januar, jeweils 9 Uhr) gehört werden. Weiterhin geladen sind etliche Polizisten und Ärzte. Zudem werden sieben Sachverständige erwartet, darunter Psychiater und Rechtsmediziner. Sie werden auch Aussagen zum Drogenkonsum des 32-Jährigen machen. Der Strafrahmen für Totschlag liegt bei 5 bis 15 Jahren, beim Versuch ist eine Milderung möglich. Sollte der Neustädter aufgrund einer möglichen Drogenabhängigkeit therapiert werden müssen, könnte sich diese Therapie an die Haftstrafe anschließen, die dann vorab teilweise abgesessen würde.

Die Anklage vertritt Oberstaatsanwalt Rainer Lehner. Der Schwurgerichtskammer sitzt Landgerichtspräsident Walter Leupold vor. Verteidigt wird der 32-Jährige von Tobias Konze und Helmut von Kietzell.
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