20.02.2018 - 11:32 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Angebot der Regionalbibliothek Weiden Wenn die Vorleserin kommt

Brechend voll ist der von Regalen umgrenzte Raum in der Weidner Regionalbibliothek zur „Vorlesestunde“, einem wöchentlichen kostenlosen Angebot. Die jüngsten Gäste können noch kaum laufen, die ältesten sind bald mit der Grundschule fertig.

Rosemarie Färber liest einmal im Monat Kindern in der Weidner Regionalbibliothek Geschichten vor.
von Gabriele Weiß Kontakt Profil

Die einen kommen mit der Mama oder dem Papa, die anderen mit ihren Betreuerinnen aus dem Hort. Manche haben ausländische Wurzeln. Aber alle eint die Freude an guten Geschichten. Wenn Rosemarie Färber ihnen von den Erlebnissen des Frosches und seiner Freunde im kalten Winter vorträgt, hören die Buben und Mädchen aufmerksam zu. „Ich habe mein Leben lang mit Kindern gearbeitet“, sagt die 79-jährige Weidnerin. Daran wolle sie nun wieder anknüpfen.

Die Seniorin weiß, wie sie die Buben und Mädchen eine gute Dreiviertelstunde bei der Stange halten kann. Sie wird beim Lesen lauter und leiser, senkt und hebt die Stimme, und vor allem bezieht sie die Kinder aktiv mit ein: „Habt ihr denn auch Freunde?“, fragt sie in die Runde. Färber zeigt den Zuhörern die Bilder im Buch und lässt es im Kreis herumgehen, so dass wirklich jeder etwas sehen kann.

Diplombibliothekarin Ruth Neumann freut sich über den Erfolg der Vorlesestunden, zu denen im vergangenen Jahr insgesamt 721 Kinder in die Bücherei gekommen sind. Sechs aktive „Vorlesepaten“ gibt es derzeit. Obwohl der Großteil der Zuhörer zwischen drei und sechs Jahren ist, könne man mit dem Vorlesen gar nicht früh genug anfangen, sagt Neumann. „Wir haben hier viele Bücher, die man schon ab einem halben Jahr mit dem Kind anschauen kann.“
Die Bibliothekarin unterstützt die aktuelle Forderung der „Stiftung Lesen“, nach der Eltern bereits ihren Babys vorlesen sollten. „Das ist dann natürlich nicht das, was man klassisch unter Vorlesen versteht“, schränkt sie ein. Geeignete Bücher seien aus dicker Pappe oder Stoff, so dass die Kinder sie auch durch bloßes Greifen erleben können. „Es geht auch darum, Farben zu erkennen und die Kinder mit Bildern zu konfrontieren“, erklärt Neumann.

Um einen frühen Vorlesestart zu fördern, erhalten Mütter inzwischen bereits von ihrer Hebamme das erste Gratis-Buchpaket. In Büchereien gibt es weitere kostenlose „Lesestart“-Sets. Ruth Neumann glaubt, dass das Lesen sich durchaus verändern wird. „Aber auch für digitale Medien muss man natürlich erst mal lesen können. Unsere große Aufgabe ist es, Kindern klar zu machen, dass Lesen einfach eine Grundvoraussetzung ist.“

Die Bibliothekarin setzt auf die Vorbildfunktion der Eltern. „Nur Kinder, die daheim jemanden lesen sehen, werden es selber tun“, sagt sie. Wichtig sei, vor allem für Buben, dass „nicht nur die Mama liest, sondern auch der Papa. Frühes Vorlesen ist wichtig, auch was das Emotionale angeht. Eltern nehmen sich dadurch ja Zeit für ihre Kinder und schenken ihnen Wärme.“ (m)

BU 1: Rosemarie Färber liest einmal im Monat Kindern in der Weidner Regionalbibliothek Geschichten vor.
BU 2: Marlene, vier, aus Weiden ist mit ihrer Mama zur Vorlesestunde in der Regionalbibliothek gekommen.

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