Angeklagter bringt sich in Teufels Küche
Zu Verkaufsverhandlungen mit Auto gekommen

Symbolbild: Volker Hartmann/dpa

Jetzt zieht sich die Schlinge zu. Ein Alltagsdelikt am Amtsgericht - Fahren ohne Fahrerlaubnis - läuft am Mittwoch stark aus dem Ruder. So weit, dass der Angeklagte im Gerichtssaal festgenommen wird.

Weiden/Vohenstrauß. (rns) Die Vorgeschichte: Vor knapp drei Jahren stand der Geschäftsmann aus dem Raum München in Verhandlungen mit einer Frau aus dem Landkreis wegen einer Immobilie in Roggenstein. Involviert war auch die Stadt Vohenstrauß, die im Zuge der Stadtentwicklung für Mittel aus dem Städtebauförderungsprogramm sorgen sollte. Der Kaufinteressent stellte sich als Geschäftsführer eines Unternehmens namens "Mustang 302" vor. Er erzählte von großen Plänen und fuhr zu den Treffen ins Vohenstraußer Rathaus und zum denkmalgeschützten Anwesen in einem Ford Mustang vor. Der Verkauf platzte, weil der Mann laut Beteiligter über keine Mittel verfügte. Ein Weidener Architekt, der mit der Vermessung beauftragt war, wartet bis heute auf sein Geld.

Auf Konfrontationskurs

In der Folge stellte der Oberbayer gegen die Immobilienverkäuferin, den Architekten und einen Wirtschaftsingenieur aus Amberg, der die Fördermittel beantragen sollte, Strafanzeigen wegen Betrugs und Täuschung. Gegen Bürgermeister Andreas Wutzlhofer beantragte er gar ein Amtsenthebungsverfahren und stellte Dienstaufsichtsbeschwerde. Während der Ermittlungen durchleuchtete die Polizei aber auch den Anzeigenerstatter. Und so kam zutage, dass dieser seit 2009 keinen Führerschein mehr hat. Der war ihm infolge einer Trunkenheitsfahrt (1,66 Promille) entzogen worden. Der Führerschein, den er damals abgegeben hatte, war ein "alter rosa Lappen" - so Richter Hubert Windisch, den der Angeklagte einst als verloren gemeldet hatte. Der 53-Jährige fuhr einfach mit einem neuen Scheckkartenführerschein, den man ihm daraufhin ausgestellt hatte. Diesen beschlagnahmte Richter Windisch.

"Ein Führerschein berechtigt nicht zum Fahren", berichtete ein Verwaltungsinspektor der Führerscheinbehörde Fürstenfeldbruck. Das Dokument ist ungültig, wenn die Fahrerlaubnis entzogen wurde. Die Einlassungen des Angeklagten, er habe telefonisch von der Behörde seine Fahrerlaubnis wieder erteilt bekommen, sei ins Reich der Märchen zu verorten. Vor Strafrichter Windisch bezeugten der Architekt, der Wirtschaftsförderer, Bürgermeister Wutzlhofer und die 71-Jährige, die mit ihrem Mann am Verkaufsobjekt gewesen war, dass der Kaufinteressent selbst am Steuer des Mustang und bei früherer Gelegenheit an dem eines Kleinwagens gesessen war.

Ab in die U-Haft

Der Angeklagte beharrte jedoch darauf, dies sei sein Sohn gewesen. Dieser hatte sich jedoch am Mittwoch als Zeuge krankheitshalber entschuldigt. Staatsanwältin Carina Särve fuhr daraufhin schweres Geschütz auf. Sie beantragte einen Haftbefehl. Da bis zur Fortsetzung der Verhandlung am 23. Oktober die Gefahr bestehe, dass der Mann seinen Sohn zur Falschaussage anstifte, soll er in U-Haft genommen werden. Während Windisch noch über den Antrag beriet, entschloss sich der Selbständige, dass er seinen Sohn doch nicht mehr in den Zeugenstand rufen lassen wolle. Dies ließ er durch seinen Verteidiger, Anwalt Thomas Bäumler, vortragen. Es half ihm jedoch nichts.

Windisch ließ ihn inhaftieren. Der Sohn und zwei weitere Zeugen werden beim Fortsetzungstermin trotzdem gehört. Die Untersuchungshaft begründete der Richter mit Verdunkelungsgefahr. Schon öfter habe der Mann gezeigt, dass er verwerfliche Taten zu verdecken versuche. So war er, als er bei der Trunkenheitsfahrt erwischt wurde, auf der Beifahrerseite ausgestiegen und hatte so versucht, seine Lebensgefährtin als Fahrerin hinzustellen. Diesmal sei er "dringend verdächtig".
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