Angemerkt
Oder doch nur ein Chef?

Der Journalismus hat ein ehernes Gesetz: Unbedingt Angliszismen vermeiden. Leichter gesagt als getan für einen Sportredakteur. Denn in der Sprache des Sports wimmelt es nur so von englischen Ausdrücken.

Goalgetter zum Beispiel ist so einer. Nun gut, der ist ganz simpel auch als Torjäger zu übersetzen. Und statt Keeper schreiben wir was? Natürlich Torwart. Selbst die Champions-League kann man dem Leser mit Müh und Not als Königsklasse näher bringen. Aber seit gestern wird's schwierig. Der Deutsche Tennis-Bund hat tief in die Vokabularkiste gegriffen und einen neuen Begriff geschaffen: Head of Men's Tennis.

Puh! Vier Wörter, kurz, prägnant, schnittig. Das schmilzt auf der Zunge, klingt richtig toll. Und irgendwie auch enorm wichtig. Vor allem dann, wenn eine Tennis-Lichtgestalt wie Boris Becker voller Ehrfurcht verkündet: "Ich bin stolz, Head of Men's Tennis zu sein."

Bei so viel Pathos muss sich sogar die Zunft der Sportredakteure geschlagen geben. Es ist in so einem Fall gar nicht daran zu denken, das Ganze aufs Eigentliche zu reduzieren. Chef im Männertennis? Oder gar nur Leiter? Das würde viel zu profan klingen. Vor allem, wenn eine Ikone wie Becker ein solches Mega-Amt inne hat. Warten wir also ab, ob das Head of Men's Tennis an der sideline einen good job macht. Und sollte es mit dem Daviscup-Sieg tatsächlich klappen: Wie heißt eigentlich die Becker-Faust auf englisch?
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