Arbeiten an der Fassade des Zentraljustizgebäudes vor dem Abschluss
Hüllen fallen bei der Justiz

Willibald Horn (links), der Geschäftsleiter des Landgerichts Weiden, mit seinem Stellvertreter Josef Robl, vor dem verhüllten Zentraljustizgebäude. In vier Wochen wird auch die Fassade in der Ledererstraße wieder frei sein. Bild: Wieder

Endlich wieder Licht und Luft im Zentraljustizgebäude. In dieser Woche fallen die "Vorhänge" in der Erhardstraße. Ende Juli werden auch die Schutzplanen und Gerüste an der Ledererstraße abgebaut. Auf- und Durchatmen: Bei geschlossenen Fenstern heizen sich im Hochsommer die nicht klimatisierten Säle schnell auf. Es ist sehr warm. Noch dazu für Richter und Rechtsanwälte in schwarzen Roben.

Das Schlimmste haben die rund 180 Mitarbeiter schon überstanden. Den höllischen Baulärm nämlich. Bis auf das Ziegelmauerwerk stemmten die Arbeiter bei der Fassadensanierung den Putz ab. Das Personal floh seit August 2016 immer wieder regelrecht vor den Lärmattacken der ratternden Presslufthämmer. Gerichtsverhandlungen mussten flexibel in andere Säle verlegt werden, die im Lärmschatten liegen. "In den Zimmern, an deren Wand gearbeitet wurde, war kein Wort zu verstehen", berichten Willibald Horn und sein Vertreter Josef Robl, die als "Hausverwalter" die Sanierung managen.

Die "Umzüge" wurden so gelegt, dass der Sitzungsbetrieb kaum gestört wurde. Die Absprachen des Geschäftsleiters mit dem Staatlichem Hochbauamt, den Baufirmen und Hausmeister Jürgen Zellner klappten immer gut. Die lärmintensivsten Arbeiten gingen in sitzungsarmen Zeiten oder an den Samstagen über die Bühne. "Auch dafür unser Dank an die Planer und die Baufirmen", betont Geschäftsleiter Horn.

Vorhang fällt Ende Juli

Willibald Horn und Josef Robl können regelrecht aufatmen: Entlang der Fassade in der Erhardstraße sind die Fenster geputzt. "Die Bau-Endreinigung läuft." Die Scheiben sind schon sauber. Wenn das Gerüst abgebaut, dessen Verankerungen geschlossen und übermalt, die Außenleuchten angebracht und die Blitzschutzleitungen verlegt sind, ist - nach der Nord- und Ostfassade - auch dieses Teilstück fertig. Spätestens vier Wochen später ist auch die 64 Meter lange Fassade in der Ledererstraße geschafft.

Stattliche 792 000 Euro stellte die Haushaltsabteilung des Oberlandesgerichts Nürnberg, "unsere Mittel-Behörde", so Horn, in diesem Jahr zur Verfügung. "Die haben ja nicht nur für Weiden zu sorgen", dankt Robl. Geradezu mustergültig sei die Vor- und Detailplanung des Staatlichen Hochbauamtes Amberg-Sulzbach, Servicestelle Weiden, mit dem betreuenden Architekten Roland Wellert und Abteilungsleiterin Elisabeth Bücherl-Beer gelaufen. "Sie sorgen dafür, dass unser Haus, diese 50 Jahre alte Dame, gut in Schuss bleibt", lobt Geschäftsleiter Horn.

Stets am Ball

"Entscheidend ist, "dass alle bisherigen Landgerichtspräsidenten am Ball geblieben sind", unterstreicht Horn. Seit mehr als 20 Jahren wird modernisiert, nach der Asbestentfernung etwa folgten die neuen Dächer (einschließlich Begrünung), die gesamte Verkabelung für Strom und EDV, die auf Glasfaser umgestellt ist, die energetische Sanierung der Fassade, die Komplettmodernisierung der Aufzüge, der Toilettenanlagen oder der Umbau des Foyers. Seit 2012 konnte das Bewährungshilfe-Gebäude, die ehemalige grüne Nickl-Villa in der Ledererstraße, renoviert werden.

Nicht untergehen dürften die Zusatzarbeiten in den letzten Monaten, meint Josef Robl: Die 14 Wachtmeister bezogen im Mai ihre neuen Räume. In der Registratur stehen moderne Gleitregal-Anlagen. Ein weiterer Raum nimmt die Elektronik und Geräte für den elektronischen Rechtsverkehr auf, der ab 1. Januar in Bayern flächendeckend eingeführt wird: "Rechtsanwälte werden dann ihre Schriftsätze elektronisch einreichen - verschlüsselt - und mit Signatur."

Beleuchtung in Probephase

"Wir erleben einen ständigen Wandel", stellt Josef Robl fest. "Es bleibt damit genügend Arbeit für die Nachfolger von Landgerichtspräsident Walter Leupold." Bereits in der Probephase ist die neue Beleuchtung für die Büros. Zwei Musterräume werden mit LED-Leuchten bzw. mit T5-Leuchtstoffröhren ausgestattet.

Dazu kommen für den nächsten Doppelhaushalt (ab 2019) weitere "große Brocken": die Sanierung der Innenhof-Fassaden sowie der Kanalisation. "Im schlimmsten Fall müssen wir die Kellersohle öffnen. Am einfachsten wäre es, die Leitungen an die Kellerdecke zu hängen", erläutert Horn. Auf jeden Fall sei auch der Parkplatz betroffen. Und damit ist der Geschäftsleiter des Landgerichts bei einem weiteren Thema: "Wir bräuchten auch mehr Stellplätze. Wir haben zwar unter den Mitarbeitern ganz eiserne Radfahrer und Fußgänger. Aber 90 Parkplätze für 180 Beschäftigte sind einfach zu wenig."
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