09.04.2018 - 18:32 Uhr
Oberpfalz

"Auf die Bremse, fertig, los" - Verkehrserziehung für Schulkinder "Temposheriffs" tadeln Raser

Laute Buh-Rufe schallen am Montagvormittag durch den Stockerhutweg. Etliche Autofahrer ernten rote Karten, weil sie zu schnell durch die Zone 30 rasen. Mit der Aktion "Auf die Bremse, fertig, los" lernen Kinder, wie sie Gefahren im Verkehr erkennen - und Unfälle vermeiden.

Der Autofahrer hält sich an die vorgegebenen 30 km/h. Dafür wird er von den Kindern der Albert-Schweitzer-Schule und Verkehrserzieher Hermann Gemeinhart (links) mit dem grünen Daumen belohnt. Bild: juh
von Julia Hammer Kontakt Profil

Strafzettel flattern bei den Fahrern, die an diesem Tag "geblitzt" werden, nicht ins Haus. "Mit dem Gerät demonstrieren wir den Kindern nur, wie sie Geschwindigkeiten richtig einschätzen", erklärt Hermann Gemeinhart. Mit seinem Kollegen Elmar Gregor kommt er immer wieder an Schulen, um über Verkehrssicherheit aufzuklären. Fünf Tage dauert die Aktion, an der sich auch die dritten Klassen der Albert-Schweitzer-Schule beteiligen. Nachdem die 42 Kinder den Bremsweg anhand eines Rollbretts selbst getestet haben, geht es für sie "in den realen Verkehr". Dort erwarten sie Gemeinhart und Ursula Auer, Geschäftsführerin der "Gemeinnützigen Gesellschaft für wertorientiertes Handeln", mit einem Radargerät.

Sie organisierte das Projekt mit der Stadt Weiden und der "Gemeinnützigen Gesellschaft für Kriminalprävention und Verkehrssicherheit". "Was habt ihr heute gelernt?", will Gemeinhart von den kleinen "Temposheriffs", wie er sie nennt, wissen. "Je langsamer man fährt, desto schneller kann man bremsen", weiß Jonas. Paula hat die richtige Antwort auf die Frage, was passiert, wenn Erwachsene zu schnell fahren, parat: "Dann zahlen sie eine Geldstrafe. Oder sie müssen den Führerschein abgeben."

Der Verkehrserzieher stattet die Schüler mit zwei Tafeln aus. Die Kinder halten die grüne hoch, wenn sich ein Fahrer an die Geschwindigkeit hält. Die rote symbolisiert: Runter vom Gas. "Und wenn jemand zu schnell ist, rufen wir laut ,Buh'." Gespannt warten die Kleinen auf das erste Auto, dann reißen sie die grünen Tafeln in die Luft und schreien "Yeah, alles richtig gemacht". Doch nicht alle halten sich an die vorgeschriebenen 30 km/h. Immer wieder kommt auch die rote Tafel zum Einsatz, laute Buh-Rufe folgen. "Für die Kinder ist der Rollentausch schön. Normal sagen ihnen die Erwachsenen, was sie falsch machen. Heute ist das anders", betont Auer. Wichtig ist der Projektleiterin, dass die Kinder "spielerisch ein Gefühl für Geschwindigkeiten" bekommen. "Gleichzeitig wollen wir die Autofahrer sensibilisieren."

Das Konzept kommt bei den Kindern gut an. "Es hat Spaß gemacht. Wir haben gelernt, wie wichtig es ist, sich an das richtige Tempo zu halten. Und vor allem, dass man auf sich selbst aufpassen muss - und sich nicht auf die Autofahrer verlassen sollte", resümiert Elias, der stolz, wie seine restlichen Klassenkameraden, einen Sheriff-Stern und eine Urkunde entgegennimmt.

Tausende Unfälle

Rund 30 000 Kinder verunglücken jährlich im deutschen Straßenverkehr, davon werden 5000 schwer oder tödlich verletzt, informiert das Statistische Bundesamt. 90 Prozent der Unfälle ereignen sich, wenn Kinder Straßen überqueren und von Autofahrern nicht gesehen werden - oder, wenn diese zu schnell unterwegs sind und nicht mehr rechtzeitig bremsen können. (juh)

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