08.09.2017 - 08:29 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Augenheilkunde im Wandel der Zeit Alles genau im Blick

Die Augenheilkunde ist zwar ein kleines, aber auch ein sehr vielschichtiges Fachgebiet der Medizin. Es beschäftigt sich scheinbar mit nur einem kleinen Organ des menschlichen Körpers. Die zu Grunde liegende Komplexität bleibt jedoch meistens verborgen. So gibt es zum Beispiel ein über tausendseitiges Lehrbuch, in dem es allein um die Pupille geht! Nebenbei ist die Augenheilkunde auch eines der größten operativen Fachdisziplinen mit einer fast schon Jahrtausende alten chirurgischen Tradition. Vor allem in den letzten zwanzig bis dreißig Jahren hat sich diese Tradition aber dramatisch weiterentwickelt. Vielfältige Innovationen der modernen Medizintechnik haben die Behandlungsmethoden revolutioniert. Diese Entwicklung kommt letztendlich in vielerlei Hinsicht den betroffenen Patienten zu Gute.

Das Auge ist unser wichtigstes Sinnesorgan
von 1. Nordoberpfälzer GesundheitsmesseProfil

Wenn man zum Beispiel den Blick auf die Behandlung des Grauen Stars wirft, wird diese Entwicklung sehr deutlich. Ziel dieser Therapie ist es, die krankhaft eingetrübte Linse im Inneren des Auges zu entfernen und durch eine klare Kunstlinse zu ersetzen. Dafür mussten die Patienten früher mehrere Tage stationär in einer Augenklinik behandelt werden, die operativen Schnitte waren groß und mussten aufwändig genäht werden. Auch das funktionelle Ergebnis, das heißt die Sehqualität nach der Operation, war zwar besser als vor dem Eingriff, aber nach heutigen Maßstäben alles andere als gut. Heutzutage wird die Linse mit Hilfe eines Ultraschallgerätes oder Lasers schonend aus dem Auge abgesaugt. Der größte Schnitt am Auge hat eine Ausdehnung von nur ca. 2,5 mm und verschließt sich nach Abschluss der Operation ohne Naht von selbst. Was hat nun der Patient davon? Durch das kleinere Operationstrauma bei dieser Kleinschnitttechnik können fast alle Graue-Star-Operationen ambulant und unter örtlicher Betäubung ausgeführt werden. Die Erholungs- und Wundheilungsphase ist stark verkürzt. Zudem kann die Sehqualität nach der Operation so gut wie zum Zeitpunkt vor der Erkrankung werden. Dabei helfen auch die modernen Designs der aktuellen Kunstlinsen. Diese können individuell an die Gegebenheiten und Bedürfnisse der Patienten angepasst werden. Zum Beispiel verbessern asphärische Kunstlinsen den Kontrast bei dämmerigen Lichtverhältnissen und reduzieren Blendungserscheinungen. So genannte multifokale Kunstlinsen können, ähnlich wie bei einer Gleitsichtbrille, das Sehen in der Ferne und in der Nähe ohne zusätzliche Brille ermöglichen.

Therapie Grüner Star

Eine weitere Erkrankung im Bereich der Augenheilkunde, deren Therapie sich stark durch technische Neuerungen verändert hat, ist der Grüne Star. Dabei handelt es sich um einen fortschreitenden Schaden der Sehnerven, unter anderem ausgelöst durch einen zu hohen Augeninnendruck. Der Sehnerv verbindet das Auge mit dem Sehzentrum im Gehirn. Eine zunehmende Schädigung dieser Struktur, kann sogar die Erblindung des Auges bedeuten. Bei der Behandlung des so genannten „Glaukom“ versuchen die Augenärztinnen und -ärzte den Augendruck zu senken. Ist mit der regelmäßigen Anwendung von Augentropfen keine ausreichende Senkung zu erreichen, müssen operative Maßnahmen herangezogen werden. Die neuesten Entwicklungen im Bereich dieser Therapie sind mikroskopisch kleine Röhrchen, welche in einer kleinen operativen Prozedur in die Augen eingesetzt werden können. Der kleinste dieser als Mikrostents bezeichneten Implantate ist nur 0,36 Millimeter lang. Über dieses Röhrchen kann das überschüssige Augenwasser abgeleitet werden und so der Augendruck gesenkt werden.

Die Therapien der zwei genannten Erkrankungen haben sich durch medizintechnische Innovationen stark gewandelt. Die Vorteile sind vielfältig.
An erster Stelle stehen die unmittelbaren Auswirkungen für die Patienten. Kleinere Schnitte bedeuten kleinere Operationswunden. Damit sinkt das Risiko für operative Komplikationen im Sinne von Wundinfektionen deutlich. Zudem kann eine viel schnellere Erholung nach der Operation und eine schnelle Rückkehr zu einem geregelten und selbstständigen Alltags- und Berufsleben erfolgen.
Falls bei einem Patienten eine operative Therapie notwendig wird, kann diese heutzutage immer häufiger ambulant und heimatnah angeboten und durchgeführt werden. Die psychische und physische Belastung eines stationären Aufenthaltes kann so oftmals vermieden werden. Auch unser Gesundheitssystem profitiert durch Einsparungen von dieser Verschiebung in den ambulanten Behandlungssektor. Die freiwerdenden finanziellen Ressourcen werden bei der Behandlung anderer Erkrankungen dringend benötigt.

Dass sich unsere Welt in vielen Bereichen extrem schnell verändert ist für uns heutzutage beinahe alltäglich geworden. Man denke nur an die Entwicklungen im Bereich der Telefone und Computer während der letzten 20 Jahre. Die Veränderungen im Bereich der Medizin sind meistens nicht so offensichtlich und werden deshalb schnell als Selbstverständlichkeit angenommen. Ein bewusster Blick in andere Regionen dieser Welt oder einfach 20 Jahre zurück kann uns dann helfen.

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