Aus für "Ein Baum für Weiden"
Initiatorin stellt nach 13 Jahren Kinderhilfsprojekt ein

830 Engel hängten Kinder 2016 an den "Baum für Weiden" im Foyer des Neuen Rathauses. Nun teilt die Initiatorin und langjährige ehrenamtliche Organisatorin der Hilfsaktion, Heike Brembs-Thoma (rechts), mit, dass Schluss ist. "Die Aktion ist zu groß geworden. Mir ist das zu viel geworden." Archivbild: hfz

Die Nadeln von den Christbäumen sind noch nicht gefallen. Die Entscheidung von Heike Brembs-Thoma und ihrer Familie ist es wohl: Nach 13 Jahren wird sie "Ein Baum für Weiden" einstellen. Dabei braucht es die Hilfsaktion mehr denn je.

Lange haben sie und ihr Mann hin und her überlegt. Sehr lange, betont Heike Brembs-Thoma. Nun steht die Entscheidung. Und an ihr gebe es nichts mehr zu rütteln: "Auch wenn es uns sehr schwer fällt, aber 'Ein Baum für Weiden' ist neben unserem Beruf einfach nicht mehr zu stemmen", erklärt die 47-Jährige am Mittwoch schweren Herzens. Nötig habe die Stadt eine solche Hilfsaktion allerdings weiterhin.

Das zeigt auch die Entwicklung: 2004 setzte Heike Brembs-Thoma ihre Idee "Ein Baum für Weiden" um. Damals zierten 230 Engel mit Wünschen von Kindern aus bedürftigen Familien den Premieren-Baum im Foyer der Hypovereinsbank. Jeder Engel wartete auf einen hilfsbereiten Bürger, der ihn mitnahm, um einem Kind aus einer sozial schwachen Familie den darauf notierten Wunsch zu erfüllen.

"Es wird immer schwerer"

Zum Vergleich: Weihnachten 2016 baumelten mit 850 bereits knapp vier Mal so viele Wunschengel am "Baum für Weiden", der zwischenzeitlich im Foyer des Neuen Rathauses sowie im Rathaus Weiherhammer einen Platz fand. Kurzum gab es für Heike Brembs-Thoma und ihre Helfer auch fast vier Mal so viel zu tun. Dabei lief nicht immer alles glatt bei der Aktion. "Heuer hatten wir obendrein vor Weihnachten viele Helfer-Ausfälle wegen Krankheit." Zudem gebe es laut Heike Brembs-Thoma drei grundsätzliche Probleme.

Erstens: "Es wird immer schwerer, die Aktion umzusetzen." Die 47-Jährige erzählt, dass es allein in diesem Jahr 24 Engel gab, die zwar abgeholt, aber nicht zurückgebracht wurden. "Also bin ich selbst losgelaufen, um kurz vor knapp noch mit Spendengeld die 24 fehlenden Geschenke zu besorgen und sie bis nachts vor Weihnachten bei mir einzupacken. Die Kinder können ja nichts dafür."

Zweitens: Das Anspruchsdenken mit Wünschen, die die gesetzte Grenze von 30 Euro sprengen, habe zugenommen: "Manche Leute sind so fordernd geworden. Das ärgert mich." Ausgenutzt sei sie sich da teils vorgekommen, schließlich engagiere sie sich ehrenamtlich und das neben dem Vollzeitjob bei der Agentur für Arbeit im Büro der Geschäftsführung. Zudem empfand sie die überteuerten Wünsche schlicht unverschämt und "unzumutbar gegenüber hilfsbereiten Bürgern".

Das dritte Problem seien die Täuschungsversuche: "Wir müssen immer öfter Doppelmeldungen herausfiltern." So versuchen Eltern, für ein Kind mehrere Wunsch-Engel bei Sozialverbänden auszufüllen. Andere wiederum können ihre Bedürftigkeit nicht nachweisen, wollen trotzdem berücksichtigt werden. Aus einem gefühlt geringen Gehalt lasse sich nunmal kein Anspruch ableiten, betont Brembs-Thoma.

Unterm Strich ist die 47-Jährige aber sehr dankbar. Dankbar für die Hilfe aller Unterstützer: Menschen, die die Engel holen. Organisationen, die die Wünsche aufnehmen und die Familie auf ihre Bedürftigkeit prüfen. Firmen, die spenden. Helfer, die an Weihnachten die Geschenke zu den Familien bringen. Dankbar ist die Weidenerin auch für die vielen glücklichen Momente, die sie bei Hunderten Familien erleben durfte, die nunmal auf die Unterstützung durch solch eine Aktion angewiesen seien. "Wir wünschen diesen Kindern, dass es vielleicht eine neue Idee gibt, die hier Hilfe leistet." Wobei ...

Nachfolger gesucht

Brembs-Thoma könnte sich auch vorstellen, dass ihre Idee schlicht kopiert wird. Ja, sie appelliert sogar an andere, sich der Weihnachtswünsche bedürftiger Kinder der Stadt anzunehmen. "Das wäre mein Herzenswunsch. Ich teile auch gern meine Erfahrungen und mein Wissen." Nur eins gibt die 47-Jährige nicht her: den Namen der Hilfsaktion, die sie 2004 ins Leben gerufen hat. Schließlich hat die Familie Brembs-Thoma entschieden: "Ein Baum für Weiden" ist ab sofort Geschichte.

Manche Leute sind so fordernd geworden. Das ärgert mich.Heike Brembs-Thoma, Initiatorin des Kinderhilfsprojekts "Ein Baum für Weiden"
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