12.01.2018 - 16:24 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Austrittszahlen bleiben hoch Mitgliederschwund plagt Kirchen

Die Austrittszahlen in den Weidener Pfarreien bleiben hoch. Während sich Dekan Johannes Lukas um die Jugend sorgt, zieht Pfarrer Dominic Naujoks ein positives Zwischenfazit.

In Weiden gibt es weniger Mitglieder als im Vorjahr, die der Kirche den Rücken kehren. Bild: gsb
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(pblf) 186 Katholiken sind 2017 in Weiden aus der Kirche ausgetreten. Immerhin ist ein leichter Rückgang zu erkennen, im Vorjahr waren es noch 192. Gerade in den mitgliederstarken Pfarreien reduzierten sich die Austritte. In St. Josef sank die Zahl um elf, in St. Elisabeth um vier. Der rapide Anstieg - im Vorjahr schnellte die Zahl noch um über 50 nach oben - ist gestoppt. Dennoch hält der Mitgliederschwund in den katholischen Pfarreien an. Von einer Gegenbewegung kann keine Rede sein. Am härtesten traf es St. Dionysius in Neunkirchen, dort hat sich die Zahl der Austritte 2017 von 5 auf 16 mehr als verdreifacht.

Dekan Johannes Lukas von der Pfarrei St. Konrad will diese Zahlen nicht überbewerten. "Natürlich ist der Trend da. Er ist Teil einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung", räumt er ein, aber: "Viel hat sich nicht getan, die Zahlen sind recht stabil." Trotzdem weiß auch Lukas um das Grundsatzproblem der Kirche. Die regelmäßigen Kirchgänger werden immer weniger und gerade die jüngere Generation macht vielfach einen großen Bogen um die Kirche. "Da haben wir kaum Einfluss", sagt Lukas. "Unsere Angebote an die Jugend werden zu wenig wahrgenommen." Es gebe nach Meinung des Pfarrers so gut wie keine Möglichkeit mit jungen Menschen in Kontakt zu treten.

Die Austrittswelle plagt jedoch auch die evangelische Kirche. 69 Weidener evangelischer Konfession haben 2017 ihrer Pfarrei den Rücken gekehrt, nur vier weniger als im Vorjahr. Für Dominic Naujoks, Pfarrer von St. Markus, ist dieser Wert nach wie vor zu hoch. Immerhin seien aber die Taufzahlen weiter gestiegen, von 78 auf 84. Das liege vor allem an den Flüchtlingen, die sich in Deutschland taufen lassen. "Das ist, finde ich, eine sehr schöne Entwicklung", sagt Naujoks. Besonders freuen ihn die 26 Kircheneintritte. Das sind erneut deutlich mehr "Neuzugänge" als in den katholischen Pfarreien (9), obwohl deren Mitglieder in Weiden in der Überzahl sind.

"Wir wissen, dass wir den Leuten etwas bieten können. Manchmal muss man sich etwas neu orientieren und auf die Menschen zugehen", sagt Naujoks. Die kirchlich geprägte Gesellschaft werde schließlich immer älter, und auch Ausländer müssten anders an den Glauben herangeführt werden. Außerdem würden gerade diejenigen, die einst ausgetreten sind, merken, dass ihnen ohne Kirche etwas fehle. "Viele treten deshalb wieder ein", glaubt Naujoks. Ein weiterer Grund könne das Luther-Jahr gewesen sein. Anlässlich dieses Jubiläums stellten die Pfarreien einen Bibel-Lese-Marathon oder ein Reformationskonzert auf die Beine.

Überrascht zeigte sich Naujoks nur davon, dass sich immer weniger Menschen kirchlich trauen lassen. Kamen im Vorjahr beim lutherisch-protestantischen Dekanat der Stadt noch 21 Trauungen zustande, traten 2017 nur noch neun Paare in Weiden vor den Altar. Allein in Sankt Michael hat sich die Zahl in einem Jahr mehr als halbiert. Naujoks Erklärung ist, dass "der gelebte Glaube heute in den Ehen keine derart große Rolle mehr spielt". Selbstverständlich relativiert sich diese Zahl dadurch, dass viele Hochzeiten in kleinen Wallfahrtskirchen abseits des Stadtgebietes gefeiert werden. Allerdings ließen sich auch viele andere Feste mittlerweile "ohne kirchlichen Beistand feiern", sagt Naujoks.Katholisch

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