15.02.2018 - 18:32 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Autor Tim Pröse beschwert sich im "Stadtkrug" über Lärm durch Großbaustelle Zimmer-Zwist

Seinen Aufenthalt in Weiden hatte sich Tim Pröse etwas anders vorgestellt. Der in München lebende Autor und Journalist war für eine Lesung an der Sophie-Scholl-Realschule in der Stadt und hatte sich im Hotel Stadtkrug eingebucht. Sein Besuch dort endete jedoch früher als erwartet.

Eigentlich wollte Journalist und Autor Tim Pröse im Hotel Stadtkrug unterkommen und sich auf seine Lesung in der Sophie-Scholl-Realschule vorbereiten. Doch dabei störte ihn der Lärm von der Großbaustelle nebenan. Und sein Aufenthalt fiel wesentlich kürzer aus als geplant. Bild: Gabi Schönberger
von Sonja Kaute Kontakt Profil

"Ich bin ganz begeistert, dass die Schüler so mitgegangen sind. Es ist toll, was die über den Unterricht hinaus für ein Engagement zeigen", erzählt der Journalist. Vor rund 300 Schülern hatte er vergangene Woche in der Aula eine Lesung zu seinem Bestseller "Jahrhundertzeugen" gehalten. In dem Buch porträtiert der ehemalige Chefreporter der Münchener Abendzeitung 18 Holocaust-Überlebende und Widerstandskämpfer sowie deren Angehörige, darunter die der Namensgeberin der Sophie-Scholl-Realschule.

Seine Lesung wollte der Autor am Tag zuvor noch im Hotel vorbereiten. Doch dabei störte ihn der Baulärm der direkt am Stadtkrug angrenzenden Großbaustelle für das Nordoberpfalz-Center. Deshalb ging er zur Rezeption und bat um ein ruhigeres Zimmer. Ab diesem Zeitpunkt unterscheiden sich die Aussagen über das Geschehen von ihm und Daniel Pufke, dem Eigentümer des Hotels.

Laut Pröse teilte Stadtkrug-Geschäftsführerin Dörte Grambow ihm mit, dass sie ihm kein ruhigeres Zimmer geben könne, weil "die ruhigen Zimmer allesamt an die Bauarbeiter vergeben seien", erinnert sich der Münchener. Das findet er "unfreiwillig ironisch", schließlich sei es ja ruhig, wenn die Bauarbeiter nicht arbeiten. Ergo bräuchten sie auch keine ruhigen Zimmer. Es entspann sich eine Diskussion, die damit endete, dass Pröse auszog.

Daniel Pufke begründet die Belegung der ruhigen Zimmer durch Bauarbeiter gegenüber der Redaktion so: "Wir haben 14 sehr alte Zimmer, die wir überhaupt nur wegen der Großbaustelle belegen. Sie sind günstig, deshalb mieten die Baufirmen diese Zimmer. Und sie gehen zufällig alle nach hinten raus. Sie haben eine französische Dusche, sind klein und entsprechen nicht mehr dem Standard. Einem normalen Gast würde ich diese Zimmer gar nicht geben." In den nächsten Jahren würden diese Zimmer modernisiert. "Wir konnten ja nicht andere Gäste rausschmeißen, die hinten raus wohnen", so Pufke. Der Gast bat daher um einen Preisnachlass. "Als ,Entgegenkommen', das ich aber erst fordern musste, bot Frau Grambow mir fünf Euro Nachlass an", so der Journalist. Er ist empört. "Ich solle, wenn ich ein ruhiges Zimmer haben wolle, einen Landgasthof buchen", habe er gesagt bekommen. Der Hotel-Eigentümer, der die sich anbahnende Diskussion mitbekam, sagt, das stimme so nicht. Man habe dem Gast angeboten, dass er das Frühstück (Kostenpunkt 8,80 Euro) nicht bezahlen muss. "Damit war unser Rabatt erschöpft." Fest steht, dass man sich nicht einig wurde.

"Ich habe es erst im Guten versucht", sagt Pröse. Dann sei er energischer geworden. Schließlich gab er sich als Journalist zu erkennen und kündigte an, die örtliche Zeitung einzuschalten. Daraufhin habe "die Dame rot gesehen" und ihn aus dem Hotel geworfen. Auch hier unterscheiden sich die Aussagen zum Geschehen. Für Pufke war irgendwann der Punkt erreicht, "wo es von Kritik zu Dreistigkeit wechselt". Der Gast sei "von sich aus pampig geworden", auch deshalb habe man auf das Angebot einer Zwischenlösung - ruhiges Arbeiten in der Stube des Hotels bis zum Feierabend der Bauarbeiter um 18 Uhr - verzichtet. Rausgeworfen worden sei der Autor nicht. Statt dessen habe er seine Sachen gepackt, den Schlüssel auf den Thresen der Rezeption geknallt und sei verschwunden. Pufke sagt ungeschönt, wie er das Geschehen einordnet: "Das war dreist. Er hat versucht, über die Beschwerde das Zimmer umsonst zu bekommen." Das "Outing" als Reporter sei "wie bei kleinen Kindern: ,Entweder, du machst, was ich möchte, oder ich sag's allen.'"

Tim Pröses Abend vor seiner Lesung endete trotz seines Ärgers gut. "Ich bin umgezogen, habe die schöne Altstadt angeschaut und bin essen gegangen", erzählt er. Im Ausweich-Hotel habe er dann doch noch ruhig arbeiten können. Daniel Pufke dagegen ärgert sich über den Ausgang der Sache: "Er hatte das Zimmer schon genutzt und ist gegangen, ohne zu zahlen. Eigentlich müsste er für das Zimmer noch bezahlen."

Baustelle "insgesamt ein Riesenproblem"

Tim Pröse hätte sich einen Hinweis auf die Großbaustelle auf der Website des Hotels oder bei der Buchung gewünscht. "Das kann man machen", sagt Hotel-Eigentümer Daniel Pufke. Wenn jemand direkt per Telefon bucht, werde er vom Personal auch auf die Baustelle hingewiesen. Doch Pröse habe über ein Hotel-Portal im Internet gebucht, wo er einen solchen Hinweis ohnehin nicht hätte sehen können. Die Baustelle sei "insgesamt ein Riesenproblem fürs Hotel", räumt Pufke ein. Am Anfang der Bauarbeiten habe es vor allem wegen des Lärms bei den Rüttel- und Betonierarbeiten Probleme gegeben: "Bei uns haben in den Schränken die Gläser gerüttelt." Inzwischen seien vor allem wegfallende Parkplätze am Hotel unerfreulich. "Wir versuchen, unseren Gästen das zu erklären." (jak)

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