20.11.2017 - 20:08 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Autoren des neuen Buches "Oberpfälzer Heimat" stellen ihre Beiträge vor Von Pest und "Kakkertjes"

Vom bayerischen Bürgermilitär, zwei Luher Pestopfern oder den Weidener "Hussitenkugeln": Das Spektrum des neuen Buches "Oberpfälzer Heimat" ist weitreichend. Dem Heimatkundlichen Arbeitskreis stellen die Autoren ihre Forschungen vor.

Adalbert Busl geht im Vortrag "550 Jahre Marktrechte" auch auf Hochstraße und Kommunbrauwesen ein.
von Redaktion OnetzProfil

Den Beitragsreigen eröffnete Stadtarchivarin und Vorsitzende Petra Vorsatz mit einem Artikel zum Gedächtnis des im März 2017 verstorbenen Franz Bergler, der 34 Jahre lang für das Stadtarchiv Weiden tätig war. Ernst Thomann berichtete von der Entdeckung eines "Hallstattzeitlichen Brandgrabes" bei Iffelsdorf. Überraschenderweise wurden dort einige Deckelchen gefunden, die vermutlich als Schmuck getragen wurden. Auch bemalte Keramik tauchte dabei auf, die in dieser Gegend nicht üblich sei.

Gerhard Reiß beleuchtete in seinem Beitrag die Hintergründe der "Hussitenkugeln" hinter dem Weidener Rathaus. Heinrich Deinzer berichtete vom Fund dreier Hakenbüchsen auf dem Dachboden des Vilsecker Rathauses. Bei seinen Nachforschungen fand er heraus, dass diese aus dem späten 15. Jahrhundert seien. Über böhmische Glashütten auf ehemaligem Waldthurner Gebiet ab dem 17. Jahrhundert verfasste Georg Schmidbauer seinen mit vielen Archivbildern versehenen Artikel. Heiner Aichinger beschrieb eine Reise: Der 38-jährige Pfalzgraf August von Pfalz-Sulzbach begab sich zur Hochzeit mit seiner Zukünftigen, der 17-jährigen Herzogstochter Hedwig in den hohen Norden. Auf seiner Reise nach Husum erlebte dieser die Anfänge des 30-jährigen Krieges. Zeitsprung ins späte 16. Jahrhundert: Thomas Freller wertete Beobachtungen des Abenteuerers Michael Heberer, dem "Churpfälzischen Robinson" aus. Schon damals berichtete dieser über die "Hirschauer Stückl".

Am Beispiel eines Richters und eines Pfarrers aus Luhe erforschte Anton Fleischmann zwei Einzelschicksale von Pest-Opfern in Luhe 1633. Mit dem für seine Ortsansichten berühmten Kupferstecher Matthaeus Merian der Ältere beschäftigte sich Harald Fähnrich, Josef Eimer untersuchte Aufnahme und Verpflichtung des Parksteiners Franz Michael Walter als Stadttürmer im Nabburg des 19. Jahrhunderts.

Aus der Geschichte der Gendarmerie im Bezirksamt Neustadt und von einer Anzeige gegen seinen Urgroßvater erzählte Alfred Kunz. Über Funktion und Wahrnehmung der Weidener Landwehr (bayerisches "Bürgermilitär") von 1805 bis 1869 berichtete Johannes Hauer. Julian und Thomas Bäumler bewiesen mit ihrem Beitrag die Existenz wissenschaftlicher Irrläufer: Sie entlarvten frühneuzeitliche Pfeiffiguren als "Kakkertjes", neuzeitliche "Scheisserchen". Den kurbayerischen "Limes" zwischen Auerbach und Kirchenthumbach nahm Sebastian Thiem unter die Lupe. Sebastian Schott untersuchte die "Weidener und ihre Hunde" in Zeiten der Monarchie. Eine Biografie des Oberpfälzer Politikers, Priesters und Antisemiten Hermann Sickenberger (1851 bis 1923) lieferte Marc Rothballer.

Anhand eines Aquarells von Parkstein aus dem Jahr 1805 stellte Bernhard Weigl Überlegungen zur damaligen Burgruine an. In die Zeit der nationalsozialistischen Machtübernahme in Deutschland führte der Artikel von Erich Zweck: Er berichtete über Zusammenarbeit und Rivalität zwischen SA und Stahlhelm 1933/34 in Schwandorf.

Buchverkauf

Das Buch "Oberpfälzer Heimat, Band 2" ist zum Preis von 12,80 Euro in der Geschäftsstelle des Arbeitskreises Heimatkunde in Weiden, Schulgasse 3a, sowie im Buchhandel erhältlich. (fsb)

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