24.10.2017 - 18:43 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Baudezernent Oliver Seidel überrascht mit neuer Idee Realschulen: Sanierung und Teilneubau?

Mit einer Sanierung sind die Realschulen wieder auf modernen Stand zu bringen. Davon sind CSU, Bürgerliste und Grüne nach der Ortsbesichtigung überzeugt. Von der Notwendigkeit eines Neubaus überzeugt ist hingegen der neue Bau- und Planungsdezernent Oliver Seidel. Er verweist auf die Gutachten. Doch mit denen gibt es Probleme.

Bau- und Planungsdezernent Oliver Seidel verteidigt das "Verwaltungshandeln" und bringt neue Überlegungen ins Gespräch.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Bei der Ortsbegehung betont CSU-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Pausch, dass er vor Jahren die Idee "Generalsanierung" aufgeworfen habe, nachdem über Jahre der Bau-Unterhalt vernachlässigt worden sei. Dass aus der Sanierung durch Gutachten der Vorschlag für einen Neubau wurde, habe spezielle Hintergründe. Nämlich die, dass nach der FOS/BOS die Realschulen in einem weiteren PPP-Modell errichtet und ursprünglich das gesamte bisherige Realschul-Areal für Wohnzwecke genutzt werden sollte. "Das scheint die Idee gewesen zu sein", meint Pausch bei seiner Einführung.

Die Visite in der Realschule solle beweisen, dass ein Neubau unnötig sei. Die Schulen seien sanierungswürdig. Die Argumente, dass eine Sanierung während des Schulbetriebs unzumutbar sei, ließen auch Hans Sperrer, Markus Bäumler und Alois Lukas (alle CSU) nicht gelten. "Kepler- und Augustinus-Gymnasium mussten über Jahre damit zurechtkommen", erinnert Bäumler.

Architekt Karl-Heinz Beer (CSU) zweifelt weiter an der Aussagekraft der Gutachten. Drei der Experten seien nie im Gebäude gewesen, hätten ihre Plausibilitätsprüfung aus der Ferne abgegeben. Eine werthaltige Sanierung für die nächsten 20 oder sogar 40 Jahre sei auch mit einem Bruchteil der 48 Millionen Euro darstellbar, die die Gutachten für eine Generalsanierung nennen. Der Stadtrat müsse sich auch fragen lassen, wie er die Bestandsgebäude wertschätze, sie an die nächste Generation weitergeben wolle. Es sei schlichtweg volkswirtschaftlich und auch ökologisch nicht sinnvoll, eine große Schule, die den Bedürfnissen entspreche, abzureißen, um sie durch eine kleinere zu ersetzen.

Engagiert verteidigte der neue Bau- und Planungsdezernent Oliver Seidel das "bisherige Verwaltungshandeln" als "angebracht und richtig". Er bedauerte das fehlende Vertrauen von Teilen des Stadtrats in die Gutachten. Es bestehe unbestreitbar ein erheblicher Sanierungsbedarf in den Realschulgebäuden: "Die Verwaltung hatte die Wirtschaftlichkeit von Generalsanierung oder Neubau zu prüfen. Der Neubau ist deutlich, deutlich günstiger", betonte Seidel. "Gutachten sind immer nur so gut, wie das Vertrauen in sie." Dies sei das Problem bei einem Teil des Stadtrats.

"Wenn man den Gutachten nicht glaubt, kann man nur die nächste Stufe antreten und Planungsleistungen in Auftrag geben, um mehr Kostensicherheit zu generieren", riet Seidel. Dann wisse man, was wirtschaftlich sanierbar sei, was funktioniere und wo eventuell ein Neubau sinnvoller sei. Damit brachte der Bau- und Planungsdezernent erstmals öffentlich einen Teilabbruch und Neubau (wahrscheinlich des komplizierten Mittelteils der Realschulen) ins Gespräch. "Wir haben keinen gewaltigen Handlungsdruck. Ich würde gerne die Zeit nutzen und sie in die Planung stecken."

Am Dienstag deutete CSU-Fraktionschef Wolfgang Pausch gegenüber dem NT an, dass er sich die Varianten "Sanierung und Neubau" der kostenintensiven Gebäudeteile ebenfalls vorstellen könne.

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