14.04.2011 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Bei Abiturienten sind Ausbildungen im Betrieb immer beliebter - Unternehmen bieten neue ... Einfach näher an der Praxis

Das Gedränge am Kleiderständer ist heftig. 20 junge Leute belagern die Kleiderstange, suchen nach passenden Blusen oder Röcken. Wer bei dieser Szene auf den ersten Schlussverkaufstag bei H&M tippt, irrt: Es ist das Fashion Recruiting Event der Witt-Gruppe in Weiden.

von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Mit der Veranstaltung informiert das Weidener Traditionsunternehmen über seine Angebote für Abiturienten und Fachabiturienten - derzeit sind das vor allem die dualen Bachelor-Studiengänge Handel/Textilmanagement und Vertriebsmanagement sowie die Ausbildung zum Textilbetriebswirt.

Solche Angebote sind gefragt bei Abiturienten - nicht nur bei der Witt-Gruppe. Auch Martina Windisch-Keck, die bei der Sparkasse Amberg-Sulzbach für die Einstellung zuständig ist, kann dies bestätigen. Ihr Unternehmen hat deshalb im vergangenen Jahr erstmals Plätze für ein duales Studium beziehungsweise ein Studium mit vertieftem Praxisanteil angeboten. "Viele Abiturienten erhalten von ihren Eltern keine finanzielle Unterstützung und können oder wollen sich ein klassisches Studium deshalb nicht leisten", berichtet sie von ihren Erfahrungen.

Aufwand wird größer

Auf solche Veränderungen muss ihr Unternehmen reagieren, demografischer Wandel und die Probleme der Schulbildung machen sich bemerkbar. Zwar habe die Sparkasse keine Probleme, den Nachwuchsbedarf zu decken, aber der Aufwand wird größer. "Um 15 Plätze zu besetzen, brauche ich mindestens 120 Bewerbungen", sagt Windisch-Keck.
Ähnliches kennt man bei der Witt-Gruppe. Veranstaltungen wie das Fashion Recruiting Event sollen deshalb nicht nur den jungen Leuten einen Blick hinter die Kulissen des Unternehmens und der Modewelt ermöglichen. "Wir wollen wissen, wie die jungen Menschen denken, was sie von uns erwarten", erklärt Susan Risse die Idee hinter der Aktion.

Die 20 Teilnehmer mussten sich für den Nachmittag formell bewerben. Nun dürfen sie ihr Gespür für Mode beweisen, spielerisch die Aufgaben übernehmen, die später auch bei der Witt-Gruppe auf sie zukommen könnten - zum Beispiel eine Doppelseite des berühmten Witt-Katalogs gestalten.

Das gefällt auch Florian Hagn. Der Weidener besucht die elfte Klasse des Kepler-Gymnasiums und ist einer von zwei Jungen unter den 20 Teilnehmern. "Ich möchte einfach viel von der Berufswelt sehen, bevor ich mich entscheiden muss", begründet er, warum er für die Veranstaltung seinen Freitagnachmittag opfert. Bereuen tut er's jedenfalls nicht, denn "das alles ist schon ziemlich interessant".

Auch mit Zahlen

Dabei werden den Bewerbern auch die trockenen Seiten des Berufs vorgestellt. "Ein bisschen müssen wir hier auch Träume zerstören", verrät Romy Beer. Die 22-jährige Weidenerin ist im fünften Semester des dualen Textilmanagement-Studiums und steht den Teilnehmern für Fragen zur Verfügung.

Dabei weisen sie und ihre Kollegen darauf hin, dass Witt-Einkäufer ihren Arbeitstag nicht nur mit Reisen und Terminen bei Designern oder Stoffherstellern verbringen. "Man muss auch sehr gut mit Zahlen umgehen und rechnen können", sagt sie. Dennoch ist Beer begeistert von ihrer Berufswahl. "Man ist viel näher an der Praxis als bei einem reinen Studium, in dem man ab und zu ein Praktikum macht", sagt sie. Dass die Übernahmeaussichten in der Regel sehr gut sind, sei natürlich auch nicht schlecht.

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