Bei Mountainbikes drei Rädergrößen zur Auswahl - Die Neuen sind auf dem Vormarsch
26 oder 27,5? Oder doch 29 Zoll?

Deutlich zu sehen ist der Unterschied zwischen einem 29- (links) und einem 26-Zoll-Mountainbike. Die Hersteller haben inzwischen noch eine mittlere Größe, 27,5 Zoll oder 650 B, nachgeschoben. Bild: Eger
Vor noch nicht allzu langer Zeit war es einfach, sich ein Mountainbike zu besorgen. Die Rahmengröße gab der Körper vor. Die Ausstattung der Geldbeutel. Inzwischen muss sich der Käufer entscheiden zwischen 26-, 27,5- oder 29- Zoll-Rädern. Was ist nun richtig? Was besser?

Deutschlands erfolgreichste Mountainbikerin Sabine Spitz war eine der Ersten, die sich bei den Olympischen Spielen in London für 27,5 Zoll - auch 650 B genannt - entschieden hatte. Und sie fuhr damit zu Silber. Sie hätte sich nie mit den großen 29-er Rädern wohlgefühlt, begründete sie damals ihre Entscheidung.

Sollten mehr so denken, könnten Mountainbikes mit den 650-B-Rädern schon bald den Markt dominieren. Das denkt zumindest der Amberger Zweiradhändler Peter Stadler. "Ich glaube, dass sich das alles Richtung 650 B verschiebt", sagt er. Die einen seien zu klein, die Großen einfach zu unhandlich. "Deshalb wurde die mittlere Größe nachgeschoben." Momentan liege der Verkaufsanteil der 27,5-Zoll-Mountainbikes bei ihm aber erst bei 10 Prozent.
Etwas mehr setzt derzeit Ralph Schramek, Chef von Fahrrad Brunner in Weiden um. "15 Prozent sind es in etwa", sagt Schramek. "Tendenz steigend." Auch die Lieferanten seien vorsichtig gewesen und überrascht worden von der großen Nachfrage. In dem Weidener Fahrradladen gehen, wie auch in Amberg, noch die ursprünglichen 26-Zöller am Besten. "Manche Kunden, die schon seit vielen Jahren Mountainbike fahren, schwören einfach darauf", weiß Schramek. Auch Leute unter 1,70 Meter Körpergröße könnten mit den inzwischen überall stark beworbenen 29ern nichts anfangen. "Da passt einfach der Rahmen nicht, die kommen damit nicht zurecht, haben keinen Spaß", erklärt der Weidener Fahrradhändler.

Andere wiederum würden auf den besseren Fahrkomfort der großen Reifen schwören, wissen Stadler und Schramek. Allerdings seien 29 Zoll gelogen. Denn die Twenty-Niner nutzen 28-Zoll-Felgen, wie sie auch bei Trekkingrädern verbaut sind. Noch rollen etwa nur 25 Prozent der verkauften Mountainbikes der beiden Händler auf 29 Zoll Rädern. Diese Kunden schätzen die Vorteile: Man fährt sicherer durchs Gelände, mehr Fahrfehler würden verziehen. Der Grip, die Traktion seien besser.
Aber nach den Erfahrungen von Stadler würden sowieso nur 10 Prozent der Mountainbikes dem harten Gelände ausgesetzt. "Die meisten fahren damit auf der Straße." Und da ist der Vorteil der 29- zu den 26-Zoll-Rädern dahin. Laut einer Studie der deutschen Sporthochschule Köln seien die Unterschiede bei hart aufgepumpten Reifen auf glatten Flächen zwischen den verschiedenen Reifengrößen nur marginal.

Was geschieht also in Zukunft? Verschwindet 29 Zoll wieder? Verdrängt 27,5 Zoll das alte Maß von 26 Zoll? Oder gibt es künftig alle drei Größen parallel nebeneinander? Warum nicht. Bei anderen Sportgeräten gibt es auch eine große Auswahl, zum Beispiel bei Skiern. So kann sich jeder sein individuelles Bike zusammenstellen. Die Rahmengröße gibt weiter der Körper vor, die Ausstattung der Geldbeutel - und die Reifengröße ist eben Geschmackssache.
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