26.01.2018 - 20:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Beschwerden über Essen in der JVA Karge Knast-Kost

Häftlinge der Justizvollzugsanstalt beschweren sich im Internet über das Essen: Sie würden der JVA ja fünf Sterne geben, doch die Zutaten sind angeblich alt, und alles werde mit Stärke angedickt. Selbst die Beamten, für die extra gekocht wird, würden in der Kantine nicht essen. "Stimmt alles nicht", sagt JVA-Abteilungsleiter Harald Bäumler.

von Dominik Konrad Kontakt Profil

Für drei Wochen war Rodrigo Amarante (Name geändert) in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Weiden, jetzt ist er vorläufig entlassen worden. Wenn er von seinen Eindrücken in der Haft berichtet, fällt ihm als erstes das Essen ein: "Jeden Tag gab es Kartoffeln. Kartoffeln mit Fleisch, Kartoffelsuppe, ..." Da würden sich schon viele beschweren, meint Amarante. "Zum Abendessen bekommst du nur ein Wurstbrot, zum Frühstück nur Brot." Einmal in der Woche gebe es Marmelade. "Und wenn du was anderes willst, dann musst du es kaufen."

Amarante beklagt, dass er nur ein kleines Stück Seife bekommen hat. Duschgel, Shampoo und sogar Nagelzwicker hat er sich noch extra besorgt. Alles hat er bei seiner Entlassung in eine Tüte gepackt und geht nun den Edeldorfer Weg entlang, Richtung Innenstadt, auf der Suche nach dem Bahnhof oder einer Telefonzelle, in eine ungewisse Zukunft: In einem halben Jahr hat er wieder eine Gerichtsverhandlung. Und vielleicht muss er dann bald wieder in die Weidener JVA. Zurück zum Kartoffelessen.

Kaum Negatives gehört

"Über das Essen wird immer geschimpft", sagt der stellvertretende Leiter des Vollzugsdienstes, Wolfgang Reichl. "Wenn die Gefangenen nach Amberg verlegt werden, sagen sie, in Weiden war's so gut, und wenn sie nach Weiden kommen, sagen sie, in Amberg war's so gut." In Weiden kümmern sich vier bis fünf Gefangene gemeinsam mit dem Küchenbeamten Johann Pecher und einigen JVA-Beamten um das Essen.

Pecher, der an einem Mittwoch in der Mittagszeit von 12.15 Uhr bis 12.45 Uhr vier Gäste bedient, bekommt kaum negative Rückmeldungen, sagt er: "Die sagen 'Gut war's, passt hat's.'." Diejenigen, denen es nicht schmeckt, seien nur ein paar, wie überall, vermutet der gelernte Bäcker, der bei der Bundeswehr eine halbjährige Ausbildung zum Koch gemacht hat. Vielleicht, so vermutet er, würde mal hinter dem Rücken über Kollegen gelästert.

Für den Rest: fünf Sterne

Auf der Internetseite knast.net erheben einige ehemalige Häftlinge schwere Vorwürfe. Eigentlich würden sie das Gefängnis mit fünf Sternen bewerten. Doch das Essen sei "unter aller Sau", die Zutaten alt, "alles mit Stärke angedickt". "Immer wieder das gleiche schlechte Essen", ist dort zu lesen und: "Das Schlimmste sind die Eintöpfe."

Doch Reichl und JVA-Abteilungsleiter Harald Bäumler wollen das nicht so stehen lassen: "Das verstehe ich überhaupt nicht", sagt Bäumler. Er esse täglich in der Gefängnis-Kantine und teste auch regelmäßig das Essen der Häftlinge. "Das beste Essen, wenn ich es über einen längeren Zeitraum bekomme, verblasst, weil natürlich bei uns die Umstände nicht passen." In seiner Familie habe auch jeder einen eigenen Geschmack. "Ich kenne einen Gefangenen, der hat gesagt, er will erst Nachmittags entlassen werden, weil's mittags einen Schweinebraten gibt", sagt Reichl.

Gleiche Kost für Beamte

Am Wochenende würden die Beamten das gleiche wie die Häftlinge essen, und die Kollegen würden auch gerne in die JVA zum Mittagessen gehen. Sicher gebe es einige, die sagen, "Ich esse abends daheim" oder "Ich werde zu dick". "Wir schauen auch, dass wir Nährwerte und Vitamine zusammenbekommen."

Bäumler glaubt, dass sich viele Insassen im Gefängnis besser ernähren als draußen. "Die internen Beschwerden übers Essen gehen fast gegen null. Verpflegung ist nicht Bestandteil der Strafe. Das mag vielleicht früher bei Wasser und Brot so gewesen sein. Wir können natürlich nicht alle Gourmetansprüche erfüllen", erklärt Bäumler. "Die Gefangenen lassen es sich nicht bieten, wenn die Verpflegung schlecht ist."

So ist das Knastleben

Verpflegung und Fitnessstudio sind die beiden wichtigsten Themen der rund 120 männlichen Gefangenen am Almesbacher Weg 2. Etwa die Hälfte von ihnen sitzt hier in Untersuchungshaft. Die andere Hälfte verbüßt Strafhaft in Höhe von bis zu zwei Jahren. Wer das Gefängnis betritt, darf weder Handy noch Autoschlüssel mitnehmen. Das gilt nicht nur für Häftlinge, auch Mitarbeiter und Besucher müssen beides an der Pforte abgeben. "Ein Gefangener darf nur in Ausnahmefällen telefonieren", erläutert JVA-Abteilungsleiter Harald Bäumler. Häftlinge könnten sonst versuchen, Beweise für ihre Taten zu beseitigen.

Die Autoschlüssel müssen abgegeben werden, damit im Fall einer Geiselnahme nicht das Fluchtfahrzeug direkt vor der Tür steht. Viele Gefangene sitzen aufgrund von Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Hinzu kommt die Beschaffungskriminalität im Zusammenhang mit Drogen wie etwa Diebstahl sowie der Drogenschmuggel. Häftlinge müssen oft bei Haftantritt einen Drogen- oder Alkoholentzug machen.

Für die Insassen gibt es Fernseher zu kaufen. Die Geräte empfangen auch ausländische Programme und haben ein integriertes Radio. Darüber hinaus dürfen die Häftlinge keine weiteren elektronischen Geräte besitzen: weder CD-Spieler, noch Computer. Internetzugänge gibt es auch nicht. "Die Erfahrung zeigt, dass man alle Geräte für verbotene Zwecke manipulieren kann", sagt der stellvertretende Leiter des Vollzugsdienstes, Wolfgang Reichl.

Bücher leihen die Gefangenen in einer Bücherei aus. Dort gibt es Angebote in vielen Sprachen. Die Kommunikation im Gefängnis ist schwierig: "Vergangenes Jahr hatten wir Gefangene aus 44 Nationen", sagt Bäumler. In zwei Werkshallen bietet die JVA je nach Auftragslage Arbeitsplätze für bis zu 50 Häftlinge an. Im Stil der Heimarbeit fertigen die Gefangenen dort Spielzeug und verpacken Glaswaren. Die Gefangenen können Deutschkurse besuchen, einmal im Jahr wird eine Fortbildung zum Staplerfahrer angeboten.

Jeder Gefangene hat das Recht auf zwei Stunden Besuchszeit im Monat. "Wir sind da auch nicht kleinlich und genehmigen im Rahmen unserer Kapazitäten Sonderbesuche", sagt Bäumler. Der Kontakt zu den Angehörigen sei wichtig. Er helfe den Gefangenen, zurück in die Spur zu finden. Bei guter Führung kommen die Häftlinge in den offenen Vollzug.

Dann ziehen sie in den Bau vorm Haupteingang. Sie dürfen dann selbstständig zur Arbeit gehen, müssen die Nacht aber im Gefängnis verbringen. Teilweise dürfen die Gefangenen sogar übers Wochenende ihre Familien besuchen. (dko)

Hintergrund: Zu wenig Gehalt für Mitarbeiter?

 Jeder fünfte Mitarbeiter im Justizvollzug in Bayern hat einen Nebenjob. Das geht aus einer Antwort des Justizministeriums auf eine SPD-Anfrage hervor. Die SPD forderte daraufhin eine bessere Bezahlung, weil sich offenbar viele etwas dazuverdienen müssten. In Weiden stellen Nebentätigkeiten kein Problem dar: "Man muss schon vergleichen, ob ich hier oder in München wohne. Ich schließe nicht aus, dass es in Großstädten ein Problem ist", sagt der stellvertretende Leiter des Vollzugsdienstes, Wolfgang Reichl. JVA-Abteilungsleiter Harald Bäumler: "Ich habe eine genehmigte Nebentätigkeit beim Neuen Tag. Selbst wenn ich nur einen Artikel im halben Jahr schreiben würde, muss ich das als Nebentätigkeit genehmigen lassen. Außerdem bin ich Chorleiter, auch das zählt als Nebentätigkeit, obwohl es mein Hobby ist." (dko)

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