Besinnliche Zeit, fleißige Schnitzfreunde
Weihnachten in Lindenholz

Georg Gößl bringt die letzten Verzierungen an seiner Krippe an.

Bei Hobby-Schnitzer Georg Gößl herrscht zur Weihnachtszeit Hochbetrieb: Seine Schnitzfreunde bauen nicht nur Krippen. Aus Holzklötzen formen sie Engel, Tannenbäume, Hirten, Schafe und Ziegen. Und einer bastelt sogar das Weihnachtsgeschenk für seine Freundin.

Altenstadt/WN. "Es sind mittlerweile 35 oder 40 Krippen, die ich gebaut habe", sagt Georg Gößl. Der Altenstädter (71) verziert gerade das Dach einer weiteren Krippe mit Holznägeln. Zwei bis drei Wochen ist er an der Krippe gesessen. Jeden Tag hat er etwa zwei Stunden daran gearbeitet. "Das Material kostet 20 Euro. Der Rest ist Handarbeit", erläutert er. Gößl sitzt im Werkraum der Mittelschule Altenstadt. Um ihn herum haben sich seine Schnitzkollegen an die Tische gesetzt. Vor ihnen liegen ihre Schnitzmesser, in die Schraubstöcke haben sie Holzobjekte gespannt.

Seit sechs Jahren treffen sich die Schnitzfreunde. Behutsam formen sie mit ihren Messern das Material. Span auf Span fällt zu Boden. Aus einem Holzblock entsteht nach und nach eine Figur. Manchmal wird es laut. Dann hat ein Schnitzfreund im Nebenraum Bandsäge oder Hobelmaschine eingeschaltet. Auf den Tischen tummeln sich fertige Schafe, Ziegen, Tannenbäume und Hirten.

Auf einem Tisch in der Mitte steht ein 40 Zentimeter großer Engel. Im Hintergrund arbeitet Karl-Heinz Bogasch an einem Geschenk für seine Lebensgefährtin. Aus einem Stück Holz schnitzt er zwei ineinander verschlungene Herzen.

Glatte Engelsflügel

Fast alle Hobby-Künstler sind Senioren. Die Männer unterhalten sich in tiefem Oberpfälzisch. Zum Schnitzen gönnen sie sich ein Bier. Auf der Seite steht ein ganzer Presssack bereit. Heute ist Weihnachtsfeier.

Etwas abseits sitzt Irene Meier. Die gelernte Holzbildhauerin hilft den Männern bei schwierigen Partien. "Ich sag zum Beispiel, wie die Körperproportionen aufgeteilt sein sollen oder wie man ein Gesicht schnitzt." Helmut Eichler ist Schreiner. Er schnitzt an den Flügeln für seinen vierten großen Engel. Meier fällt da gleich etwas auf: "Er hat hinten Kanten gemacht. Das kann man auch glatt auslaufen lassen. Das ist viel schöner." Mit einem flachen Schnitzmesser glättet sie das Holz des Engelsflügels. Beschwingt läuft der nun zur Spitze aus.

"Die Sicherheit spielt halt auch eine Rolle", sagt Gößl. "Wenn man neu anfängt, ist das Schlimme das Halten." Neue Leute wollten oft schnelle Ergebnisse sehen und verwendeten zu viel Gewalt. "Dann schneiden die sich ein."

Besonders aufpassen, dass er nicht "einschneidet", muss Ewald Kische: Er ist Bluter. Der 79-Jährige hat sich zum Schnitzen selbst Werkzeug gebaut. "Das lernt man als Parkettleger-Meister. Das kann fast keiner mehr." Damit schnitzt er kleine Tannenbäume für den Adventskranz.

Gutes Miteinander

Die Schnitzfreunde lernen auch voneinander: Gerhard Schäfer ist Bauingenieur. Er hat Baupläne für die Krippen gezeichnet. Die Elektrotechniker Willi Grundig und Wolfgang Hartig kümmern sich um die Beleuchtung.

Günstig ist das Hobby nicht: "Wennst das ein bisschen machst, brauchst du 2000 Euro", erklärt Gößl. Seine Kollegen hätten eine eigene Werkstatt Zuhause. Dazu gehörten Bandsäge und ein Schleifgerät. Für ein 15-teiliges Messerset muss der Hobbykünstler 450 Euro in die Hand nehmen. Ein Einsteigerset mit vier Messern kostet 120 Euro. "Mir hat mal jemand gesagt: Ein guter Schnitzer kommt mit fünf Messern aus", meint Gößl. "Ich schaff das nicht."

Die SchnitzertreffenDie Hobby-Künstler sind nicht nur in der Weihnachtszeit aktiv: Sie treffen sich das ganze Jahr über jeden Montag von 18 bis 21 Uhr in der Mittelschule Altenstadt. Nur in den Sommerferien machen sie Pause. Ansprechpartner ist Georg Gößl unter der Telefonnummer 09602/5816. (dko)
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